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Anneliese Uhlig ist tot : Die Frau, die sich Goebbels widersetzte

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In den Nachkriegsjahren musste sie wie so viele um ihre Existenz kämpfen. So produzierte sie Shows für amerikanische Truppen in Österreich und Frankfurt und trat mit Marika Rökk und Loni Heuser in „Glory Road“ auf. 1948 ging sie mit ihrem amerikanischen Ehemann, dem Oberleutnant und Kunsthistoriker Douglas B. Tucker, als Soldatenfrau in die Vereinigten Staaten. Dort begann sie eine erfolgreiche Karriere als Journalistin. Als solche war sie sogar im Weißen Haus akkreditiert.

Auslandskorrespondentin für deutsche Zeitungen

Anneliese Uhlig war ungewöhnlich vielseitig. So drehte sie zwar auch weiter Filme in Deutschland, 1956 spielte sie zum Beispiel in „Dany, bitte schreiben Sie“ (Regie Eduard von Borsody) an der Seite der bekannten Nachkriegsstars Sonja Ziemann und Rudolf Prack. Doch sie lehrte auch als Dozentin für Dramaturgie und Deutsch an der Thammasat-Universität in Bangkok, nachdem ihr Mann 1963 nach Vietnam und Thailand versetzt worden war.

Seit den fünfziger Jahren schrieb sie zudem als Auslandskorrespondentin für deutsche Zeitungen, Agenturen und Radiosender, spielte nebenher immer mal wieder Theater und seit den Siebzigern wiederholt auch in deutschen Fernsehproduktionen mit – in Filmen wie „Das Klavier“, Regie Fritz Umgelter, „Der Winter, der ein Sommer war“, ebenfalls unter Umgelters Regie, und 1983 mit Heinz Rühmann „Es gibt noch Haselnußsträucher“, Regie Vojtěch Jasný. Zuletzt war sie in einer Dokumentation über Heinrich George aus dem Jahr 2013 zu sehen.

Anneliese Uhlig hat in rund 30 Kino- und mehr als 15 Fernsehfilmen sowie vielen Theaterproduktionen mitgewirkt, unter anderem auch bei den Jedermann-Festspielen in Heppenheim. Sie war eine mutige Frau, die in der Diktatur Goebbels persönlich Widerstand leistete und die sogar genug Zivilcourage hatte, ihren Jugendfreund Friedrich Goes vor dem Volksgerichtshof zu verteidigen.

Sie lebte bis zum Schluss in ihrem Haus

Ihre Autobiografie „Rosenkavaliers Kind: Eine Frau und drei Karrieren“ ist ein lesenswertes Werk der Zeitgeschichte und übertrifft alles, was sich sonst an Schauspielerbiografien auf dem Markt findet. Und ihr Buch „Einladung nach Kalifornien“ ist ein immer noch gut zu lesender Reiseführer. Anneliese Uhlig wurde 1989 für ihre Verdienste um die deutsch-amerikanische Verständigung mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt. Vor ihrer zweiten Ehe mit Douglas Tucker, er starb 2009, war sie kurz mit dem Schauspieler Kurt Waitzmann verheiratet – ihr gemeinsamer Sohn Peter starb 2013.

Mit fast 99 Jahren, bis kurz vor ihrem Tod, lebte Anneliese Uhlig noch in ihrem Haus in Santa Cruz. Ich habe sie dort vor einigen Jahren besucht, als ich über Joachim Gottschalk recherchierte. Sie war wohl der letzte Mensch auf Erden, der Gottschalk noch kannte und mit ihm noch kurz vor seinem Tod auf der Bühne gestanden hatte. Gottschalk, verheiratet mit einer Jüdin, tötete sich mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn 1941 in Berlin.

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