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Anthony Hopkins im Gespräch : „In meinem Geschäft will jeder unsterblich sein“

  • -Aktualisiert am

Sir Anthony Hopkins Bild: Getty

Die Serie „Westworld“ soll das neue „Game of Thrones“ werden.  Schauspiellegende Sir Anthony Hopkins spielt darin einen Androiden-Schöpfer. Ein Gespräch über Gott und den Teufel, Chaos und Kontrolle und das Geheimnis des Textlernens.

          5 Min.

          Was soll man sagen, wenn man Sir Anthony Hopkins gegenübersitzt? Er ist eben – Sir Anthony Hopkins. Er hat Götter gespielt (Odin in „Thor“) und Sünder (allen voran Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ und zwei weiteren Filmen); Bibelgestalten (Methusalem in „Noah“), Politiker (Nixon) und Künstler (Picasso, Hitchcock). Wir treffen den 78-Jährigen im „Four Seasons Hotel“ in Beverly Hills, wo er – ohnehin gut beschäftigt – gerade Werbung für die HBO-Adaption des Filmklassikers „Westworld“ macht, in dem sich mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter gegen die Menschen wenden. Er ist gelassen, betont bescheiden; ein Gentleman.

          Sir Anthony, Sie spielen in „Westworld“ den Leiter eines mit menschenähnlichen Robotern bevölkerten Vergnügungsparks, in dem echte Menschen ihre Sehnsüchte ausleben können. Was brachte Sie dazu, es mit dem Fernsehen zu probieren?

          Es schien mir eine interessante Rolle zu sein, und es hat mir viel Spaß gemacht. Fernsehen ist ja derzeit die ganz große Sache. Ich arbeite überhaupt gern.

          Ihre Figur Robert Ford ist einer, der Gott spielt.

          Nun, er ist ein Kontrollfreak.

          In einer Szene sagt er, man könnte nicht Gott spielen, ohne mit dem Teufel bekannt zu sein. Stimmen Sie dem zu?

          Ich vermute, das ist im Grunde das Gleiche, oder? Es sind zwei Seiten derselben Medaille, zwei Aspekte dessen, was unserem Wesen innewohnt. Es existiert ja diese Idee, die das Wesen des Göttlichen im Menschen verortet. Es gibt da eine wunderbare Analyse des Michelangelo-Gemäldes aus der Sixtinischen Kapelle, die Schöpfung Adams. Michelangelo war ja ein Student der menschlichen Anatomie, er sezierte menschliche Körper, und er kannte auch das Gehirn aus eigener Anschauung. Dieser Analyse zufolge zeigt sich in der Gestalt und im Gewand Gottes das Gehirn eines Menschen. Man kann das Zerebellum und das Rückenmark in den Falten von Gottes Gewand finden.

          Und was sagt uns diese Deutung?

          Wir manifestieren das Göttliche gern nach außen, wir externalisieren das als den Himmel, aber dabei wohnt es womöglich bereits in uns selbst. Vor Jahren kam mir einmal eine Einsicht; ich weiß nicht, wo sie herkam, ich wusste nicht einmal, ob ich mich dem Glauben zugehörig fühlte oder mich als Atheist oder als Agnostiker bezeichnen sollte, ich hatte keine Ahnung, was ich bin. Irgendwie flossen mir jedenfalls die Worte aus dem Mund: „God in me, as me, is me.“ – Gott in mir als ich bin ich.

          Sind Sie mystisch veranlagt?

          Nun ja, ich sehe zumindest Mystisches. Ich bin kein Intellektueller, aber ich habe das deutliche Gefühl, ein sehr sonderbares Leben zu führen. Ich lebe hier in Amerika seit vierzig Jahren, und ich weiß nicht genau, wie es dazu gekommen ist, dass ich hier vor Ihnen sitze. Ich habe mit einer völlig anderen Vergangenheit angefangen, in einem umgekehrten Leben. Und ohne die Hilfe jedweden magischen Denkens oder Planens habe ich mich verändert. Ich bin mir nicht sicher, was von der sogenannten Bestimmung oder dem Schicksal zu halten ist oder ob wir es vielleicht selbst herstellen. Ich bin genauso ratlos über diese Fragen wie alle anderen auch. Aber eines weiß ich: dass nichts sicher ist. Die gute Nachricht ist: Es gibt keine Kontrolle. Es gibt kein Chaos. Und in dieser Erkenntnis liegt für mich ein großer Frieden.

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