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Kampf gegen Mobbing : Wirbel um Deutschlands bekanntesten Anti-Mobbing-Trainer

  • -Aktualisiert am

Beleidigungen im Alltag können ein Anfang von Mobbing sein: Carsten Stahl in einer Berliner Schule im November 2016. Bild: DAVIDS/Sven Darmer

Der populäre Präventions-Coach Carsten Stahl behauptet, er rette Leben. Berlin-Neukölln will nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten – aus Sorge, er schade Kindern. Was stimmt? Die Geschichte eines Eklats.

          6 Min.

          Die erste Beleidigung, die im Nachbarschaftszentrum Stralsund-Grünhufe an diesem Freitagabend genannt und ans Flipchart geschrieben wird, heißt „Hurensohn“. Nummer zwei ist „Schlampe“. Die beiden gängigsten deutschen Schimpfwörter, sagt Carsten Stahl, von Jugendlichen häufiger benutzt als „guten Morgen“, „bitte“ und „danke“. Nummer drei: „Jude“. Stahl schluckt eine Bemerkung herunter. Dann blickt der Mann mit dem schwarzen Sweatshirt und der Aufschrift „Camp Stahl“ über der muskulösen Brust ermunternd ins Publikum und sammelt weiter. Spätestens bei „Kampflesbe“ wird gelacht. „Steckdosenbefruchter“ kriegt Szenenapplaus.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Mehrzweckraum unter dem Giebeldach einer umfunktionierten modernen Kirche, vielleicht hundert Jugendliche, Kinder, ein paar Erwachsene. Grünhufe gilt als sozialer Brennpunkt, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 46 Prozent. Vormittags hat Carsten Stahl auf Einladung des Förderprogramms „Soziale Stadt“ eine Veranstaltung mit 700 Schülern absolviert. Jetzt ruft er seinem Publikum zu: „Ich persönlich weiß nicht, was ich schlimmer finde: dass ihr diese Worte benutzt oder dass ihr darüber lacht.“ Er dröhnt förmlich durch den Saal: „Das ist Deutschland 2019 – eine verrohende Jugend.“

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