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Alexander Fehling im Interview : „Liebe hat sehr viel mit Lassen zu tun“

  • -Aktualisiert am

Alexander und Ex-Freundin Nora Tschirner: „Wir sind viel länger befreundet, als wir je zusammen waren.“ Bild: Quelle Sony Pictures

Alexander Fehling redet nicht gern über Privates. Aber jetzt spielt er in einem Liebesfilm – mit seiner Ex-Freundin Nora Tschirner. Ein Gespräch über Zweifel, Stille und den Geruch des Westens.

          6 Min.

          Herr Fehling, ich muss das bitte gleich zu Anfang fragen: Wie ist das, die große Liebe zu spielen – mit der eigenen Ex-Freundin, Nora Tschirner?

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Völlig unkompliziert. Das ist ewig her, wir sind viel länger befreundet, als wir je zusammen waren. Und Film ist immer ein Experiment, man weiß nie, was dabei herauskommt. Vertrauen ist das Schlüsselwort. Dass ich Nora schon lange kenne, ist da ein Vorteil.

          Auch, um diese spezifische Magie des Verliebtseins zu spielen?

          Nein, überhaupt nicht.

          Sie waren der junge Goethe, Andreas Baader und ein Staatsanwalt, der die Auschwitz-Prozesse ins Laufen bringt, Sie haben in „Homeland“ mitgespielt und gerade eine Lola für Ihre dubiose Figur in einem Politthriller bekommen. Jetzt: „Gut gegen Nordwind“. Die Verfilmung des Bestsellers von Daniel Glattauer, ein zeitgenössisches Liebesmärchen. Was hat Sie daran gereizt?

          Mich hat einfach die Geschichte berührt. Diese Geschichte von zwei Menschen, die sich eigentlich gar nicht kennenlernen möchten, vielleicht auch nicht dürfen, und in denen dann so etwas wächst über diese eigenartige Kommunikation des Schreibens. Irgendwann schafft sich das Platz und übernimmt die Führung.

          Alexander Fehling: „Wenn der Zweifel nicht überhandnimmt und nicht destruktiv ist, dann führt er auch dazu, dass man mal innehält.“

          Ist Ihnen das schon passiert: dass man sich schreibend verliebt?

          Nein. Aber ich kann es mir durchaus vorstellen, klar.

          Was ist die Liebe? Glauben Sie an Platons Vorstellung vom Kugelmenschen, also daran, dass zwei Menschen zueinander gehören wie die beiden Hälften einer Kugel?

          (Schnaubt.)

          Jetzt sagen Sie nicht, da hätten Sie noch nie drüber nachgedacht!

          (Lacht.) Doch. Die Liebe ist auf jeden Fall kein Zustand, sondern ein Prozess, etwas, das sich bewegt, selbst wenn es stillzustehen scheint. Für mich spielt gar keine Rolle, ob es jetzt zwei Hälften gibt oder diesen einen Menschen oder zehn. Was hilft das? Ich habe kein Problem damit, dass der Begriff etwas Rätselhaftes hat. Aber je länger ich lebe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Liebe doch sehr viel mit Lassen zu tun hat. Mit Akzeptanz und Toleranz. Die Grenze, die man mit anderen Leuten hat, wo man sagt, bis hierhin und nicht weiter, ist dann besonders weit gesteckt oder vielleicht gar nicht mehr da. Und zwar nicht, weil man vom anderen abhängig wäre, sondern aus dem Interesse daran, dass der andere blüht.

          „Gut gegen Nordwind“ ist ein E-Mail-Roman, Ihr Vater war Journalist: Wie wichtig ist Sprache für Sie?

          Ich finde es schön, wenn jemand die Worte findet, um eine Sache genau auszudrücken. Wir neigen oft dazu zu sagen: Du weißt schon, was ich meine. Da wird etwas hingelabert, was an sich nicht schlimm ist, aber es führt zu Zeitverschwendung und Missverständnissen. Es geht ja darum, danach zu suchen, was man eigentlich meint. Auch, um sich selbst zu verstehen. Der Weg ins Innere entsteht durch die Worte, die uns durch den Kopf gehen.

          Ich habe mir Ihren allerersten Film noch mal angesehen: „Am Ende kommen Touristen.“ Sie spielen einen jungen deutschen Zivildienstleistenden in Auschwitz, der allein durch seine Präsenz die Konflikte an diesem unfassbaren Ort zutage fördert. Sehr faszinierend. Und: Sie sagen fast nichts. So was macht Ihnen Spaß, oder?

          Ja, total. Kino ist im Grunde eine körperliche Sache. Ich habe zwar auch Filme gemacht, wo viel gesprochen wird. Aber dieses Irrationale, was Kino ja kann, was nicht über das Denken kommt ...

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