https://www.faz.net/-gum-7oye3

Astronauten-Training : Wie in „Gravity“, nur in echt

  • -Aktualisiert am

Drei Jahre Training

Es beginnt ein drei Jahre währendes, von der Esa minutiös geplantes und normiertes Training, das bis drei Tage vor dem Start dauern wird. Seit dem Tag seiner Erwählung führt Gerst ein beschleunigtes Leben zum Wohle der perfekten Vorbereitung auf seinen Aufenthalt im All. Er pendelt zwischen dem Astronaut Center in Köln, dem Johnson Space Centre in Houston und dem sogenannten „Sternenstädtchen“ nordöstlich von Moskau, in dem schon Juri Gagarin für seine Mission trainierte.

Er lernt sich in einem Raumanzug zu bewegen, der 160 Kilo schwer ist. Er lernt Russisch, neben Englisch zweite Amtssprache im All. Er rotiert mit hohem Tempo, verschnürt auf einem Spezialsitz, in einer gewaltigen Zentrifuge. Dabei muss er einen Knopf im Inneren stets gedrückt halten, um zu zeigen, dass er bei extremen Beschleunigungen in alle Richtungen das Bewusstsein behält. Bei Start und Landung lastet auf den Astronauten ein Druck von bis zum Neunfachen des eigenen Körpergewichts, der das Atmen für Ungeübte fast unmöglich macht.

Auch die Fortbewegung in der Raumfähre fordert unzählige Stunden der Übung. In einem Nachbau der ISS auf dem Trainingsgelände in Köln hat Gerst sich die Lage jedes Haltegriffs eingeprägt, jeder Schlaufe für die Füße zur Fixierung auf dem Boden, die Funktion jedes Moduls studiert, jeden Verschluss der Luke beim Ausstieg aus der Station. Alles muss sitzen. Nachdenken dürfte man im Falle des Falles nur noch kurz darüber, was zu tun ist, nicht darüber, wie man es tut. Natürlich könne man die absolute Sicherheit dort oben nie haben, aber doch zumindest so gut wie möglich darauf hinarbeiten. Respekt vor der Situation sei angebracht, Angst sei aber fehl am Platz. „Angst bedeutet Kontrollverlust“, sagt Gerst, „und den darf man sich nicht erlauben.“

Komfortabler als früher

Trotz allem dürfe man die Lockerheit nicht verlieren. Neben einer Eingangsluke des ISS-Nachbaus in Köln haben sie einen Aufkleber angebracht: „Speed Limit: 17.500 Miles, 28.000 km/h“. Mit ebenjener Geschwindigkeit, der Orbitalgeschwindigkeit, wird es Ende Mai dann 5000 Kilometer entfernt von Köln 400 Kilometer nach oben gehen. „Die Orbitalgeschwindigkeit muss man erreichen, sonst fällt man auf der anderen Seite wieder runter.“ Gestartet wird vom Kosmodrom Baikonur, dem größten Raketenstartplatz der Welt, 6700 Quadratkilometer Fläche. Los geht es, das ist wie alles in der Raumfahrt akribisch geplant, um 19.56 Uhr Ortszeit.

In den Minuten zuvor wird Gerst sich von seinen Eltern und der Lebensgefährtin verabschieden, der Quarantäne wegen durch eine Glasscheibe getrennt. Von Startrampe LC-1 werden Gerst und seine Crew im Raumschiff-Typ Sojus ZK-STMA-Z aufbrechen. Schon nach acht Minuten werden er und seine beiden Kollegen aus Russland und den Vereinigten Staaten im Weltall sein. Andocken an die ISS werden sie allerdings erst nach sechs Stunden. „Diese Zeit brauchen wir für unser Parkmanöver“, sagt Gerst und lacht. Zwei Objekte, Raumkapsel und Raumstation, müsse man bei Tempo 28.000 km/h exakt synchronisieren.

Weitere Themen

Topmeldungen

Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.