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Asia Argento und #MeToo : „Die außergewöhnliche Doppelzüngigkeit“

  • -Aktualisiert am

Asia Argento 2009 in Cannes Bild: AP

Die amerikanische Presse wird nach den Missbrauchsvorwürfen gegen die #MeToo-Frontfrau Asia Argento immer wieder mit neuen Details versorgt – Absender anonym. Manch einer vermutete Harvey Weinstein hinter den Indiskretionen.

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          Der Fall Asia Argento ist alles andere als das klassische She said, he said. Seit vor einer Woche Missbrauchsvorwürfe gegen die italienische Filmemacherin und #MeToo-Frontfrau laut wurden, gehen bei amerikanischen Redaktionen fast täglich neue, vertrauliche Informationen ein. Schon die Korrespondenz zwischen Argentos Anwältin Carrie Goldberg und den Vertretern des angeblichen Opfers Jimmy Bennett, die den Skandal auslöste, hatte die „New York Times“ auf dunklen Kanälen erreicht.

          Argento, so sickerte durch, soll ihren minderjährigen Filmsohn vor fünf Jahren bei einem Treffen in einem kalifornischen Luxushotel missbraucht haben. Angeblich gab sie dem Jugendlichen Alkohol, befriedigte ihn oral und schlief mit ihm. Das Mindestalter für sexuelle Handlungen liegt in Kalifornien bei 18 Jahren. Zwei Monate vor der Begegnung mit Argento feierte Bennett aber erst den 17. Geburtstag. Am Dienstag bestritt die Römerin, jemals eine sexuelle Beziehung zu dem ehemaligen Kinderstar unterhalten zu haben – und wurde umgehend von einem Foto eingeholt, das sie mit Bennett im Bett zeigte. Wie das Selfie von Mai 2013 das Klatschportal TMZ erreichte, bleibt ein Geheimnis.

          Auch die Quelle privater Textnachrichten zwischen Argento und einem Freund gibt Rätsel auf. „Ich hatte Sex mit ihm, und es fühlte sich komisch an. Bis zu seinem Erpressungsbrief wusste ich nicht, dass er minderjährig war“, heißt es in einer Kurzmitteilung der Filmemacherin, die TMZ am Mittwoch veröffentlichte. Bennett hatte der Zweiundvierzigjährigen im November einen Drohbrief seines Anwalts Gordon Sattro zukommen lassen. Für 3,5 Millionen Dollar versprach der Kalifornier Stillschweigen. Falls Argento nicht zahle, erwarte sie eine Zivilklage. Nach Beratungen mit ihrem Lebensgefährten Anthony Bourdain, dem amerikanischen Koch und Moderator der kulinarischen Reisereportage „Parts Unknown“, überwies das Paar insgesamt 380.000 Dollar. „Anthony hatte Angst vor schlechter Publicity. Er nahm es auf sich, Bennett unter der Bedingung finanziell zu helfen, dass er sich nicht weiter in unser Leben einmischt“, begründete Argento jetzt das Schweigegeld. Bourdains Rolle bei den Verhandlungen wird ein Mysterium der Causa Argento bleiben. Der 61 Jahre alte New Yorker erhängte sich Anfang Juni bei Dreharbeiten im französischen Kaysersberg Vignoble.

          Bourdain gehörte zu Argentos lautstärksten Unterstützern. Die Tochter des italienischen Horrorfilmers Dario Argento war nach europäischen Produktionen wie „Trauma“ und „Perdiamoci di vista“ im Jahr 2002 durch Rob Cohens Actionfilm „xXx-Triple X“ auch in den Vereinigten Staaten bekannt geworden. Im vergangenen Herbst zählte sie zu den ersten Schauspielerinnen und Models, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung bezichtigten. Argento erinnerte sich in der Zeitschrift „The New Yorker“ an einen Übergriff des Hollywood-Moguls während des Filmfestivals in Cannes im Jahr 1997. Weinstein soll die damals Einundzwanzigjährige oral missbraucht haben. „Er war so massig. Es war ein Albtraum“, fasste Argento die Begegnung in einer Suite des Hôtel Cap-Eden-Roc zusammen.

          Als der Gründer der Filmgesellschaften Miramax und The Weinstein Company sie später immer wieder anrief, gab sie dennoch nach. Wie Argento dem Reporter Ronan Farrow erzählte, ließ sie sich von Weinstein zum Essen ausführen, seiner Mutter vorstellen und das Kindermädchen für ihre älteste Tochter Anna Lou bezahlen. Fast vier Jahre lang unterhielt die Filmemacherin auch eine sexuelle Beziehung zu dem Produzenten. In dem Kriminalfilm „B. Monkey“, den Miramax im Jahr 1998 vertrieb, übernahm Argento zudem die Hauptrolle der Juwelendiebin Beatrice. „@AsiaArgento Ich bin stolz und geehrt, dich zu kennen. Du hast gerade das Schwerste getan, das es überhaupt gibt“, twitterte Bourdain, als die vielschichtige Beziehung seiner Partnerin mit Hollywoods Strippenzieher bekannt wurde.

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