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Islam in Deutschland : Das Gesicht kennst du doch

„Es gibt nicht zwei Welten für mich. Beides bildet meine Identität“: Aiman Mazyek beim Gespräch in der Shisha-Lounge eines arabischen Restaurants in Berlin-Mitte Bild: Matthias Lüdecke

Arm in Arm mit der Kanzlerin, Dauergast in Talkshows: Wenn es um den Islam geht, ist Aiman Mazyek zur Stelle. Wofür steht der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime?

          Aiman Mazyek sitzt in der dritten Reihe. In Reihe eins, gerade einmal zwei Armlängen entfernt, hat die Bundeskanzlerin Platz genommen. Mitte April, Jahresempfang der Caritas im Kuppelsaal des Berlin Congress Center: Gleich wird der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbands Angela Merkel für ihren Einsatz in der Flüchtlingspolitik danken, woraufhin ein Applaus ausbricht, der nicht enden will, bis man vor Ergriffenheit Gänsehaut bekommt und die Kanzlerin fast glücklich lächelt.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber vorher sind die obligatorischen Begrüßungen dran: der Kardinal und zwei Minister, Staatssekretäre und Bundestagsabgeordnete, ranghohe Vertreter der evangelischen Kirche und des Judentums. Die Liste der Würdigungen, mit der die Caritas ihre gesellschaftliche Relevanz und Eingebundenheit markiert, ist lang. Der Name Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, fällt vergleichsweise früh. Er ist in der Aufzählung der einzige Repräsentant des Islams.

          „Selbsternannter Ober-Muslim“

          Es gibt rund vier Millionen Muslime in Deutschland, nur etwa zwanzig Prozent sind in religiösen Vereinen oder Gemeinden organisiert. Von den einschlägigen Verbänden fühlt sich einer Studie des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2009 zufolge nicht einmal jeder vierte vertreten. Und von den Organisationen, die sich im Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossen haben, um sich trotz der Vielgestalt des Islams als Ansprechpartner für die hiesige Politik zu formieren, ist der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) die kleinste.

          Warum also sitzt ausgerechnet Aiman Mazyek fast direkt hinter der Kanzlerin? Wer ist dieser Mann, der in den Medien wahlweise als „selbsternannter Ober-Muslim“, als „Gesicht des Islams“, „Cheflobbyist“ oder „Posterboy der Muslime“ bezeichnet wird? Und wofür steht er?

          Gerade hat der Siebenundvierzigjährige sein erstes Buch geschrieben. Es heißt „Was machen Muslime an Weihnachten?“ und zeigt auf dem Cover – Aiman Mazyek. Verbindlich-ernst, aber keinesfalls unfreundlich blickt ein Mann in Anzug und Krawatte vor dem verschwimmendem Hintergrund orientalischer Innenarchitektur seine Leser an. „Das Zielpublikum“, so Mazyek, „ist der Otto- Normalverbraucher, der sagt, das Gesicht kennst du doch, und da schmöker’ ich mal rein.“

          Einladung an AfD-Chefin Frauke Petry

          Wie in einer Art Countdown vor dem Erscheinungstermin hat Mazyek in den vergangenen Wochen für Medienwirbel gesorgt. Die AfD behauptet, der Islam sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar? Der Zentralratspräsident vergleicht den islamfeindlichen Furor der Rechtspopulisten mit dem Judenhass der NSDAP. Ein schwedischer Grünen-Politiker verweigert vor laufenden Kameras einer Journalistin den Handschlag?

          Mazyek rügt: „Was gar nicht geht, ist, durch eine Frau hindurchzuschauen. Das ist flegelhaftes Benehmen, nichts weiter.“ Politiker kritisieren den Einfluss des türkischen Staates auf die Imame des größten islamischen Dachverbandes Ditib? Mazyek nimmt die Geistlichen der Konkurrenz als „Bollwerk gegen Fanatiker und Radikale“ in Schutz. Sein jüngster Coup: eine Einladung an die AfD-Chefin Frauke Petry. Nach dem Motto „Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns?“ soll über die Flüchtlingskrise und Islamfeindlichkeit diskutiert werden. Angeblich hat Petry wohlwollend reagiert.

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