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Auch Telegram betroffen : Hacker erobern Kanäle und Websites von Attila Hildmann

  • Aktualisiert am

Attila Hildmann im Sommer 2020 in Berlin: Mittlerweile ist er in die Türkei geflohen. Bild: dpa

Attila Hildmann verliert weiter an Reichweite. Das Hackerkollektiv Anonymous hat Kanäle und Websites des Rechtsextremisten gekapert – angeblich in Zusammenarbeit mit einem Vertrauten von Hildmann.

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          Schon Anfang Juni hatte der Rechtsextremist Attila Hildmann einen großen Teil seiner Reichweite verloren – mehrere Kanäle auf der Plattform Telegram, über die er antisemitische Propaganda verbreitet, sind seitdem auf Apple- und Android-Geräten nicht mehr erreichbar. Seine Hassbotschaften und Lügen über das Coronavirus konnte Hildmann aber weiter veröffentlichen, zum Beispiel über die Desktop-Version von Telegram waren seine Kanäle noch erreichbar. Das hat sich jetzt geändert. Verantwortlich dafür sind nicht Behörden, sondern das Hackerkollektiv Anonymous.

          Auf den Telegram-Kanälen – aber auch auf der Startseite des früheren Onlineshops des veganen Kochs – ist jetzt ein Bekennertext und -video der Hacker zu finden. In dem Video sieht man einen Sprecher mit der ikonischen Guy-Fawkes-Maske, eine verzerrte Stimme sagt: „Attila, wir haben dir keinen Honig um den Mund geschmiert, sondern Bienen in den Rachen geworfen, und im Gegenzug hast du uns alles anvertraut. Deine Telegram-Kanäle und -Gruppen, deine Websites, deine E-Mails, deine Notizen, deine Kontakte, die persönlichen Daten deiner Follower und Kunden sowie vieles, vieles mehr, ohne auch nur einmal zu hinterfragen.“

          Auf einer Anonymous-Unterstützerseite wird in einem langen Text erklärt, wie die Hacker die Kanäle und Websites gekapert haben. Demnach arbeiteten sie mit einem ehemaligen Vertrauten von Hildmann zusammen, der Zugriff auf dessen Kanäle hatte und im vergangenen Dezember mit ihm sogar in die Türkei geflohen war. In diesem August habe sich „Attilas Admin“ an die Hacker gewandt und gesagt, dass er selbst zwar Verschwörungsgläubiger sei, aber kein Nazi – Hildmann halte er dagegen mittlerweile für einen gefährlichen Nazi. „Der Typ ist nicht nur gefährlich, der muss auch einfach aufgrund dessen, was er schon gemacht hat und was er schon verursacht hat, (...) seine Strafe bekommen“, soll er den Hackern geschrieben haben. Die Anhänger von Hildmann hätten jeden Bezug zur Realität verloren, seien nicht mehr erreichbar und „eher zum Kampf als für die Rückkehr in die Gesellschaft bereit“.

          „Hallo Attila Hildmann“: Screenshot aus dem Bekennervideo
          „Hallo Attila Hildmann“: Screenshot aus dem Bekennervideo : Bild: Screenshot/F.A.Z.

          Die Hacker wollen über „Kai“, wie der Admin in dem Text genannt wird, die Zugangsdaten zu mehr als 20 E-Mail-Accounts von Hildmann bekommen, an die 100.000 E-Mails erbeutet und dann gemeinsam mit „Kai“ daran gearbeitet haben, Domains wie attilahildmann.de und attilahildmann.com zu transferieren, um sie vor dem Zugriff durch Hildmann zu schützen. Die Telegram-Kanäle, in denen „Kai“ einen Status als „Owner“ gehabt habe, seien geschlossen worden. „Damit haben wir Attila fast seine gesamte Reichweite genommen“, heißt es in dem Text. Einige Kanäle werde sich Hildmann wohl zurückholen können, die mit den meisten Followern aber nicht. „Da hat er keine Chance.“ Die Hacker kündigten an, Erkenntnisse aus den erbeuteten Daten von Hildmann in den nächsten Tagen Behörden und Presse zu offenbaren. Hildmann ist seit Monaten in der Türkei, ein Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Volksverhetzung kann deshalb nicht vollstreckt werden.

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