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Korruption am Flughafen : Was wusste Ardi Goldman?

Mit Hut: Ardi Goldmann im Landgericht Frankfurt am 20. März Bild: Bernd Kammerer

Der Investor Ardi Goldman ist in Frankfurt eine schillernde Figur. Derzeit muss er sich im Prozess um die Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens vor Gericht verantworten. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus.

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          Es gibt Strafverfahren, die lassen kein Klischee aus. Sie sind sehr selten, aber eines davon ist gerade vor dem Landgericht Frankfurt zu beobachten. Dort verhandelt die 12.Strafkammer seit zehn Monaten einen Prozess um Korruption am Frankfurter Flughafen. Und es ist wirklich alles dabei, was einen ordinären Fall von Wirtschaftskriminalität zu einem echten Ganovenstück macht: Schmiergeldzahlungen an den Mitarbeiter eines Dax-Konzerns mit internationalem Renommee (Fraport AG), sorgfältig verschleiert über Konten in Liechtenstein. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Immobilienentwickler, stadtbekannt und millionenschwer. Hass, Wut und Verbitterung zwischen Angeklagten, die einmal eng befreundet waren und jetzt nur noch Vorwürfe und handfeste Drohungen austauschen. Ein konspiratives Krisentreffen auf einer Yacht vor Mallorca. Und ein Hauptangeklagter, der mitten im Verfahren tödlich verunglückt. In zwei Wochen soll das Urteil gesprochen werden, und noch immer sind zentrale Punkte strittig.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          An Glamour mangelt es dieser Veranstaltung nicht. Das liegt vor allem an Ardi Goldman. Der Mann ist Frankfurts Immobilien-Ikone. Als die Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren sein Haus im Morgengrauen durchsuchte, waren die Reporter der „Bild“-Zeitung schon da.

          In der Cargo City Süd schlägt das Herz des Skandals

          Goldman ist keiner, der einfach nur Häuser baut, sondern ein waschechter „Stadtteil-Regisseur“, wie er sich selbst nennt. Einer, der gern auffällt, optisch (originelle Hüte, grelle Schals, unkonventionelle Anzüge) und verbal (dazu später mehr). Als Dreijähriger überlebte er nur knapp einen Autounfall, bei dem er den Vater und zwei Schwestern verlor, mit der Mutter zog er nach Israel und kam erst Jahre später wieder zurück in seine Heimatstadt. Nach einer wilden Jugend entschied er sich, in das vom Vater gegründete Immobilienunternehmen einzusteigen. Seitdem hat er das Gesicht der Finanzmetropole dauerhaft verändert, besonders in dem Stadtteil, der heute von der Europäischen Zentralbank geprägt wird.

          Allerdings hat er nicht nur im Frankfurter Ostend gewirkt, sondern auch am Flughafen, genauer gesagt in der Cargo City Süd, dort, wo das Herz des aktuellen Korruptionsskandals schlägt. Und genau das ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden.

          In der Cargo City Süd sind jetzt jede Menge Firmen ansässig, mit ihren Lagerhallen und Bürohäusern. Eines davon hat Ardi Goldman „entwickelt“, wie man in der Branche gern sagt. Ein anderes Jürgen Harder, noch so ein millionenschwerer Immobilienentwickler, sowohl optisch als auch verbal allerdings von ganz anderem Kaliber. Jürger Harder, grau meliert mit fein geschnittenen Gesichtszügen, praktiziert vor Gericht vornehme Zurückhaltung.

          Lehrstück für Korruption in Deutschland

          Das Einzige, was die beiden ungleichen Charaktere eint, ist ihre im Boulevard nahezu lückenlos dokumentierte Präsenz auf dem Parkett gesellschaftlicher Anlässe. Ardi Goldman fällt dort kraft eigener Originalität auf, Jürgen Harder vor allem durch seine fast zwanzig Jahre jüngere Lebensgefährtin, deren Name, wie auch sein Presseanwalt nicht müde wird zu betonen, zwar interessant und weithin bekannt ist, in diesem Artikel aber natürlich nichts verloren hat.

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