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Alexander Gerst im Gespräch : „Den Ruhm habe ich mir nie gewünscht“

Nervt auch die Schwerelosigkeit manchmal?

Ja, schon. Man verliert ständig Sachen, man muss auf alles aufpassen. Man kann nicht einfach irgendwo seinen Becher abstellen. Man braucht ein mentales Modell von allen Dingen, die man dabei hat. Wenn man seine Wasserflasche unbedacht an irgendeine Wand klebt, kann man sie inmitten all der Kabel und Geräte leicht vergessen und findet sie ein paar Wochen später zufällig beim Aufräumen. Und manchmal lösen sich Dinge auch vom Klettverschluss. Jeder von uns hat Stunden damit verbracht, Werkzeuge zu suchen.

Im Esa-Dress: PR-Termine pflastern nun seinen Weg.

Wie sieht es mit Schlafen aus?

Auch nicht so einfach. Man kann sich nicht richtig schön strecken, was Sehnen und Muskeln aber manchmal brauchen. Ich habe deshalb Bänder und Seile aufgespannt, um meine Arme und Beine nachts zu strecken. Aber das ist natürlich mühsam. Vermisst habe ich auch, mich nach einem harten Tag ins Bett plumpsen zu lassen.

Wie gewöhnt man sich an das ständige Schweben?

Das ist erstaunlich, das geht relativ schnell, es wird normal, das Gehirn nimmt es als Standard an. Die ersten Tage sind schon seltsam, sogar bei erfahrenen Astronauten. Man ist völlig handfixiert, hält sich nur mit den Händen an den Haltegriffen fest und knallt voll in die nächste Wand, wenn man mal einen Griff verpasst. Nach ein oder zwei Wochen fängt man an, die Beine mehr zu benutzen. Meine Füße haben die Griffe nach einer Weile ganz von alleine gefunden. Und irgendwann macht man Drehungen, von denen man gar nicht weiß, dass man sie kann, und die Kollegen schauen staunend und sagen: „Yeah, nice move!“

Wenn man sich an die neuen Eindrücke gewöhnt hat: Gibt es dann auf der Raumstation so etwas wie Alltag?

Letztlich haben wir einen roten Faden, der uns durch den Tag führt. In unserem Plan steht detailliert: Wir haben 20 Minuten für eine komplexe Aufgabe, dann kommt die nächste, dann die nächste. Zwischendurch isst man zusammen, am Abend hat man noch mal eine Stunde, in der man gemeinsam isst, sich unterhält, Nachrichten schaut. Dann ist schon halb neun oder neun, und man hat noch eine Stunde Zeit, mal aus dem Fenster zu schauen oder bei seiner Familie anzurufen. Das haben die meisten von uns täglich gemacht. Um zehn ist Bettzeit.

Sechs Mann auf engem Raum im All: Ist das schwierig?

Es ist tatsächlich nie ein böses Wort gefallen, wir haben uns nie angepampt. Ich wusste vorher nicht, wie es sein würde, aber es war ein sehr angenehmes Klima an Bord. Es war sehr sozial, wie in einer WG mit guten Freunden.

Nur ohne Bier.

Richtig, das ist nicht möglich wegen der Kohlensäure. Es würde sich eine Schaumblase bilden. Aber man will auch gar nicht betrunken sein da oben, auf einer Raumstation kann immer irgendwas schief gehen. Spaßig ist es dennoch, es ist keine Stunde vergangen, in der wir nicht herzlich miteinander gelacht hätten.

Haben Sie von der Erfahrung profitiert, in Studienzeiten in verschiedenen Wohngemeinschafen gelebt zu haben?

Das war sehr hilfreich. Man lernt in so einer WG im Idealfall tolerant zu sein, aber auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Ich habe da aber gute und schlechte Beispiele gesehen.

War das abhängig vom Geschlecht der Mitbewohner?

Ich habe in Männer-WGs gewohnt, aber auch als einziger Mann mit vier Frauen zusammen. Ich habe da eigentlich keinen Unterschied bemerkt. Die extremen Typen, die man kennenlernt, gibt es auf beiden Seiten. Die Klischee-Männer-WG, in der immer der Klodeckel offensteht, habe ich relativ selten gesehen.

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