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Jolie versteigert Churchill : Acht Millionen Pfund für das Werk eines Hobbymalers

  • -Aktualisiert am

„Tower of the Koutoubia Mosque“: Winston Churchill malte das Bild bei einem Besuch in der marokkanischen Stadt Marrakesch im Jahr 1943. Bild: AFP

Ein Gemälde von Winston Churchill ist für mehrere Millionen Pfund versteigert worden. Es hat nicht nur eine bewegte Entstehungsgeschichte, auch seine Vorbesitzerin gibt ihm etwas Glamour mit.

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          Ende der fünfziger Jahre war der draufgängerische Verleger Lord Beaverbrook bereit, 150.000 Pfund auf den Tisch zu legen für sämtliche Bilder seines Freunds Winston Churchill. Beaverbrook meinte, sie würden nach dem Tod des hobbymalenden Kriegspremiers nicht mehr als zwei Schillinge je Stück wert sein. Der Markt hat Beaverbook längst ins Unrecht gesetzt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Seit Churchills Tod sind die Preise für seine Gemälde stetig gestiegen. Doch hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass eine der gefälligen impressionistischen Leinwände, durch deren Herstellung der britische Staatsmann sich die Depressionen vom Leib zu halten suchte, eines Tages mehr als acht Millionen Pfund erzielen würde, wie es jetzt bei einer Versteigerung von Christie’s geschehen ist.

          Mindestens zehn Bieter schlugen sich um die Darstellung des Turms der Koutoubia-Moschee in Marrakesch, bevor sie bei sieben Millionen Pfund (8,2 Millionen Pfund mit Aufgeld) den Zuschlag fand und damit den bisherigen Rekord von 1,7 Millionen Pfund in den Schatten stellte. Das Bild genießt aus historischen Gründen einen besonderen Rang im Oeuvre Churchills. Es entstand im Januar 1943, als er den amerikanischen Präsidenten Roosevelt im Anschluss an die Konferenz von Casablanca bedrängte, die Heimreise zu verschieben, damit er ihm den Sonnenuntergang über dem Schnee des Atlasgebirges zeigen könne. Churchill hielt sich noch einen Tag länger in seinem „geliebten Marrakesch“ auf, um den Blick vom Hotel am Rande der Stadt zu malen.

          Einige sehen das einzige Bild, das er im Krieg malte, als visuellen Ausdruck des sonnenbestrahlten Hochlands, das der Kriegspremier den Briten in finsteren Tagen des Kriegs verhieß. Als persönliches Geschenk an Roosevelt symbolisiert das Gemälde die besondere britisch-amerikanische Beziehung, auf die Churchill so viel Wert legte. Dass sich das Bild zuletzt im Besitz von Angelina Jolie befand, verleiht der Leinwand zusätzlichen Glamour. Der Käufer, bei dem es sich wohl um einen Belgier handelt, sicherte sich bei der Versteigerung zwei weitere Werke Churchills, eine frühere Landschaft aus Marrakesch und einen Anblick der Londoner Pauls-Kathedrale. Das ganze Paket kostete ihn 11,2 Millionen Pfund.

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