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Antoine de Saint-Exupéry : In die Geschichte abgetaucht

  • -Aktualisiert am

Horst Rippert in den dreißiger Jahren Bild: Horst Fahrenberger

Das Rätsel um den Flugzeugabsturz Antoine de Saint-Exupérys ist seit gut zwei Jahren gelöst. Ein Flugzeugfachmann ordnete die Seriennummer „2734“ eindeutig dem Flugzeug zu, das der Autor am Tag des Verschwindens flog. Saint-Exupérys letzter Flug hatte nahe der Insel Riou vor Marseille geendet.

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          Das Rätsel um Antoine de Saint-Exupéry begann sich vor mehr als einem Jahrzehnt langsam zu lösen. Am 7. September 1998 fuhr der Fischer Jean-Claude Bianco mit seinem Boot am Morgen zu seinen Fischgründen südöstlich vor Marseille. Beim Reinigen der Netze fand er einen kleinen verkrusteten Gegenstand im Beifang.

          Unter dem Bewuchs kam ein silbernes Armband mit dem Namen seines einstigen Besitzers zum Vorschein: „ANTOINE DE SAINT-EXUPERY (CONSUELO), c/o REYNAL AND HITCHCOCK INC., 386 4TH AVE. N.Y.C. U.S.A.“. Consuelo war der Vorname von Saint-Exupérys Frau, Reynal and Hitchcock der New Yorker Verlag, der den „Kleinen Prinzen“ in den Vereinigten Staaten herausgab, das Werk, mit dem Saint-Exupéry berühmt geworden war. Endlich gab es einen Hinweis auf die Stelle, an der der Autor und Flieger abgestürzt war. Allerdings sah sich Bianco mit Zweifeln an der Echtheit seines Fundes konfrontiert. Nur wenige glaubten an den Wink des Schicksals, der das Armband 54 Jahre nach Saint-Exupérys spurlosem Verschwinden an die Oberfläche brachte.

          Über den Verbleib des französischen Nationalhelden hatte man bis dahin nur mutmaßen können. Die Spannbreite der Spekulationen reichte von Selbstmordgerüchten über mysteriöse Geheimaufträge zur Befreiung italienischer Partisanen bis zum Abschuss des Piloten durch deutsche Jäger. Sicher war nur, dass Saint-Exupéry, der mit Büchern über das Fliegen schon damals sehr bekannt war, am Morgen des 31. Juli 1944 mit seiner P-38 auf Korsika zu einem Aufklärungsflug in Richtung Grenoble gestartet war und unterwegs spurlos verschwand. An jenem Tag um elf Uhr meldete die westlich von Lyon gelegene deutsche Radarstation „Falter“ einen Einzelflug und alarmierte die Piloten der Jagdgruppe 200 in Aix-en-Provence. Abschussberichte dieser Einheit sind von Juni 1944 an aber nicht mehr vorhanden. Die genaue Absturzstelle des Schriftstellers war nicht bekannt. Das änderte sich nun mit dem Fund des Armbands.

          Aber warum war er abgestürzt?

          Einer der wenigen, die dem Fischer seine wundersame Geschichte glaubten, war der Unterwasserforscher Luc Vanrell aus Marseille. Er kennt die Unterwasserwelt vor der südfranzösischen Mittelmeerküste mit all ihren Wracks wie kein Zweiter. Vanrell tauchte das Gebiet rund um die Fundstelle des Armbands systematisch ab. Am Grund des Meeres südöstlich von Marseille fand er in einer Tiefe zwischen 50 und 80 Metern auf einer Fläche von etwa 300 mal 1000 Metern Wrackteile eines Flugzeugs. Er fotografierte und dokumentierte die Objekte unter Wasser und meldete den Fund am 25. Mai 2000 den zuständigen Behörden. Es handelte sich um ein Flugzeug des Typs P-38, wie es auch Saint-Exupéry auf seinem letzten Flug geflogen hatte. In den Gewässern von Südfrankreich liegen jedoch mehr als 40 Flugzeuge dieses Typs. Daher wurden mit Genehmigung der Behörden Teile des Flugzeugswracks geborgen. Und tatsächlich konnte man im Oktober 2003 bekannt geben, dass es sich um die fragliche Maschine handelt. Der Flugzeugfachmann Phillipe Castellano ordnete die Seriennummer „2734“ eindeutig dem Flugzeug zu, das der Autor am Tag des Verschwindens flog. Saint-Exupérys letzter Flug hatte nahe der Insel Riou vor Marseille geendet.

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