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Fartuun Adan und Ilwad Elman : Somalische Menschenrechtsaktivistinnen erhalten Alternativen Nobelpreis

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Die undatierte, von Right Livelihood herausgegebene, Aufnahme zeigt Ilwad Elman (l) und Fartuun Adan. Fartuun Adan und Ilwad Elman sind somalische Menschenrechtsverteidigerinnen, die gemeindenahe Projekte zur Friedenskonsolidierung leiten und damit marginalisierten Gruppen lebensrettende Unterstützung bieten. Bild: dpa

Somalia, Ukraine, Venezuela, Uganda – unterschiedlicher könnten die Heimatländer der diesjährigen Preisträger kaum sein. Sie eint der entschlossene Kampf für neue Gesellschaftsmodelle.

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          Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr nach Somalia, in die Ukraine, nach Venezuela und Uganda. Das gab der Direktor der Right Livelihood Stiftung, Ole von Uexküll, am Donnerstag in Stockholm bekannt. Die Preisträgerinnen und Preisträger 2022 stärkten und förderten basisorientierte Gemeinschaften, sagte er. „Angesichts des Versagens von Regierungen und des Zusammenbruchs bestehender Ordnungen – in Form von Kriegen, Terrorismus, Ausbeutung, massiver Vertreibung und Wirtschaftskrisen – schaffen sie neue, auf den Menschen ausgerichtete Systeme.“ Ihre Erfolge zeigten, wie Gesellschaften auf dem Grundsatz von Gerechtigkeit statt auf Ausbeutung aufgebaut werden könnten.

          Die somalischen Menschenrechtsaktivistinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman werden für die Förderung von Frieden und Entmilitarisierung gewürdigt. Mit ihrer Organisation „Elman Peace“ unterstützen Mutter und Tochter Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt. Auch setzen sie sich ein für die Resozialisierung von Kindersoldatinnen und -soldaten sowie für berufliche Bildung von Frauen und Jugendlichen, wie die Stockholmer Stiftung die Auszeichnung für Adan (53) und Elman (32) begründete.

          In dem von Bürgerkrieg zerrissenen Somalia, in dem die radikal-islamische Al-Shabaab-Miliz blutige Anschläge verübt, sind über 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre. Allein die sexuelle Gewalt ist laut einem UN-Bericht alarmierend: 2020 stieg sie im Vergleich zum Jahr davor um fast 80 Prozent.

          Kriegsverbrechen dokumentieren

          Ebenfalls ausgezeichnet wird die ukrainische Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijtschuk. Die 38-jährige Juristin setzt sich mit ihrem 2007 gegründeten „Zentrum für Bürgerliche Freiheiten“ (CCL) dafür ein, Zivilgesellschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Nicht erst seit der Invasion Russlands in die Ukraine im Februar dokumentieren Matwijtschuk und CCL Kriegsverbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen.

          Die von Right Livelihood herausgegebene Aufnahme zeigt Oleksandra Matviichuk vom Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL).
          Die von Right Livelihood herausgegebene Aufnahme zeigt Oleksandra Matviichuk vom Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL). : Bild: dpa

          Nach der Annexion der Krim durch Moskau und dem Ausbruch von Kämpfen im Donbass 2014 war CCL demnach die erste Menschenrechtsorganisation, die mobile Teams dorthin entsandt und eine Liste zu politischen Gefangenen erstellt hatte. Im Zuge des Einmarschs in die Ukraine werden Russland gezielte Massaker insbesondere an Zivilisten vorgeworfen, darunter in den Orten Butscha und Irpin. Dort sammelten CCL-Mitarbeitende Zeugenaussagen.

          Kampf für Umweltschutz

          Als preiswürdig erachtet die Stockholmer Stiftung auch die venezolanische Initiative „Cecosesola“. Das 1967 gegründete Netzwerk genossenschaftlicher Organisationen aus sozial schwachen Regionen produziert und bietet Lebensmittel wie Obst und Gemüse auf Wochenmärkten zu erschwinglichen Preisen an. Zum Verbund mit mehr als 50 Basisorganisationen gehören nicht nur landwirtschaftliche Kleinbetriebe; „Cecosesola“ etablierte auch Zentren für die medizinische Versorgung sowie genossenschaftliche Bestattungsdienste.

          Die Initiative finanziert sich laut Right Livelihood Stiftung fast gänzlich selbst. In Venezuela, das seit Jahren von einer beispiellosen Wirtschaftskrise heimgesucht wird, sei „Cecosesola“ eine Inspiration für alle, die nach alternativen ökonomischen Ansätzen suchten, heißt es in der Begründung für die Vergabe der Auszeichnung.

          Ole von Uexkull präsentiert die Preisträger der Right Livelihood Awards 2022 im Kulturhaus in Stockholm.
          Ole von Uexkull präsentiert die Preisträger der Right Livelihood Awards 2022 im Kulturhaus in Stockholm. : Bild: AFP

          Weitere Preisträgerin ist die ugandische Umweltschutzorganisation AFIEGO. Sie stärkt Gemeinden den Rücken, die sich gegen zunehmenden Landraub, Vertreibungen und Umweltzerstörungen zur Wehr setzen. Durch Lobbyarbeit und Kampagnen habe die 2005 gegründete Organisation dafür gesorgt, dass die Stimmen Betroffener bei Entscheidungsträgern Gehör fänden, erklärte die Right Livelihood Stiftung.

          Den Angaben nach setzt sich die Organisation unter anderem dafür ein, den Bau der „East African Crude Oil Pipeline“ (EACOP) zu stoppen, die Rohöl aus Uganda nach Tansania transportieren soll. Unerschrocken kämpften Mitarbeitende von AFIEGO für den Schutz von Umwelt und Natur - trotz Schikanen, Drohungen und Festnahmen durch Staat und Regierung.

          Symptome von Krisen gibt es überall auf der Welt

          Insgesamt berücksichtigte die Preisjury diesmal 175 Nominierte aus 77 Ländern. Ein Blick auf all diese Nominierungen zusammen macht von Uexküll zufolge deutlich, dass es Symptome von Krisen überall auf der Welt gibt – auch in reichen Ländern. All diese Trends schritten mit Tempo voran. Zugleich erkenne man, wie die verschiedenen Krisen miteinander zusammenhingen – der Ukraine-Krieg etwa mit der Energieabhängigkeit anderer Länder.

          Mit dem seit 1980 verliehenen Right Livelihood Award werden alljährlich kurz vor den eigentlichen Nobelpreis-Bekanntgaben Persönlichkeiten und Organisationen geehrt, die sich mutig und entschlossen den größten Problemen der Welt entgegenstellen. Dazu zählt die Stiftung vor allem den Kampf für Menschenrechte und Frieden sowie gegen die Klimakrise und Umweltprobleme. Die Auszeichnung, die am 30. November in Stockholm überreicht wird, steht dabei in kritischer Distanz zu den eigentlichen Nobelpreisen, deren diesjährige Preisträger ab Montag in Stockholm und Oslo verkündet werden. Die Preise sind mit jeweils einer Million Schwedischen Kronen (rund 92.000 Euro) dotiert.

          Zu den früheren Right-Livelihood-Preisträgern zählen die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der US-Whistleblower Edward Snowden und die aus Stockholm stammende Klimaaktivistin Greta Thunberg. Meist ehrt die Right-Livelihood-Stiftung aber international eher unbekannte Persönlichkeiten und Organisationen, um ihnen Aufmerksamkeit zu verschaffen – dieser Tradition bleibt sie auch diesmal treu.

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