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Alison Krauss : Sogar kokett kann sie werden

Alison Krauss: Als erstes zieht sie die Vorhänge zu Bild:

Alison Krauss und ihre Musik nicht zu kennen ist schädlich für die seelische Gesundheit, und trotzdem ist die Neununddreißigjährige außerhalb ihrer amerikanischen Heimat bislang nicht recht bekannt. In den Vereinigten Staaten dagegen ist sie ein Star.

          Alison Krauss kommt herein, sagt hallo und zieht gleich einmal die Vorhänge zu. In der Hotelsuite, in der wir uns treffen, ist es zu hell, findet die grazile Amerikanerin, wenigstens auf ihrer Seite der Sitzgruppe. Das Hotel, ein kleines, feines mit viel dunklem Parkett und Stofftapeten, grenzt an Londons Hyde Park, und von den Fenstern im vierten Stock aus kann man sonst Inline-Skater und Spaziergänger sehen, die in der Mittagssonne ihre Bahnen ziehen.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da schwärmen Kritiker nun regelmäßig, Krauss bringe mit ihrem ätherischen Sopran selbst hartgesottene Buchhalter zum Weinen und gehöre nicht zu dieser, sondern zu einer anderen, lichteren Welt. Die Sängerin jedoch bevorzugt das Halbdunkel - im Augenblick zumindest, da sie selbst Auskunft geben soll über sich und nicht ins Studio oder auf die Bühne flüchten, nicht die Musik für sich sprechen lassen kann.

          Krauss und ihre Musik nicht zu kennen ist schädlich für die seelische Gesundheit, und trotzdem ist die Neununddreißigjährige außerhalb ihrer amerikanischen Heimat bislang nicht recht bekannt. In den Vereinigten Staaten dagegen ist sie ein Star, wenn auch ein stiller. 26 Exemplare der Grammys, der Oscars der Musikbranche, hat sie gewonnen, mehr als jede andere Künstlerin. Sie ist die zurückhaltende Königin eines Unter-Genres der Country-Musik, des Bluegrass; europäische Ohren erkennen ihn an den Twangs von Mandoline, Banjo, Akustik-Gitarre, Fiddle und Kontrabass. Die als Arme-Leute-Musik in den dreißiger und vierziger Jahren entstandene Fusion aus Hillbilly, Gospel, Jazz und Blues hat Krauss mit Elementen des Pop durchwoben, sie sanfter und populärer gemacht, ohne sich von der Tradition zu verabschieden.

          26 Grammys hat Alison Krauss schon für ihre Arbeit erhalten, mehr als jede andere Künstlerin

          Wie würde Krauss Nichtinitiierten die Art Musik beschreiben, die sie macht? „Sie ist das, was am Samstagabend auf der Veranda gespielt wurde, die Musik der Farmer und Leute aus den Bergen.“ Die Universitätsstadt Champaign im Illinois, wo Krauss als Kind einer Malerin und eines aus Deutschland eingewanderten Psychologen aufwuchs, ist nicht gerade Bluegrass Country, doch wenn Krauss von ihren Anfängen erzählt, klingt es ohnehin, als habe nicht sie die Musik gefunden, sondern umgekehrt: „Ich bin zwar nicht in den Bergen aufgewachsen, aber das Land war sehr nahe. Du bist fünf Minuten gefahren und warst da: Maisfelder, Bohnenfelder, Farmhäuser. Ich konnte tagträumen, das gefiel mir. Da hat jemand das Mädchen von nebenan geliebt, besucht ihr Grab, weil sie so jung gestorben ist - diese süße Romantik im Bluegrass, Lieder über das Familienleben, den Glauben, wen man heiratet, die harte Arbeit. Weil das Leben hart war, waren die Werte klar und elementar. Diese Songs hatten überhaupt nichts Frivoles, Leichtfertiges. Familie, Liebe, Arbeit - darum ging es. Grundlegende menschliche Werte, die verkörpert Bluegrass.“

          So wechselte die junge Alison, deren Eltern früh ihren Kunstsinn gefördert hatten und die mit fünf begonnen hatte, klassische Geige zu spielen, zu Country- und Bluegrass-Weisen. Mit zehn hatte sie ihre eigene Band, mit 14 gewann sie die Illinois-Staatsmeisterschaft im Fiddle-Spielen und wurde von einer „Gesellschaft zur Bewahrung des Bluegrass in Amerika“ zum größten Nachwuchstalent im Mittleren Westen gekürt. Ihr Debütalbum nahm sie auf, da war sie 16; zu dieser Zeit war ihre Stimme auch schon als Instrument ihrer Wahl neben die Fiddle getreten. Es folgten der erste Grammy, da war sie keine 20, sowie die Aufnahme in die Grand Ole Opry, eine Art Ruhmeshalle des Country, mit 21; ihre Alben verkauften sich millionenfach, eine unerhörte Leistung für einen Bluegrass-Künstler. 1995 erhielt sie gleich vier Grammys.

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