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Alexander Fehling im Interview : „Liebe hat sehr viel mit Lassen zu tun“

  • -Aktualisiert am

Fühlen Sie sich heute noch als Ostdeutscher?

Weiß nicht so genau. Manchmal, wenn es um die große weite Welt geht, sage ich aus Spaß: Ich bin in Lichtenberg geboren, mich darfst du nicht fragen. Aber in meiner Generation gibt es keine großen Unterschiede mehr, außer dass man andere Kinderbücher kennt, obwohl man dasselbe Alter hat. Macht es mich nun zum Ostdeutschen, wenn ich sehe, wie diese Umbrüche bei meinen Großeltern immer wieder Thema sind? Wahrscheinlich ja.

Nora Tschirner und Alexander Fehling als Leo Leike in „Gut gegen Nordwind“: „Völlig unkompliziert“
Nora Tschirner und Alexander Fehling als Leo Leike in „Gut gegen Nordwind“: „Völlig unkompliziert“ : Bild: dpa

Machen Sie die aktuellen Landtagswahlergebnisse betroffen?

Klar. Aber nicht als Ostdeutscher, sondern als Mensch.

Sie haben Ihren Zivildienst in der geschlossenen Psychiatrie gemacht. Was haben Sie in dieser Zeit über das Leben gelernt?

Ich habe auf jeden Fall gesehen, wie faszinierend ich dieses unerklärliche Dasein finde: den Dreck, das Dunkle und Abgründige, auch das Hilflose, das ganz Kreatürliche im Menschen. Dem wollte ich nah sein. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen alten Mann, der durch einen Tumor stark eingeschränkt war, ein absoluter Pflegefall. Ich hatte noch nie erlebt, dass jemand mit Scheiße beschmiert in der Dusche steht und man das abwischen muss, was offensichtlich abstoßend und ekelhaft ist. Aber in dem Moment ist völlig klar, dass man das macht, weil jemand die Hilfe braucht. Dadurch verändert sich die eigene Empfindung der Scheiße und dem Ekel gegenüber. Verstehen Sie, was ich meine?

Die Erfahrung verschiebt das eigene Verhältnis zu den Dingen?

Ja. Das ist etwas Universelles. Es passiert im privaten Leben auch.

Was bedeutet Ihnen der Filmpreis für Ihre Nebenrolle in dem Psychothriller „Das Ende der Wahrheit“?

Zuspruch ist natürlich schön. Brauchen wir alle. Weil: Der Zweifel ist immer da.

Auch nach so vielen Jahren?

Gerade dann. Man macht Sachen instinktiv, lernt sie kennen, es vergehen die Jahre, und irgendwann, wenn man denkt, man kennt sich am besten mit etwas aus, hat man gar keine Ahnung mehr. So geht es ja auch mit Menschen. Man kennt sich zwanzig Jahre, und irgendwann denkt man: Wer bist du eigentlich?

Und so ein Preis hilft einem da als Bestätigung von außen?

In einer konkreten Situation hilft der einem nicht weiter. Ich würde ohnehin sagen: Der Preis ist genauso wichtig wie der Zweifel. Ich umarme das. Es gehört dazu, dass beides sich die Waage hält.

Wofür bitte schön sind Zweifel gut?

Damit man wach bleibt und vielleicht eine gewisse Demut entwickelt, dass man interessiert am anderen bleibt und sich immer mal neu Sachen fragt, die vielleicht gar nicht so neu sind. Das tut man ja nicht, weil man so edel wäre. Ohne Zweifel keine Fragen. Klar, aus Neugier. Aber schon die nächste Frage dahinter hat vielleicht auch mit einem Zweifel zu tun. Und wenn der Zweifel nicht überhandnimmt und nicht destruktiv ist, dann führt er auch dazu, dass man mal innehält. Oder dass sich ein Raum öffnet, in dem man wieder etwas Neues hören kann. Das fühlt sich vielleicht nicht immer schön an. Aber es ist extrem real und entspricht den ganzen Hilflosigkeiten, die wir Menschen alle haben. Jemand, der nicht absolut dumm ist – wie kann der keinen Zweifel haben? Geht doch nicht.

Haben Sie das mit zwanzig auch schon gedacht?

Das bezweifle ich.

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