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Armin Rohde : „Ich wär' gern kalt, leise und gefährlich“

  • Aktualisiert am

Armin Rohde: Künstler, Schauspieler, Clown Bild: AP

Er darf tun, was ihm Spaß macht und wird sogar noch gut dafür bezahlt: Schauspieler Armin Rohde über das Leben mit fünfzig, Arbeiterstolz - und das Gefühl, für andere gleich mitleben zu müssen.

          Er darf tun, was ihm Spaß macht und wird sogar noch gut dafür bezahlt: Schauspieler Armin Rohde über das Leben mit fünfzig, Arbeiterstolz - und das Gefühl, für andere gleich mitleben zu müssen.

          Sie sind vor ein paar Tagen fünfzig geworden.

          Ach, richtig, ja.

          „Yes Sir, alles meins”: Rohde über seine Frau, die Malerin Angela von Schilling

          Sie fühlen sich nicht wie fünfzig?

          Nee, absolut nicht. Mir ist schon klar, ich bin keine dreißig mehr. Aber das weiß ich nur, wenn ich mir anschaue, was ich in all den Jahren alles gemacht habe. Da müssen ein paar Jahre vergangen sein. Sonst denke ich: Ich war doch gestern erst auf der Schauspielschule.

          In „Die Bluthochzeit“ spielen Sie einen Vater mit übergroßem Ego.

          Ein Riesenarschloch. Den Typ will man nicht als Nachbarn haben.

          Trotzdem beweist der Mann Familiensinn, kämpft für seine Sippe. Wie nah war Ihnen die Figur?

          Wenn man die Arschlochseite abzieht, ist mir das sehr nah.

          Sie selbst haben keine Kinder.

          Nee, habe ich immer noch nicht. Ich bin zu selten zu Hause, um der Vater zu sein, der ich gerne wäre. Aber das Thema ist noch nicht vom Tisch. Ich übernehme gerne Patenfunktionen. Ich nerve heute noch meine drei jüngeren Geschwister. Dabei sind die inzwischen über vierzig. Aber ich fühle mich immer noch zuständig. Habe gewisse Schwierigkeiten - wie nennt man das? - loszulassen.

          Sie fühlen sich verantwortlich?

          Ja. Ich mag es auch nicht, wenn junge Kollegen in meiner Gegenwart runtergeputzt werden. Deswegen hätte ich auch Probleme, mit gewissen Regisseuren zu arbeiten. Ich kann es nicht ab, wenn neben mir jemand zur Sau gemacht wird.

          Was machen Sie dann?

          Meistens werde ich zu laut. Was ich bis heute nicht gelernt habe, ist, zum richtigen Zeitpunkt etwas noch ruhig vorzutragen. Ich trage es meistens erst dann vor, wenn mir schon das Blut hochkocht und ich es nur noch laut sagen kann. Ich bewundere Leute, die ganz kalt, nüchtern und klar sagen können: „Mein lieber Freund, so nicht.“ Das ist auch viel gefährlicher als so ein Rohde, der sich aufregt wie ein HB-Männchen.

          Ein Schauspieler, der seine Emotionen nicht in den Griff bekommt?

          Ja, ich habe sofort einen roten Schleier vor den Augen und werde lauter, als ich werden wollte. Da muß ich noch dran arbeiten. Aber das wird noch Arbeit werden für die nächsten paar Jahrzehnte. Im richtigen Moment etwas ganz kalt, leise und gefährlich zu sagen: Das ist für mich so ein Ideal. Kalt, leise und gefährlich, so daß von da an das, was mir gerade nicht gefällt, so nie wieder passiert.

          In dem Film gibt es eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. Haben Sie sich an Ihrem Vater so abarbeiten müssen wie das Söhnchen im Film an Ihnen?

          O ja. Während der Pubertät hatte ich einen enormen Freiheitsdrang, eine Auflehnungssucht regelrecht, daß meinen Eltern mitunter angst und bange wurde. Ich war schwer zu handhaben in dieser Zeit. Wenn ich heute mit jemandem zusammenleben müßte, der so wäre wie ich damals war, hätte ich ein Problem.

          Wie haben Sie Ihren Freiheitsdrang denn ausgelebt?

          Na ja, wir haben mit sechs Personen in einer Viereinhalbzimmerwohnung gelebt. Und meine Mutter konnte mir nicht beibringen, daß es keine tolle Idee ist, Mädchen mit nach Hause zu bringen und mit denen nackt im Wohnzimmer zu schlafen. Und morgens, wenn ich zur Schule gegangen bin, lag immer noch das nackte Mädchen auf der Couch.

          Im Film prügelt sich der Sohn am Ende mit dem Vater. Haben Sie so einen Moment der symbolischen Mann-Werdung auch mal erlebt?

          Ich habe früher manchmal Schläge gekriegt von meinem Vater, und ich kann mich an den Moment erinnern, wo ich ihm die Hände festgehalten und gesagt habe: „Versuch das noch einmal, und dann haue ich dir voll eine in die Fresse.“ Da hat mein Vater erst begriffen, daß er einen jungen Mann vor sich hat, dem er nicht einfach eine reinhauen kann, wenn er sich ärgert. Wir sind nicht regelmäßg geprügelt worden, so ist es nicht. Aber mein Vater hatte ein sehr hartes Arbeitsleben, und wenn dann so ein kleiner Terrorist wie ich auch Sachen nicht einsehen wollte, die er besser mal eingesehen hätte - da ist es für mich im nachhinein nachvollziehbar, daß meinem Vater ab und zu mal die Hand ausgerutscht ist. Aber ab diesem Moment hat er es auch gelassen. Weil er eben erkannt, daß da kein Kind mehr vor ihm steht.

          Sie kommen aus Gladbeck. In vielen Ihrer Figuren transportieren Sie diesen erdnahen Ruhrgebietscharme...

          Schön ausgedrückt.

          „Spielt immer Proletentypen“ greift ja vielleicht etwas zu kurz.

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