https://www.faz.net/-gum-tlh7

Arnold Schwarzenegger : Gouvernatoren verlieren nicht

  • -Aktualisiert am

Starker Auftritt: Arnold Schwarzenegger im Wahlkampf Bild: AP

Vom Muskelprotz zum Gouverneur: Trotz seines Akzentes, der anfangs wie eine Häckselmaschine klang, hat es Arnold Schwarzenegger geschafft. Jetzt will er in Kalifornien wiedergewählt werden. Und vielleicht hat er noch mehr vor.

          Hollywoods Actionklassiker „Demolition Man“ ist mit seinen dreizehn Jahren zwar schon ein wenig angestaubt, wird an der amerikanischen Westküste dieser Tage aber gerne wieder aus dem DVD-Regal gekramt. Unmittelbar vor den Gouverneurswahlen in Kalifornien, die Arnold Schwarzenegger laut Umfragen am Dienstag wahrscheinlich in seinem Amt bestätigen werden, mutet die berühmte Szene des Films im Los Angeles des Jahres 2032 fast wie eine Prophezeiung an. „Die Schwarzenegger-Bibliothek?“ staunt Sylvester Stallone nach jahrzehntelangem Kälteschlaf während der Autofahrt durch die Stadt. „Ja“, erwidert Sandra Bullock. „Die Schwarzenegger Präsidenten-Bibliothek.“ „Er war Präsident?“ fragt ein geschockter Stallone. Bullock nickt.

          Im Leben diesseits der Leinwand hat Schwarzenegger es noch nicht zum Präsidenten gebracht, gehört aber nach seiner ersten, obgleich verkürzten Amtszeit zu den charismatischsten Gouverneuren Kaliforniens. Selbst die Kritiker des gemäßigten Republikaners gestehen ihm trotz anfänglicher Skepsis inzwischen zu, den Übergang von (fast) sinnleeren Floskeln à la „Hasta la vista, Baby“ zu politischen Bekenntnissen über Treibhausgase, Gefängnisreformen und die chronische Krise des Schulsystems nicht nur rhetorisch bewältigt zu haben. „Arnold“, wie sich der Neunundfünfzigjährige gerne nennen läßt, hat das als unregierbar verschrieene Kalifornien wieder regierbar gemacht.

          Ehefrau öffnete „Arnie“ politische Türen

          Vielleicht haben dabei die Qualitäten geholfen, die Schwarzenegger in drei Jahrzehnten bei Bodybuilding-Wettbewerben und als Actionheld in Hollywood-Streifen wie „Terminator“ und „Conan, der Barbar“ trainiert hat. Oder die Heirat mit der Kennedy-Nichte Maria Shriver, die politische Türen geöffnet und der „österreichischen Eiche“ die solidesten amerikanischen Wurzeln gegeben hat, die die Vereinigten Staaten vorzuweisen haben. Heute tritt selbst die erste Riege des demokratischen Hollywood um Steven Spielberg, Medienmogul Haim Saban und den Filmproduzenten Jeffrey Katzenberg zum Fundraising für den Republikaner „Arnie“ an und wettet auf seine Wiederwahl am 7. November.

          Schwarzenegger und Clooney setzen sich für den Sudan ein

          Anzügliche Bemerkungen über weibliche Abgeordnete sieht ihm das sonst so „politically correct“ orientierte Kalifornien dabei ebenso nach wie das Rauchen von Zigarren oder Motorradtouren ohne Führerschein. Auch das frisch entdeckte Umweltbewußtsein, das sich so gar nicht mit den vier spritfressenden Hummer-Geländewagen in seiner Garage deckt, scheinen die Wähler dem „Governator“ abzunehmen. Nach neuesten Umfragen des „Public Policy Institute of California“ hat Schwarzenegger seinen eher farblosen Herausforderer, den Demokraten Phil Angelides, bereits so gut wie ins Aus befördert.

          Ein Österreicher als Präsident?

          Das Weiße Haus ist dann nicht mehr weit - hoffen zumindest Senator Orrin Hatch und Gleichgesinnte, die schon vor einigen Jahren den Antrag gestellt haben, die amerikanische Verfassung mit einem Zusatz zu versehen, der auch nichtgebürtigen Amerikanern die Präsidentschaft ermöglicht. „Falls Arnold Schwarzenegger der großartigste Gouverneur Kaliforniens wird, was er hoffentlich schafft, falls er ein beeindruckender Führer wird und jedem beweist, daß er diesem Land als Amerikaner ganz und gar verpflichtet ist, wäre es falsch, ihm diese Chance nicht zu geben“, so begründete der Senator aus Utah 2003 das Engagement für seinen Freund. Trotz Schwarzeneggers aufsehenerregenden drei Jahren in Sacramento zögert die Mehrheit der Amerikaner aber weiterhin, die Geschicke der Nation in österreichische Hände zu legen. Eine zweite Amtszeit dürfte dem „Arnold Amendment“, glaubt man in Washington, jedoch einen rasanten Schub geben.

          Weitere Themen

          Warren fordert Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

          Nach Mueller-Bericht : Warren fordert Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

          Der Bericht des Sonderermittlers Mueller bestimmt weiter die amerikanische Politik. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Warren sieht darin ausreichend Indizien, um Donald Trump zu entmachten. Derweil sinkt in der Bevölkerung die Zustimmung des Präsidenten.

          Topmeldungen

          Kämpfer von General Haftar beim Angriff auf Tripolis: Mit seiner Unterstützung für den Rebellenführer gefährdet Donald Trump den UN-Friedensplan für Libyen.

          Krieg in Libyen : Trump telefoniert mit General Haftar

          In dem Gespräch betont Trump die wichtige Rolle des Generals im Kampf gegen Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölvorkommen. Durch seinen Zuspruch wird eine ausländische Intervention in dem Bürgerkriegsland wahrscheinlicher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.