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Nikolausfest der Niederlande : Was ist nur aus Sinterklaas geworden?

Feiern unter Polizeischutz: Sinterklaas zieht im niederländischen Ort Maassluis ein. Bild: AFP

Sicherheitsmaßnahmen begleiten das Nikolausfest in den Niederlanden. Bei der Feierlichkeit kommt es zu Ausschreitungen durch Gegner der Tradition des schwarz geschminkten „Zwarten Pieten“. 200 Personen werden festgenommen.

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          Scharfe Sicherheitsvorkehrungen, Hunderte Polizisten, eine Notverordnung, 200 Festnahmen. Das ist nicht die Bilanz einer aus dem Ruder gelaufenen Demonstration für oder gegen Einwanderung. Auch nicht die eines der gefürchteten „Risikospiele“ in der ersten niederländischen Fußballliga, zwischen Ajax (Amsterdam) und Feyenoord (Rotterdam) etwa. Es ist die Bilanz eines Volksfests.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn am Wochenende zog in den Niederlanden in vielen Städten der Nikolaus ein, wie in jedem November. Es ist der Auftakt der Festsaison, in den kommenden Wochen zieht der Alte im roten Mantel durch Schulen und Kindergärten und verteilt Süßes. Am 5. Dezember hoffen Kinder dann auf reichlich Geschenkpäckchen im eigenen Haus, am Vorabend des Nikolaustages, dem „pakjesavond“. Unter den vielen Orten, in denen Sinterklaas an diesem Wochenende Einzug hielt, stand einer im Mittelpunkt: Maassluis. Der Ort war dieses Jahr auserkoren worden für den „Landesweiten Einzug“, die zentrale Feier, die auch im Fernsehen live übertragen wird.

          Auf den Sinterklaas freuen sich alle, seine Helfer aber stehen seit Jahren in der Kritik: die schwarz geschminkten „Zwarte Pieten“, die tanzen, juxen und Süßigkeiten verteilen. 85 Prozent der Niederländer sehen sie laut Umfragen als Mitakteure einer harmlosen alten Tradition. Andere empören sich dagegen, weil der Zwarte Piet rassistisch sei und dunkelhäutige Menschen veralbere.

          Der Trend zeigt zunehmend leicht grauschwarz geschminkte Pieten

          Diese Minderheit ist in den vergangenen Jahren immer lauter geworden, sie kommt vor allem aus den Städten. In Maassluis verhängten die Behörden deswegen eine Notverordnung. Das Städtchen westlich von Rotterdam wurde zur Sicherheitsrisikozone erklärt, Polizisten waren ermächtigt, Passanten zu durchsuchen. Das Kernareal des Fests war mit Drängelgittern geschützt, Besucher mussten Kontrollposten passieren.

          Die einzige offiziell angekündigte Demonstration in Maassluis war die der rechtsextremen Niederländischen Volksunion (NVU). Etwa 20 Personen protestierten gegen jede Änderung der Tradition – sie finden, der Piet muss tiefschwarz bleiben, entgegen dem Trend, wonach zunehmend leicht grauschwarz geschminkte Pieten auflaufen. Sie sind dann nur deswegen gefärbt, weil sie sich beim Geschenkeverteilen der Legende nach durch den Schornstein zwängen; das Schwarz steht für Rußspuren. Der Sinterklaas in Maassluis ließ sich sowohl von Schwarzen als auch Grauen Petern begleiten.

          Gegner des Zwarte Piet, die eigentlich für die zentrale Feier erwartet worden waren, wichen ins nahe Rotterdam aus. Die Metropole hatte viele ihrer Polizisten nach Maassluis entsandt und verhängte für die Stadt selbst ein Demonstrationsverbot. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben etwa 200 Menschen fest, die sich daran nicht hielten. Fast alle kamen indes bald wieder frei.

          2014 war es in Gouda, das damals die zentrale Feier ausgerichtet hatte, zu Drängeleien und Schubsereien gekommen, knapp 100 Menschen wurden zeitweise festgenommen. In Maassluis blieb es diesmal einigermaßen ruhig. Aber die Stimmung ist schwer beeinträchtigt. Der Nachrichtensender Radio 1 machte am Samstag seine Mittagsnachrichten mit den Auseinandersetzungen um die Zwarte Pieten auf – ebenso das darauffolgende Politikprogramm „Kamerbreed“. Was sei nur aus Sinterklaas geworden?, fragte der Moderator. „Eine aus dem Ruder gelaufene Diskussion über etwas, das von einem Kinderfest zu einem schweren Symbol geworden ist – und in der beide Seiten immer weniger zuhören und sich immer mehr in einer Art Absolutismus verlieren“, antwortete der Fraktionsvorsitzende der liberalen Partei D66, Alexander Pechtold.

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