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Astronauten-Training : Wie in „Gravity“, nur in echt

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Wie es oben sein wird: ein wenig komfortabler als früher. Seit einiger Zeit gibt es eigene Schlafkojen. Man klebt mit seinem Schlafsack zwar noch an der Decke, aber nicht mehr irgendwo in der Raumstation. Auch das Essen ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Europäisch, indisch, mexikanisch, weniger geschmacksneutral als früher. Bei Neuankömmlingen gibt es für kurze Zeit auch mal mitgebrachtes Obst. Wenngleich Hunger- und auch Durstgefühl in der Schwerelosigkeit schwach ausgeprägt sind.

Dreizehn Stunden pro Tag

So bleibt noch mehr Zeit für Arbeit. Zwölf, dreizehn Stunden jeden Tag. 162 Experimente sind vorgesehen für Mission 40. Neue Arten der Legierung für den Auto- und Flugzeugbau sollen getestet werden. Osteoporose, Knochenschwund, will man besser verstehen. Gerst, selbst Wissenschaftler aus Leidenschaft, sagt, die Wissenschaft sei mit der wichtigste Grund für seinen Flug. GPS, Satellitenfernseher, Wettervorhersage würde es ja alles nicht geben ohne Weltraumforschung. Aber das allein ist es nicht. „Ich denke, dass es einen Menschen generell verändern muss, wenn er mal dort oben war. Diese unglaubliche Perspektive.“

Er schüttelt den Kopf und lächelt ungläubig, als ob es ihm gerade erst wieder einfällt. „Runterschauen auf diese große blaue Kugel. Wahnsinn. Kontinente mit eigenen Augen sehen.“ Das müsse unglaublich friedlich und feierlich wirken. Den Moment des ersten Blickes auf die Erde, da ist er sich sicher, wird er nie mehr vergessen. Die Rückkehr zum Heimatplaneten ist für den 17.November geplant, ein paar Kilometer weiter auf dem Landeareal von Baikonur. Sollte es in der Raumstation zum Notfall kommen, haben die Astronauten sieben Minuten, um in die Notfallkapseln zu gelangen, mit denen es dann binnen einer Stunde zur Erde geht.

Vorgemerkte Notlandeorte liegen quer über die Erde verteilt, beispielsweise im Pazifik oder vor der französischen Atlantikküste. Was wird er nach dem 17.November fühlen? Die große Leere nach den Jahren der Anspannung, nach den Blicken auf die Erde? „Ich denke nicht“, sagt Gerst. Aber ein Loch werde es wohl erst mal geben. „Ich habe jetzt vier Jahre lang in einem Tempo gelebt und trainiert, das an meiner Maximalgrenze liegt. Ich glaube, das alles wieder auf ein normales Niveau herunterzuschrauben ist hinterher die große Herausforderung.“

Als Astronaut der Esa bleibt er danach auf jeden Fall ein Leben lang vergütet mit 6300 Euro netto im Monat vor und 8500 Euro nach der Mission. Gerst ist einer, dem die ganz große Vision vorschwebt: der Flug zum Mars. „Das wäre die ultimative Reise.“ 2040, sagen Experten, sei der Flug zum 55 Millionen Kilometer entfernten Planeten technisch machbar. Gerst wäre dann 64 Jahre alt. Solch gewaltiger kosmischer Strahlung würden sich wohl ohnehin nur ältere Astronauten aussetzen. Für den letzten großen Traum wäre er also im besten Alter.

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