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Im Gespräch mit Antje Joel : „Wir schützen die Täter“

Ariel gibt für einen Mann ihre Familie und auch ihre Stimme auf. Solche Narrative ärgern Antja Joel. Bild: mauritius images / Sportsphoto /

Antje Joel hat zwei gewalttätige Ehen erlebt. In ihrem Buch „Prügel“ beschreibt sie deren Verlauf und die Mechanismen, die gegen sie eingesetzt wurden, kritisiert die Gesellschaft und Disney.

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          Frau Joel, die Resonanz auf „Prügel“ ist groß. Woran liegt das?

          Gewalt gegen Frauen wird gerade zum Thema. Jede dritte deutsche Frau gibt in Studien an, von einem Partner körperliche Gewalt zu erfahren. Das Bundesfamilienministerium hat daraufhin zum Beispiel die Kampagne „Stärker als Gewalt“ gestartet. Doch die Diskussion wird vorwiegend noch auf die alte Art geführt.

          Das heißt?

          Wir konzentrieren uns fast ausschließlich auf die Opfer. Wir blenden Täter aus. Schauen Sie sich mal die Seite von „Stärker als Gewalt“ an. Da sind wieder so Sätze wie „Schützen Sie sich“. Oder „Noch immer ziehen viel zu wenige Opfer die Täter zur Verantwortung“. Das ist doch nicht deren Aufgabe! Aber es ist kostengünstiger, wenn wir sagen, die Opfer müssen sich schützen und ändern, als wenn man die gesellschaftlichen Strukturen ändert. Stattdessen blenden wir die sozialen und kulturellen Strukturen aus, die diese Gewalt begünstigen.

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