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Wahres Leben: Rapoport 2015; sie starb zwei Jahre später. Bild: Christian Thiel

ARD-Serie „Charité“ : Die drei Leben der Inge Rapoport

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Kinderärztin, Forscherin und überzeugte Sozialistin: Die dritte Staffel der ARD-Serie „Charité“ beleuchtet den Weg der Pionierin Inge Rapoport. Ihr Weg führte vom dritten Reich, über Amerika bis in die DDR.

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          Ist es legitim, einen einzigen Satz heranzuziehen, um Ingeborg Rapoport zu charakterisieren? Vermutlich nicht. Wir tun es trotzdem. In ihrer 1996 erschienenen Autobiographie „Meine ersten drei Leben“ schreibt die passionierte Kinderärztin – eine der Hauptfiguren der am Dienstag startenden dritten Staffel der ARD-Serie „Charité“ – über die Geburt ihres ersten Kindes im Juni 1947: „Ich hatte eine primäre Wehenschwäche, die mir erlaubte, in den 48 Stunden bis zur Entbindung einen großen Teil von Tolstois ‚Krieg und Frieden‘ zu lesen.“

          Dieser Satz könnte auf eine eiserne, heute als überholt angesehene Härte der Medizinerin gegen den eigenen Körper hinweisen. Oder ihr als Koketterie mit gleichzeitiger Betonung des Bildungsstandes ausgelegt werden. Aber wer das Buch liest und wer den mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm „Die Rapoports – unsere drei Leben“ aus dem Jahr 2004 sieht, ist verleitet zu glauben, dass Ingeborg Rapoport, genannt Inge, einfach eine außergewöhnliche Frau war. Die sich trotz oder wegen der historischen Umstände, die ihr Leben immer wieder entscheidend mitbestimmten, nicht so wichtig nahm.

          Wenn man ihr aus heutiger Sicht etwas vorwerfen kann, dann wohl ihre tiefe Verbundenheit mit dem Sozialismus, mit der DDR. Die sechs Folgen der neuen Staffel von „Charité“ spielen zu einem Zeitpunkt, der für den noch jungen Staat ein entscheidender war: während des Mauerbaus im August 1961. Davon abgesehen, dass bald der erste Grenztote in der Charité obduziert werden muss, ist das Krankenhaus ganz unmittelbar betroffen. Die Grenze verläuft über das Gelände, Fenster der Gerichtsmedizin werden auf jener Seite, die zum Westen zeigt, zugemauert. Krankentransporte müssen auf einmal Umwege fahren, um von einem Ende des Gebäudekomplexes in der Mitte Berlins zum anderen zu kommen.

          Inge Rapoport wird in der dritten Staffel der ARD-Serie „Charité“ von der Schauspielerin Nina Kunzendorf dargestellt.
          Inge Rapoport wird in der dritten Staffel der ARD-Serie „Charité“ von der Schauspielerin Nina Kunzendorf dargestellt. : Bild: ARD/Stanislav Honzik

          Der Mauerbau war eine Reaktion auf den Aderlass, den die DDR speziell im ersten Halbjahr 1961 erlebte. Immer mehr Bewohner Ost-Berlins siedelten nach West-Berlin über, darunter auch Ärzte und Pflegepersonal der Charité. Rapoport sagte 2004 dazu: „Ich konnte es gar nicht fassen, dass sie in eine – wie ich dachte und weiterhin denke – viel schlechtere Gesellschaftsordnung zurückgingen. Ich empfand die Mauer damals als unbedingt notwendig.“

          Eine Mischung aus Realität und Fiktion

          Abermals greift die ARD auf das Erfolgsrezept zurück, die Handlung sowohl um historische Figuren als auch um fiktive Charaktere aufzubauen. Kinderärztin Rapoport, gespielt von Nina Kunzendorf, möchte sich nicht damit abfinden, dass die gynäkologische Klinik der Charité, in der Frauen ihre Babys auf die Welt bringen, nicht mit der Kinderklinik verzahnt ist; beide Einrichtungen liegen ein ganzes Stück auseinander. Gibt es Komplikationen bei oder nach der Geburt, vergeht viel zu viel Zeit, bis dem Kind geholfen werden kann. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch. Rapoport will dies ändern, muss jedoch Kämpfe mit Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht), dem Leiter der Klinik für Frauenheilkunde, austragen.

          Darstellerin Kunzendorf – ihr Vater ist Arzt, ihr Großvater ebenso – ist begeistert von medizinischem Können, war nach eigenen Aussagen am Ende der Schulzeit jedoch eine „faule Socke“, die daran zweifelte, das Medizinstudium diszipliniert durchstehen zu können. Sie schätzt Rapoport als leidenschaftliche und kraftvolle Frau und Ärztin ein. „Und das in einer Zeit, in der die patriarchalen Strukturen sogar noch ausgeprägter waren, als sie es heute sind.“ Rapoport habe sich hartnäckig und erfolgreich gegen große Widerstände dafür eingesetzt, dass Geburtshilfe und Neonatologie, also die Behandlung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen, enger zusammenarbeiteten.

          Als weitere historische Personen kommen der Gerichtsmediziner Otto Prokop (Philipp Hochmair) und in einer Nebenrolle Inges Ehemann Mitja Rapoport (Anatole Taubman), ein Biochemiker von Weltrang, vor. Kunzendorf sagt, „sehr scheu“ zu sein, wenn sie reale Menschen „nachspielen“ müsse. „Dem Reichtum eines Menschen, der Dimension eines Lebens kann ich mit meinem Spiel nicht gerecht werden.“ Deshalb habe sie sich darauf konzentriert, glaubwürdig eine warme, engagierte, streitbare, kluge Kinderärztin 1961 an der Charité darzustellen.

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