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Aktion von Influencerinnen : 100 Foccacias fürs Frankfurter Bahnhofsviertel

  • -Aktualisiert am

Masha Schubbach und Justina Honsel im Bahnhofsviertel Bild: Max Galys

Wegen der Ausgangsbeschränkungen sind viele obdachlose und drogenabhängige Menschen im Frankfurter Bahnhofsviertel auf sich gestellt. Zwei Influencerinnen haben eine Hilfsaktion ins Leben gerufen.

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          An sonst so lebendigen Orten wie dem Frankfurter Bahnhofsviertel sind die Folgen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen besonders sichtbar: Restaurants und Bars sind weitestgehend geschlossen, das Nachtleben ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ein Wegfall des Freizeitspaßes für den Einen kann eine existenzielle Bedrohung für den Nächsten bedeuten. Und die obdachlosen und drogenabhängigen Menschen im Bahnhofsviertel sind seit dem Ausbruch der Pandemie weitgehend auf sich gestellt: Soziale Einrichtungen, die Tafel und einige Fixerstuben haben ihre Angebote eingeschränkt oder sogar ganz geschlossen. Restaurants, deren Besitzer manchmal etwas verschenken, haben ebenfalls zu. Und es gibt kaum noch Passanten, die Pfandflaschen zurücklassen. 

          „Es mangelt an allen Ecken“, sagt Influencerin und Frankfurterin Masha Schubbach und erzählt von Supermärkten im Viertel, die Obdachlosen den Zutritt verweigern. Es werde für die Menschen auf der Straße immer schwieriger, an Essen zu kommen. „Wir hatten das Gefühl, dass man die Sache jetzt anpacken muss“, ergänzt Justina Honsel. Die Designerin wohnt selbst im Bahnhofsviertel. „Das sind meine Nachbarn“, sagt Honsel.

          Die Corona-Krise lässt auch das Berufsleben von Schubbach und Honsel pausieren. „Ich habe alle meine Aufträge verloren“, sagt Schubbach, die als freiberufliche Stylistin arbeitet. Die freie Zeit und ihre Beobachtungen im Bahnhofsviertel brachten die beiden Frauen auf die Idee für ein soziales Projekt: Während am vergangenen Montag die Kontaktsperre in Kraft trat, fingen Schubbach und Honsel in Zusammenarbeit mit dem Deli 91Raw an, im Bahnhofsviertel Foccacias zu verteilen, jeden Tag 100 Stück. „Mit Mundschutz, Handschuhen und genug Abstand“, sagt Schubbach. Sie wollen niemanden gefährden.

          Die erschwerten Bedingungen spüren die Frauen nicht nur bei den Vorbereitungen. Die Verteilungen seien hart. „Den Menschen geht es noch schlechter als sonst. Viele kommen direkt auf uns zu, wenn sie uns sehen“, so Schubbach. „100 Nachbarn“, haben sie das Projekt getauft, mehr als 11.000 Euro an Spendengeldern sind bereits zusammengekommen.

          Pläne für die Zeit nach der Krise

          Auf Instagram erreicht Schubbach mehr als 20.000 Menschen. Ihre Reichweite will sie jetzt nutzen, um Aufmerksamkeit zu schaffen und Engagement attraktiv zu machen. „Wir sind eine Community“, sagt die 25 Jahre alte Frau und meint damit nicht nur ihre Fans, sondern auch die Menschen, die von der Gesellschaft oft vergessen werden. „Ich wünsche mir, dass wir die Augen wieder auf machen und offener mit anderen Menschen umgehen. Vielleicht ist das etwas Positives, das wir alle aus dieser Krise lernen können.“

          Ihr neues Engagement wollen Schubbach und Honsel auch weiterführen, wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden. „Wir haben so viele Ideen. ,100 Nachbarn' soll in den Alltag integriert werden“, sagt Honsel. Die Frauen wollen neben der Verteilung von Essen einen öffentlichen Wasserspender aufstellen. Vor einigen Tagen haben sie bereits einen Gabenzaun ins Leben gerufen, an den Klamotten und Hygieneartikeln für Bedürftige gehängt werden können.

          „Jeder hat etwas abzugeben. Dafür muss man nicht viel Geld haben“, sagt Schubbach. Soziales Engagement könne überall anfangen. „Zeit macht kreativ. Es gibt so viele tolle Projekte“, sagt Honsel. Sie erlebe gerade ein neues Gefühl des Zusammenhalts, „das hoffentlich auch nach Corona bleibt“.

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