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Bangladesch : Tee nur gegen mehr Lohn – fast 150.000 Arbeiter streiken

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Zehntausende protestieren in Srimangal für mehr Lohn auf den Teeplantagen Bangladeschs. Bild: AFP

Auf den Teeplantagen Bangladeschs verdienen Beschäftigte derzeit umgerechnet 1,20 Euro am Tag und können damit ihr Leben nicht mehr bestreiten. Sie fordern mehr Lohn. „Tee-Arbeiter sind wie Sklaven in moderner Form“, sagt ein Forscher.

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          Auf den Teeplantagen in Bangladesch sind zehntausende Arbeiterinnen und Arbeiter in den Streik getreten, um der Forderung nach Lohnerhöhungen Nachdruck zu verleihen. Fast 150.000 Beschäftigte hätten am Samstag auf den 232 Teeplantagen des Landes die Arbeit komplett niedergelegt, sagte Sitaram Bin von der Gewerkschaft der Tee-Branche der Nachrichtenagentur AFP.

          Niemand werde „Teeblätter pflücken“ oder in den Fabriken zur Verarbeitung der Teeblätter arbeiten, solange nicht auf die Lohnforderungen eingegangen werde, sagte der Gewerkschaftsvertreter.

          Der Mindestlohn für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Teeplantagen von Bangladesch liegt derzeit bei 120 Taka pro Tag – dies sind nach dem offiziellen Umtauschkurs etwa 1,20 Euro. Die Gewerkschaften fordern angesichts der starken Inflation eine Lohnerhöhung auf 300 Taka pro Tag, die Arbeitgeber haben bisher 14 Taka angeboten. In den vergangenen Tagen hatte es bereits jeweils zweistündige Streiks gegeben.

          Teepflücker werden laut Forschern systematisch ausgebeutet

          Die Arbeiterin Anjana Bhuyian sagte, der bisherige Lohn reiche kaum aus, um ausreichend Nahrungsmittel zu kaufen. „Heutzutage können wir mit dieser Summe nicht einmal groben Reis für unsere Familie kaufen“, sagte sie zu AFP. An Ausgaben für „Medizin oder die Erziehung der Kinder“ sei mit diesem Lohn nicht zu denken.

          Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Tee-Branche, Shah Alom, hob hervor, dass „die Kosten für die Produktion zunehmen“. Die Preise für Gas, Dünger und Diesel seien gestiegen.

          Nach Angaben von Forschern werden die Beschäftigten auf den Teeplantagen – die in einigen der entlegensten Gegenden von Bangladesch liegen – jedoch bereits seit Jahrzehnten systematisch ausgebeutet. „Tee-Arbeiter sind wie Sklaven in moderner Form“, sagte Philip Gain von der Forschungsgruppe Society for Environment and Human Development (Gesellschaft für Umwelt und menschliche Entwicklung). Die Plantagenbesitzer hätten die für die Festsetzung des Mindestlohns zuständigen Behörden im Griff und so dafür gesorgt, „dass die Löhne zu den niedrigsten der Welt“ gehörten.

          Protest wegen hoher Treibstoffpreise

          Tausende Menschen hatten in Bangladesch jüngst unter anderem gegen steigende Treibstoffpreise im Zusammenhang mit Inflation wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine protestiert. Nach Angaben der Organisatoren waren am Donnerstag mehr als 30.000 Demonstranten auf den Straßen der Hauptstadt Dhaka unterwegs, laut Polizei allerdings weniger als 10.000 Menschen. Die Demonstranten warfen Premierministerin Sheik Hasina auch vor, zu wenig gegen steigende Lebensmittelpreise und Inflation zu unternehmen und forderten einen Rücktritt der Regierung. Weitere Proteste wurden für übernächste Woche angekündigt.

          Die Regierung des östlichen Nachbarlands Indiens mit mehr als 160 Millionen Einwohnern hatte vergangene Woche Treibstoffpreise um 52 Prozent erhöht. Dadurch stiegen auch die Preise anderer Güter wie Lebensmittel oder Kleider. Im Zuge der Sparmaßnahmen hatte die Regierung unter anderem einstündige Stromausfälle pro Tag verhängt und Fabriken angewiesen, freie Tage je nach Gebiet an verschiedenen Tagen anzusetzen, um den Stromverbrauch besser aufzuteilen.

          Die Regierung Bangladeschs bat kürzlich auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) gebeten, wie örtliche Medien berichteten. Zuletzt hatte auch Indiens südlicher Nachbar Sri Lanka mit seinen rund 22 Millionen Einwohnern monatelange Massenproteste in seiner schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten erlebt. Sri Lankas Präsident war Mitte Juli nach Singapur geflohen.

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