https://www.faz.net/-gum-afw7f

Alanis Morissette kritisiert Doku : „Dies ist nicht die Geschichte, deren Erzählung ich zugestimmt habe“

  • Aktualisiert am

Ihr Album „Jagged little Pill“ brachte 1995 den Durchbruch für Alanis Morrissette. Bild: dpa

„Jagged“ gibt Einblick in die Karriere, das Leben und die Erfahrungen von Alanis Morrissette mit sexuellen Übergriffen als Minderjährige. Doch der Film, der Premiere in Toronto feierte, enthalte Fakten „die nicht wahr sind“, kritisiert die Sängerin.

          2 Min.

          Die Dokumentation „Jagged“ über das Leben und die Karriere der kanadischen Sängerin Alanis Morissette (47) hat beim 46. Toronto International Film Festival (TIFF) Weltpremiere gefeiert. Morissette selbst hatte sich kurz vor der Aufführung des Films von Regisseurin Alison Klayman mit einer schriftlichen Erklärung davon distanziert. „Dies ist nicht die Geschichte, deren Erzählung ich zugestimmt habe“, schrieb sie in dem Statement.

          Die Doku, die am späten Dienstagabend (Ortszeit) auf dem Festival zu sehen war, erzählt die Entstehung von Morissettes Album „Jagged Little Pill“. Der Film geht aber auch auf die Anfänge ihrer Karriere als Teenager, die hohen Anforderungen sowie die damit zusammenhängenden Essstörungen ein. In Interviews erzählt die Sängerin zudem von ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen als Minderjährige. „Ich habe mir selbst immer eingeredet: Ich war damit einverstanden. Und dann wurde ich daran erinnert: Hey, du warst 15. Mit 15 stimmst du nicht zu. Jetzt denke ich: Oh ja, das sind alles Pädophile. Das waren Vergewaltigungen.“

          „Ich habe mich dafür geschämt, dass ich zum Opfer gemacht wurde“

          Morissette sagt im Film weiter, dass sie bei den wenigen Leuten, denen sie damals davon erzählt habe, „auf taube Ohren“ gestoßen sei. Die meisten seien aufgestanden und hätten den Raum verlassen, nachdem sie sich ihnen anvertraut hatte. Später habe sie zum Schutz ihrer Eltern, ihrer Brüder, zukünftiger Partner und ihrer selbst keine spezifischen Informationen mehr über ihre Erfahrungen als Teenager preisgegeben. „Ich habe mich dafür geschämt, dass ich zum Opfer gemacht wurde, und es hat mich Jahre an Therapie gekostet, überhaupt zuzugeben, dass ich ein Opfer bin“, sagt Morissette in „Jagged“.

          F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland

          Werktags um 6.30 Uhr

          ANMELDEN

          Regisseurin Klayman stellte die HBO-Produktion in Toronto mit einleitenden Worten als einen Film vor, der „das Leben von Alanis Morissette und die Geschichte ihrer unglaublichen Karriere, die in einem sehr jungen Alter begann und den Weg für so viele andere Künstlerinnen ebnete, feiert“. Morissette schrieb unterdessen in ihrer Erklärung, sie habe sich dafür entschieden, an keiner Veranstaltung für „Jagged“ teilzunehmen, auch „weil dieser Film, ähnlich wie viele andere „Geschichten“ und nicht autorisierte Biografien, die im Laufe der Jahre erschienen sind, Andeutungen und Fakten enthält, die einfach nicht wahr sind“.

          „Falsches Gefühl der Sicherheit“

          Ihre Geschichte sei „viel zu nuanciert“ dafür, dass eine andere Person sie schildern könne, so Morissette. Das Filmteam habe Fakten eingebracht, „die nicht wahr sind“. Zudem habe man ihr in Interviews ein „falsches Gefühl der Sicherheit“ vermittelt.

          „Ich habe zugestimmt, an einem Beitrag über die Feier des 25-jährigen Jubiläums von [dem Album] „Jagged Little Pill“ teilzunehmen, und wurde in einer sehr verletzlichen Zeit interviewt (während ich mitten in meiner dritten postpartalen Depression steckte)“, schreibt Morissette. Als sie den ersten Schnitt des Films sah, sei ihr klar geworden, „dass unsere Visionen tatsächlich schmerzlich voneinander abweichen“.

          Beim TIFF werden in diesem Jahr zehn Tage lang über 130 internationale Produktionen gezeigt. Am 18. September wird der Siegerfilm verkündet, der in Toronto traditionell vom Publikum gewählt wird.

          Weitere Themen

          „Ein Ort voller Traurigkeit“

          Thunberg besucht Garzweiler : „Ein Ort voller Traurigkeit“

          Die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer zeigen sich in Lützerath solidarisch mit dem vom Tagebau bedrohten Dorf. Ihre Botschaft: „Wir sind bereit, uns zwischen die Häuser und die Bagger zu stellen“.

          Topmeldungen

          Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Doch immer mehr junge Menschen legen ihr Geld in Aktien an.

          Deutsche und ihr Vermögen : Der lange Abschied vom Sparkonto

          Das Geldvermögen der Deutschen ist groß wie nie. Die Sparer haben ihr Geld aber über die Jahre umgeschichtet. Vor allem bei Jüngeren gibt es einen bemerkenswerten Effekt.
          Tatort in Idar-Oberstein, am 19. September: Polizisten sichern die Tankstelle, wo ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Ein extremer Einzelfall – und das Netz

          Ein Mann ist tot. Erschossen in einer Tankstelle. Ist dieser Fall ein Beispiel dafür, dass aus Hass in sozialen Netzwerken tödliche Gewalt wird?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.