https://www.faz.net/-gum-9356i

Attila Hildmann verliert Wette : „Wer bringt das Tier um?“

  • -Aktualisiert am

Attila Hildmann am Montag in Berlin bei einem Pressetermin vor seinem veganen Imbiss Bild: dpa

Der Vegan-Koch Attila Hildmann hat es nicht geschafft, Berliner Journalisten zu Veganern zu machen. Eigentlich wollte er dann ein Steak essen – dafür stellte er aber noch eine Bedingung.

          2 Min.

          Susanne Kippenberger ist eine erfahrene und gebildete Autorin, die nicht nur gut übers Kochen schreiben kann, sondern auch gern und gut kocht – und gastfreundlich ist. Attila Hildmann ist offenbar kein guter Gastgeber. Er jaulte über Kippenbergers „Kackartikel“ im „Tagesspiegel“ und bereute, sie nicht erkannt zu haben: „sonst hätte ich Ihnen meine Pommes in Ihre Wannabe-Journalistinnen-Visage gestopft“.

          Am Mittwoch um 15 Uhr nun lädt Hildmann die Presse ein, um zu beweisen, dass er ein toller Koch ist. Die zumeist jungen Kollegen, die dieser Einladung folgen, haben offenbar keine Angst davor, den leicht erregbaren Wirt in der Nähe seiner Messer zu treffen. Kippenberger hatte ihren Besuch so beschrieben: „Wer im Imbiss einkehrt, den der Fleischverächter im Frühjahr in Charlottenburg eröffnete, meint, eine Fritteuse zu betreten. Kein Zweifel, hier wird gern in Öl gebadet. Der Tofu zum Beispiel, der den pikanten Thaisalat (kleine Portion 5,90 Euro) krönt. Ändert auch nichts an der Gummikonsistenz. Oder die Süßkartoffeln, eher klebrig statt knusprig. Dazu gibt’s Ketchup. Die vegane Mayo schmeckt künstlicher als das Naturprodukt aus Ei und Öl.“

          Eingelassen werden am Mittwoch nur akkreditierte Journalisten, viele schwer getuschte Rehlein in Kampfkleidung achteten darauf. Gelüftet ist der Imbiss dieses Mal sicher gut. Für ihn, sagt Hildmann, als er die Schar begrüßt, stehe viel auf dem Spiel – er hatte angekündigt, ein Steak zu essen, wenn den Journalisten sein Zeug nicht besser schmecken sollte als die üblichen Burger aus Fleisch. Da unter den Menschen, die in die „Geschlossene Veranstaltung“ strömen, keine Gastro-Kritiker sind, und da der Wirt seine Neigung zum Groben unmissverständlich zeigt, muss man nicht viel drauf geben, wie das Gratisessen schmeckt. Profis zahlen ihr Essen, und sie essen unerkannt. In der Gegend, in der Hildmann seinen Imbiss plaziert hat, kommt es auf guten Geschmack nicht an. Vor der Tür ein hässlich mit Produktreklame bemalter Porsche (mit Ledersitzen, wie Veganer und Fleischfresser gleichermaßen bemerken), in der Imbissstube ein Kühlschrank voller selbstgemachter Getränke („Wake the Warrior“). Vegan zu verkaufen ist schwierig, wenn man sich selbst ohne Fleisch auf dem Teller für ein Weichei hält und man daher besonders breitbeinig auftritt.

          Und wie schmecken nun die Vegan-Burger? Von der Presse gab es laut Hildmann gute Noten, aber die Mehrheit bevorzuge weiter die Fleischvariante. Daraufhin parkt er seinen Porsche um, ein Anhänger fährt vor, darin eine Ziege und ein Kälbchen. Das müsse getötet werden, damit er ein Steak esse, fordert Hildmann mit dem Messer in der Hand. „Wer bringt das Tier um?“ Niemand drängt sich vor. Also isst Hildmann das Steak am Mittwoch nicht.

          Weitere Themen

          Prinzessin Leonor tritt erstmals ins Rampenlicht

          Spanische Thronfolgerin : Prinzessin Leonor tritt erstmals ins Rampenlicht

          Wie ihr Vater hält die Infantin mit 13 Jahren ihre erste öffentliche Rede bei den „spanischen Nobelpreisen“ – und macht es besser als der König einst. Bei ihrem nächsten Auftritt könnte es allerdings ungemütlicher zugehen.

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.