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Assauer-Porträtistin Schmidt : „Alleine sein kann er nicht“

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Rudi Assauer in der Dokumentation des ZDF, die am Dienstagabend um 23.15 Uhr laufen wird.

Rudi Assauer in der Dokumentation des ZDF, die am Dienstagabend um 23.15 Uhr laufen wird. Bild: ZDF

Rudi Assauer, Fußball-Manager, Schalke-Legende und Werbe-Macho, hat seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht. Ein Gespräch mit Stephanie Schmidt, die ihn für das ZDF ein Jahr lang begleitet hat.

          5 Min.

          Frau Schmidt, wie ist es dazu gekommen, dass Sie eine Langzeitdokumentation über Rudi Assauer machen konnten?

          Wir hatten beim ZDF ein Projekt, für das wir verschiedene Prominente durch ihre Heimatstadt begleitet haben. Rudi Assauer sollte einer von ihnen werden. Beim Vorgespräch sind mir bestimmte Verhaltensweisen aufgefallen. Er hatte Momente, in denen ich das Gefühl hatte, er sucht etwas und findet es nicht in seinem Kopf. Zum Beispiel wusste er nicht mehr, wie seine Lieblingskneipe heißt. Und über alles, was er dann doch wiederfand, schien er unendlich glücklich. Mir kam das bekannt vor, weil es in meiner Familie jemanden mit Demenz gab. Deswegen habe ich ihn vorsichtig angesprochen, ich habe ihn gefragt: „Herr Assauer, kann das sein, dass Sie krank sind oder dass irgendwas nicht stimmt?“ Da war er erst mal lange ruhig, und dann hat er gesagt: „Ja, es stimmt was nicht mit meiner Birne.“ Vielleicht hat er gemerkt, dass mir das sehr nahegegangen ist. Dann meinte er: „Das ist schrecklich, vor allem, dass alle immer glauben, ich sei besoffen.“ Über seinen Freund, den Sportreporter Werner Hansch, habe ich ihm dann ausrichten lassen, dass ich es wichtig finden würde, einen Film zu machen. Danach war lange Ruhe. Schließlich, so ein halbes Jahr später, hat er zugestimmt - unter der Bedingung, dass der Film bei „37 Grad“ läuft, weil er ein Fan der Sendereihe ist.

          Wusste es zu dem Zeitpunkt schon irgendjemand außer Ihnen?

          Das sehr enge Umfeld sicherlich. Es gab wohl auch eine Szene mit Werner Hansch vor Assauers Haustür, da hat Hansch zu ihm ganz offen gesagt: „Rudi, ich mach’ mir Sorgen um dich, du weißt Sachen nicht mehr, von denen ich weiß, du müsstest sie eigentlich wissen.“ Das muss wohl sehr, sehr emotional gewesen sein. Assauer hat geweint, hat ihn ins Haus gezogen und zu ihm gesagt: „Guck mal, ich versuch’ doch alles, hier liegen Kreuzworträtsel und Sudokus, um zu trainieren, aber ich kann nichts dagegen tun.“ Das muss ein ganz, ganz schlimmer Moment gewesen sein für diese beiden Männer, die einander schon Jahrzehnte sehr vertraut haben und trotzdem eigentlich immer nur über Fußball geredet haben.

          Was ist Assauers Motivation, nun an die Öffentlichkeit zu gehen?

          Er will kommunizieren, dass er krank ist, weil er hofft, sich danach wieder frei in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Natürlich könnte er auch eine Pressekonferenz geben, aber das will er nicht. Er hat Angst vor Fragen, auf die er nicht mehr antworten kann, und davor, dass Antworten aus dem Zusammenhang gerissen werden.

          „Herr Assauer, kann das sein, dass Sie krank sind oder dass irgendwas nicht stimmt?“ Während den Dreharbeiten zu ihrer Dokumentation erfuhr Stephanie Schmidt von Assauers Erkrankung.
          „Herr Assauer, kann das sein, dass Sie krank sind oder dass irgendwas nicht stimmt?“ Während den Dreharbeiten zu ihrer Dokumentation erfuhr Stephanie Schmidt von Assauers Erkrankung. : Bild: Bastian Werner

          Hat sich sein Zustand während der Dreharbeiten merklich verschlechtert?

          Nein. Es war eher so, dass seine Tagesform schwankte. Wenn er ausgeschlafen war, viel spazieren ging und viel Fernsehen guckte, hatte er manchmal Momente, in denen mir fast nicht aufgefallen ist, dass er krank ist. Aber es gab auch Momente bei den Dreharbeiten, die ich niemals zeigen würde, weil ich ihn damit vorführen würde.

          Hat er Sie immer erkannt?

          Ja, aber das lag auch daran, dass man ihm vorher gesagt hat, wer kommt. Aber er hat zum Beispiel immer gewusst, wie viele Drehtage wir bereits hatten.

          Hat Assauer sich Ihnen geöffnet?

          Ja. Es gab ein ganz großes Interview am Ende eines langen Drehtags, wo wir alles schon eingepackt hatten, und plötzlich hat er sich unter seinen Baum im Garten gesetzt und hat angefangen, mit mir zu reden. Und da habe ich zur Kamerafrau und zur Tonfrau gesagt: „Wir bleiben jetzt einfach hier und machen das, egal, ob jetzt das Licht schön ist oder nicht.“ Wir haben über Selbstmord gesprochen, und er hat gesagt, dass das für ihn nicht in Frage kommt. Er möchte das Leben so lange es geht noch genießen, und es ist ihm wichtig zu zeigen, dass ein Weiterleben mit der Krankheit noch möglich ist. Das war ein ganz großer Moment. Danach waren wir drei Frauen so fertig, dass wir erst mal an eine Tankstelle gefahren sind und ein Bier getrunken haben.

          Sie sind mit der Kamera auch bei sehr privaten Situationen dabei gewesen. Welche sind das?

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