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Sensationsfund in Ägypten : Sakkara schaut Dich an

Entdeckt: Sakkara-Maske der zweiten Priesters der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es Bild: Universität Tübingen / Christoph Jäckle

Ägyptologen aus Tübingen haben bei Ausgrabungen eine vergoldete Mumienmaske entdeckt. Der geöffnete Grabkomplex könnte eines der größten Rätsel der Alten Ägypter lösen.

          Vor 80 Jahren entdeckte der Ägyptologe Sami Gabra zufällig bei Räumungsarbeiten ein drei Meter tief in den Boden eingelassenes menschliches Grab. Damit hatte der Forscher, der zeitweilig Kurator des Ägyptischen Museums von Kairo war, nicht rechnen können: Denn es befand sich in einer Tiernekropole in Mittelägypten. Das Grab in Tuna el-Gebel, einem Dorf etwa 300 Kilometer südlich von Kairo entfernt, war fast unversehrt und damit ein Glückstreffer für den Ägyptologen. In einem Holzsarg lag denn auch eine Mumie, bei der es sich um einen Hohepriester mit Namen Anch-hor handelt. Das Gesicht des einbalsamierten Würdenträgers schmückte eine Maske aus vergoldetem Silber. Es war erst das zweite Mal, dass in einem Privatgrab eine solche Maske gefunden wurde.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Insofern kommt dem Fund, den Wissenschaftler der Universität Tübingen nun vorgestellt haben, eine besondere Bedeutung zu: Sie entdeckten in Sakkara, das nur wenige Kilometer südlich der ägyptischen Hauptstadt liegt, ebenfalls eine Maske aus Silber, die teilweise vergoldet und in einem wesentlich besseren Zustand ist als die Maske des Anch-Hor.

          Die Augen des 18 mal 23 Zentimeter großen Artefakts wurden als Einlegearbeit mit einem schwarzen Edelstein, möglicherweise Onyx, sowie Calcit und Obsidian ausgeführt. „Der Fund dieser Maske darf als Sensation gelten“, sagt der Leiter des deutsch-ägyptischen Grabungsteams, Ramadan Badry Hussein. Nur sehr wenige Masken aus Edelmetall haben sich bis heute erhalten. Die Mehrzahl der Gräber altägyptischer Würdenträger wurden schon in der Antike geplündert, das gefundene Gold und Silber vermutlich meist eingeschmolzen.

          Maske aus der saitisch-persischen Zeit

          Selbst in ägyptischen Pharaonengräbern hat man aus diesem Grund nur sehr wenige Mumienmasken aus Edelmetall finden können. Am bekanntesten ist die gut zwölf Kilogramm schwere Totenmaske des Pharaos Tutanchamun aus der 18.Dynastie. Sie ist mehr als 3300 Jahre alt und damit wesentlich älter als der aktuelle Fund. Die vergoldete Mumienmaske aus Sakkara stammt aus saitisch-persischer Zeit, ist also 2600 Jahre alt. In der 26. Dynastie herrschten ägyptische Pharaonen in der Hauptstadt Sais, kurz danach kam es zur ersten Perserherrschaft am Nil.

          Auf dem Gesicht des einbalsamierten Würdenträgers fanden die Forscher die Maske.

          Wie der Leiter des Projekts berichtet, befand sich die wertvolle Maske auf dem Gesicht einer Mumie, die in einem stark beschädigten Holzsarg entdeckt wurde. Die erhalten gebliebene Verzierung des Sargs lasse darauf schließen, dass es sich bei dem Toten um einen Priester der Göttin Mut und der Göttin Niut-schi-es handelte, der zur Zeit der 26. Dynastie lebte – zwischen 664 und 529 vor Christus. Da im Grab Namen der damals regierenden Pharaonen fehlen, sind keine genaueren Zeitangaben möglich.

          Seit 2016 graben die Tübinger Ägyptologen in Sakkara, einer der bedeutenden altägyptischen Nekropolen. Schon von der ersten Dynastie an, seit 5000 Jahren also, war Sakkara Begräbnisstätte für die Bewohner der damaligen Hauptstadt Memphis in Unterägypten. Dort steht auch die erste Pyramide Ägyptens, die Stufenpyramide des Pharaos Djoser aus der dritten Dynastie des Alten Reichs, entstanden um das Jahr 2650 vor Christus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten und besonders unter dem ehemaligen Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, gab es immer wieder spektakuläre Grabfunde aus unterschiedlichen Epochen, darunter eine Grabkammer der sechsten Dynastie (2318 bis 2168 vor Christus) mit 30 Mumien, die vermutlich aus der 26. Dynastie stammen.

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