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Alkoholismus : Abhängig vom Abhängigen

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Alkoholismus trifft nicht nur den Alkoholiker - auch andere leiden darunter Bild: picture-alliance/ dpa

Es begann als Liebesabenteuer und wurde ein Albtraum. Denn Theresa geriet an den Falschen. Alkohol, Ausraster und Aggressivität waren der Alltag. Doch sie kam einfach nicht von ihrem Partner los. Erst nach vier Jahren kam die Wende.

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          Eigentlich sollte es nur ein Liebesabenteuer werden. Und eigentlich hätte sie von Anfang an merken müssen, dass eine leichte Beziehung zu diesem Mann nicht möglich war. Doch der Mann war groß, gutaussehend, verführerisch. Bereits am Telefon wusste er seinen Charme geschickt einzusetzen. So ließ sie erste warnende Zeichen fast unbeachtet. Zum Beispiel, dass er sie kurz nach dem Kennenlernen zu einem Urlaub auf ihre Kosten überredete und ihre Argumente, dass es finanziell eng für sie würde, mit Beschimpfungen über ihre Kleinlichkeit beantwortete. Oder dass er im Urlaub schamlos mit anderen Frauen flirtete. Zu seinem Alkoholismus bekannte er sich von Anfang an. Aber das Gefühl, von diesem Mann dringend gebraucht zu werden, war stärker. Aus der Affäre wurde ein vier Jahre währender Albtraum.

          Sie wurde abhängig von seinem Verhalten. Sie verbrauchte ihre Kräfte für ihn bis zur Erschöpfung. Sie fand kaum mehr Zeit für sich selbst. Trotzdem blieb sie in der zermürbenden Beziehung gefangen, immer mehr auch aus Angst vor seinen Ausbrüchen. Noch heute gerät sie in Panik, wenn sie im Supermarkt vor dem Spirituosenregal steht. Und wenn sich das Handy in der Tasche meldet, zuckt sie zusammen. Er könnte es sein, sie kontrollieren, erniedrigen, bedrohen, beschimpfen. Doch sie weiß, dass die Zeiten zwischen Wodkaflaschen und Aschenbechern, zwischen Entgiftungsstationen, Liebesbekenntnissen und Beleidigungen endgültig hinter ihr liegen. Vor anderthalb Jahren hat sie endlich den Absprung geschafft.

          „Dann sind wir im Bett gelandet“

          Was wäre ihr alles erspart geblieben, hätte der nach ihrem Umzug beauftragte Handwerker nicht mehrmals abgesagt. Sie suchte sich einen anderen Handwerker, der den neuen Teppichboden verlegen und die Tapezierarbeiten übernehmen sollte. Sie nahm die oberste Annonce in der Zeitung. Vier Tage später, morgens um acht Uhr, stand er vor der Tür. Theresa war zu dieser Zeit dünnhäutig. Noch hatte sie ihre Scheidung nicht verkraftet und litt darunter, dass sie das gemeinsame Haus hatte verlassen müssen. Um das abzuzahlen, hatte sie ihr Psychologiestudium abgebrochen und war Versicherungsmaklerin geworden. Zu alledem war ihr Vater gestorben. Obendrein hatte sie sich einer komplizierten Kieferoperation unterzogen. Nun stand sie alleine da, und alles war ihr zu viel.

          Noch nach Wochen standen die Umzugskisten in den Zimmern ihrer neuen Wohnung. Es kam ihr gelegen, dass der neue Handwerker die Schlüssel für ihre Wohnung bei ihr im Büro abholte und sie ihr abends wieder brachte. Doch nicht nur als Handwerker fand sie an dem Mann bald Gefallen. „In den Vierzigern für eine Jüngere stehengelassen zu werden, war ein Schock für mich. Das kratzte am Selbstwertgefühl.“ Die günstige Gelegenheit für eine Affäre wollte sie sich nicht entgehen lassen. Sie lud den Handwerker zum Frühstück ein. Eine Woche danach bat er sie zu sich nach Hause, um mit ihr seine Versicherungen durchzugehen. „Dann sind wir im Bett gelandet.“

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