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Michael Collins wird 90 : Die Einsamkeit, die keine war

Allein aber nicht einsam: Michael Collins trainiert im Simulator die Steuerung des Kommandomoduls. Bild: Reuters

Nur wenige Menschen waren je so isoliert wie Michael Collins, der während der ersten Mondlandung im Apollo-Raumschiff allein um den Erdtrabanten kreiste. An diesem Samstag wird er 90 Jahre alt.

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          Als Neil Armstrong 1969 während der Apollo-11-Mission mit seinem „kleinen Schritt“ auf die Mondoberfläche Geschichte schrieb, befand sich sein Kollege und Pilot der Kommandokapsel Michael Collins im Funkschatten des Mondes. Dort kreiste er auf seinem Orbit rund hundert Kilometer über der Mondoberfläche im Raumschiff Columbia. Erst eine Dreiviertelstunde später war sein Kontakt mit Houston wiederhergestellt. „Ich glaube, du bist so ziemlich die einzige Person, die die Szene nicht im Fernsehen gesehen hat“, stellte Verbindungssprecher Bruce McCandless fest. „Das ist in Ordnung, das macht mir nichts aus“, antwortete Collins.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Frage nach der Einsamkeit, die er in dieser Zeit hinter dem Mond ohne jeden Kontakt zur Erde oder zu seinen Kollegen auf dem Mond empfunden haben mag, wurde Collins seitdem nie mehr los. Buzz Aldrin zitierte ihn später mit dem Kommentar, es sei ihm bewusst gewesen, dass er in einer Art und Weise allein gewesen sei wie kein Erdling jemals zuvor. Dass dies aber weder Angst noch Einsamkeit erzeugte, sondern vielmehr ein Gefühl von Achtsamkeit, Antizipation, Zufriedenheit, Vertrauen, beinahe ein Hochgefühl, stellte Collins immer wieder klar, nicht nur in seiner 1974 erschienenen Autobiographie.

          Während sein Beitrag zur Mondlandung ebenso entscheidend war wie der von Armstrong und Aldrin, ermöglichte seine vermeintlich stille Beobachterrolle ihm, am Rande der großen Aufmerksamkeit zu bleiben – eine Tatsache, die es ihm sicher erleichterte, nach Apollo 11 nicht zuletzt seiner Familie zuliebe das Raumfahrtprogramm der amerikanischen Raumfahrtbehörde (Nasa) zu verlassen und seiner Karriere in Washington noch einmal eine neue Richtung zu geben. Die Prioritätensetzung zahlte sich privat für ihn aus: Anders als bei den meisten seiner Astronauten-Kollegen hielt seine Ehe über Apollo hinaus 57 Jahre lang bis zum Tod seiner Frau Patricia Mary Finnegan Collins im Jahr 2014.

          Der am wenigsten bekannte „Dritte“ der ersten Mondlandung: Michael Collins am 1. Mai 1969
          Der am wenigsten bekannte „Dritte“ der ersten Mondlandung: Michael Collins am 1. Mai 1969 : Bild: NASA/epa/dpa

          Michael Collins wurde 1930 in Rom als Sohn eines amerikanischen Armeeoffiziers geboren. Ursprünglich war es der Science-Fiction Held Buck Rogers, der ihn für die Erschließung des Weltraums begeisterte, lange bevor es überhaupt Astronauten oder die Nasa gab. Seine Entscheidung, zunächst an der Militärakademie in West Point zu studieren, dann eine Pilotenausbildung bei der United States Air Force zu absolvieren und schließlich als Testpilot auf der Edwards Air Force Base zu arbeiten, ebnete ihm schließlich den Weg ins All. 1963 wurde er als Mitglied der dritten Astronautengruppe der Nasa vorgestellt. Zwei Jahre später bekam er die Nominierung für eine bevorstehende Mission: Er wurde als Ersatzpilot für Gemini7 eingeteilt, kam dort aber nicht zum Einsatz. Seinen ersten Raumflug absolvierte er 1966 als Pilot von Gemini 10, als erster Astronaut absolvierte er zwei Außenbordeinsätze.

          Im selben Jahr wurde er Teil des Apollo-Programms und konzentrierte sich auf die Bedienung des Kommandomoduls – eine Spezialisierung, die später vereitelte, dass er die Mondoberfläche betreten würde. Seine Expertise sollte ursprünglich bei Apollo 8 zum Einsatz kommen, der ersten Mission, die den Mond umrundete. Collins musste den Einsatz aber aus gesundheitlichen Gründen absagen und wurde durch James Lovell ersetzt. Am 27. Dezember 1968 wurde er dann als Mitglied der Apollo-11-Crew bekanntgegeben, am 20.Juli des Folgejahrs wartete er in der Kommandokapsel auf seine Kollegen Armstrong und Aldrin, die sich mit der Mondlandefähre zum Erdtrabanten aufgemacht hatten.

          Nach seinem Ausscheiden bei der Nasa arbeitete Collins zunächst im amerikanischen Außenministerium und leitete dann das National Air and Space Museum der Smithsonian Institution. Seine Faszination für die Raumfahrt verlor er nie. Das Jubiläum der Mondlandung 2019 nahm er zum Anlass, von Reisen zum Mars zu träumen – allerdings immer verbunden mit der Mahnung, unsere so verletzlich wirkende Erde zu schützen. Deren Erscheinung aus dem All sei für ihn der eindrucksvollste Anblick gewesen, eindrucksvoller noch als jener des Mondes. An diesem Samstag feiert Michael Collins seinen 90. Geburtstag.

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