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Trumps Verbot im Alltag : Muslime in Amerika: Rein, raus, rein

  • -Aktualisiert am

Die 12 Jahre alte Eman Ali (links) aus dem Jemen weint mit ihrer Schwester, als sie sich zum ersten Mal nach Jahren in San Francisco am Flughafen wiedersehen. Vorher waren Teile der Familie Ali von dem Einreisestopp betroffen. Bild: Reuters

Trumps Einreiseverbot hat eine massive Protestwelle ausgelöst. Auch wenn das Dekret per richterlichem Erlass gestoppt wurde: Muslime in Amerika sehen ungewissen Zeiten entgegen. Betroffene berichten von den ersten verstörenden Wochen unter Trump.

          In dem Flugzeug, das sie aus Iran nach New York bringen sollte, saß Dunja Navid*  mit jener nervösen Vorfreude, die man spürt, bevor man einen geliebten Menschen nach langer Zeit wiedersieht. Umso größer war die Aufregung, weil sie mit ihren 60 Jahren selten so weit reist und ihre Tochter im achten Monat schwanger ist. Mit ihrem Ehemann und mindestens genauso aufgeregt würde diese bereits am Flughafen JFK warten, so war es abgemacht. Jahre war Navid nicht mehr zu Besuch in New York gewesen, aber die Geburt ihres Enkels wollte sie nicht verpassen. Sie alle würden sich also umarmen, dann gemeinsam nach Hause fahren, kochen, essen und erzählen.

          Zur selben Zeit, als Dunja Navid aus den ovalen Flugzeugfenstern nichts als Himmel und die Weite des Pazifischen Ozeans sehen konnte, setzte der amerikanische Präsident Donald Trump die folgenschwere Unterschrift unter ein Dekret, das er anschließend stolz in die Kameras hielt: das Einreiseverbot für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern. Menschen aus Irak, Iran, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien sollten für vorerst 90 Tage nicht mehr in die Vereinigten Staaten gelassen werden – angeblich, weil von ihnen eine Terrorgefahr ausgehe. Das war am vergangenen Freitag.

          Eltern konnten von da an nicht zu ihren Kindern, Ehepaare wurden getrennt. Ein Enkel befürchtete, seine kranke Großmutter nicht noch einmal sehen zu können. Eine Studentin konnte aus den Ferien nicht zurückkehren, verpasste Vorlesungen und fürchtete um ihren Abschluss.

          Ärger trotz gültigem Visum

          Tochter und Schwiegersohn von Dunja Navid hörten wenige Stunden nach dem Erlass davon. Doch es fiel ihnen schwer, zu glauben, dieser wäre wirklich umsetzbar. Immerhin hatte ihre Mutter eine Einreiseerlaubnis, auf die sie Monate gewartet hatte. „Wir haben uns schon Sorgen gemacht“, erzählt der Schwiegersohn Alin Farhadi* am Telefon. „Was ist, wenn sie Dunja nicht reinlassen? Aber wir dachten, dass die das nicht machen können. Zu viele Leute besitzen ein gültiges Visum und haben teure Tickets gekauft.“ Also fuhr das Ehepaar Farhadi wie geplant zum Flughafen.

          Massenproteste in New York gegen das umstrittene Einreiseverbot.

          Dunja Navid wusste von alldem noch nichts, als sie an jenem Freitagmittag Ortszeit eine Reise von 22 Stunden hinter sich hatte und ihren Gurt löste. Erst nachdem sie ausgestiegen und in die lichtdurchfluteten Hallen des New Yorker Flughafens gegangen war, sagte man ihr, dass sie nicht zu ihrer Familie könne, den Transitbereich nicht verlassen dürfe und nach fünf Stunden in ein Flugzeug steigen solle, das sie zurück nach Iran bringen werde. Mehr als zwei Tage wäre sie dann insgesamt unterwegs, eine Frau, die unter Bluthochdruck leidet und sich so gefreut hatte auf ihre Tochter.

          Hunderttausende Demonstranten in Washington

          An Trumps erstem Amtstag waren bereits Hunderttausende durch Washingtons Straßen marschiert, sie demonstrierten gegen seine Ankündigungen und Beleidigungen, die besorgniserregend und verletzend waren, aber bis dahin immerhin nur Worte. Seit dem Einreiseverbot ist das anders: Töchter und Söhne, Mütter und Väter, Ehepaare, Menschen auf der ganzen Welt spüren die Auswirkungen von Trumps Präsidentschaft. Persönlicher könnten diese kaum sein, betreffen sie doch den Alltag und die Beziehungen dieser Leute.

          Als Jasmin Farhadi* am Telefon erfuhr, dass ihre Mutter trotz gesundheitlicher Probleme zurückreisen sollte, geriet sie in Panik. Sie begann zu weinen, ihr wurde schwindelig und sie hatte kaum Kraft, um sich auf den Beinen zu halten. Im Krankenhaus bestätigten die Ärzte die Angst ihres Ehemanns: Sie fürchteten, der Stress könnte eine Frühgeburt auslösen. Genau wie Dunja Navid würde Jasmin Farhadi erst einmal nicht nach Hause in die Wohnung fahren können. Hinzu kam die Angst um ihre Mutter – und die Angst um das Baby.

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