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Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

Ashton Applewhite Bild: Adrian Buckmaster

Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          5 Min.

          Ashton Applewhite hat erst Bestseller über Witze und geschiedene Frauen geschrieben, dann arbeitete sie 17 Jahre lang in einem der größten Naturkundemuseen der Welt, dem American Museum of Natural History in New York. Seit zwei Jahren ist die Amerikanerin wieder Schriftstellerin, aber vor allem Vollzeit-Aktivistin. Applewhite kämpft gegen eine noch relativ unbekannte Form der Diskriminierung: „Ageism“. Auf Deutsch: Altersdiskriminierung.

          Frau Applewhite, Sie sind 67 Jahre alt. Aber das ist ja eigentlich irrelevant, denn Alter ist nur eine Zahl, richtig?

          So einfach ist die Sache leider nicht. Wenn Leute sagen: „Mein Alter ist doch nur eine Zahl”, wollen sie ihr eigentliches Alter oft nicht wahrhaben – und das ist der Punkt, an dem die Probleme beginnen. Darum sage ich: „Nein, Ihr Alter ist nicht nur eine Zahl und es sollte nichts sein, weswegen Sie sich schämen. Sie können sich nicht jünger machen, als Sie sind.“ Es ist gleichzeitig wichtig, deutlich zu machen: Ich bin zwar 67, aber das sagt kaum etwas über mich aus.

          Wieso sagt das kaum etwas über Sie aus?

          Altersdiskriminierung beruht, wie alle Vorurteile, auf Stereotypen. Nicht alle alten Menschen sind gleich. Ganz im Gegenteil – je länger wir leben, desto unterschiedlicher werden wir. Jeder altert auf seine Weise. In diesem Sinne ist mein Alter wirklich nur eine Zahl, weil es immer weniger über mich aussagt.

          Gut, dass Sie mit Ihrem Alter offen umgehen. Sonst hätte ich Ihnen die unangenehme Frage stellen müssen: „Dürfte ich mich erkundigen, wie alt Sie sind“?

          Die Tatsache, dass diese Frage als potentiell beleidigend wahrgenommen wird, zeigt, wie kulturell aufgeladen das Thema ist. Eigentlich sollte die Frage auf der gleichen Ebene gestellt werden können wie jede andere Frage auch. Ich erwidere trotzdem immer: „Wieso wollen Sie das wissen? Ich sage Ihnen, wie alt ich bin, wenn Sie mir sagen, warum Sie diese Information interessiert.“ Solange ich nicht an einem sportlichen Wettbewerb teilnehme, ist mein Alter doch völlig unwichtig.

          Sie beklagen, dass man mit 67 Jahren keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt hat, quasi automatisch zur Rentnerin wird. 

          Ja. Es ist ein Mythos, dass alte Menschen jungen Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Umso mehr alte Menschen arbeiten, umso mehr Geld wird verdient, umso mehr wird ausgegeben und das schafft wiederum Arbeitsplätze für junge Leute. Abgesehen von körperlicher Arbeit gibt es keinen Bereich, in dem jüngere Menschen per se fitter sind als ältere. Die Forschung hat gezeigt, dass diverse Teams besser sind, vor allem was Kreativität anbelangt. Es gibt ganze Jahrgänge mit gesunden, gebildeten Menschen, die arbeiten wollen, die arbeiten müssten, aber die keinen Job finden. Besonders schlimm ist es in der Tech-Branche. Dort werden Bewerbungen älterer Menschen sofort in den Müll geworfen. Auch die Start-up-Branche ist vor allem eins: sehr männlich, sehr weiß und sehr jung.

          Sie kritisieren, dass vor allem Frauen immer jünger aussehen wollen. Viele von ihnen lassen sich Botox spritzen, oder das Gesicht straffen, weil sie sich danach wohler fühlen. Das muss doch nicht unbedingt schlecht sein.

          Mir haben schon Bekannte erzählt: „Ich habe xx machen lassen und jetzt fühle ich mich wieder attraktiv und stark.“ Da sage ich: „Kein Problem.“ Ich urteile nicht darüber. Das Gleiche gilt für Sich-jünger-Lügen oder das eigene Geburtsdatum von der Bewerbung streichen. Das sind Verhaltensweisen, die effektiv sind in einer Welt voller Altersdiskriminierung. In der Welt, auf die ich hinarbeite, wären Falten kein Schönheitsmakel mehr, sondern faszinierend. Das Grau unserer Haare zu überfärben, ist übrigens einer der schnellsten Wege, uns als Frauen unsichtbar zu machen.

          Das heißt, Frauen leiden stärker unter Altersdiskriminierung als Männer?

          Absolut. Weil wir eher nach unserem Aussehen beurteilt werden. Frauen haben nie das richtige Alter – sie sind entweder zu jung oder zu alt. Außerdem bemisst sich unser gesellschaftlicher Wert an unserer Fruchtbarkeit. Klar ist es scheiße, dass wir irgendwann keine Kinder mehr kriegen können. Aber daran lässt sich unser gesellschaftlicher Nutzen doch nicht festmachen.

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