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Affären : Mel Gibson: „Ich bin kein Eiferer“

  • Aktualisiert am

Hollywood ist so fern: Gibson auf der Polizeiwache Bild: AP

Absturz eines Stars: Hollywood-Schauspieler Mel Gibson hat sich für antisemitische Worte entschuldigt, die er in trunkenem Zustand gegenüber einem Polizisten äußerte. Sein Ruf ist nach der Affäre nachhaltig beschädigt.

          Hollywood-Star Mel Gibson hat am Dienstag um Vergebung für seine antisemitischen Äußerungen gebeten. „Haß jeder Art ist gegen meinen Glauben“, erklärte der Schauspieler in einer Stellungnahme. „Es gibt keine Entschuldigung und sollte auch keine Toleranz für jemanden geben, der antisemitische Bemerkungen macht.“

          Gibson versicherte: „Ich bin kein Antisemit. Ich bin kein Eiferer.“ Er war Ende vergangener Woche betrunken am Steuer seines Wagens erwischt worden und hatte bei seiner Festnahme Juden beleidigt. „Ich bitte nicht nur um Vergebung“, erklärte der Schauspieler in einer Stellungnahme. „Ich möchte einen Schritt weiter gehen und mich mit den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde treffen, mit denen ich dann direkt über einen angemessenen Weg zur Heilung sprechen kann.“

          Gibson verwies darauf, daß er während seiner Äußerungen betrunken gewesen sei. Er habe jedoch bereits mit einem Entzugsprogramm begonnen und bitte die jüdische Gemeinde um Hilfe auf seinem Weg. „Ich weiß, daß viele nichts mit mir zu tun haben wollen, und das ist verständlich. Aber ich bete, daß die Tür nicht für immer verschlossen ist.“ Der Schauspieler, der als „Mad Max“ bekannt wurde, gewann einen Oscar als bester Regisseur für seinen Film „Braveheart“ von 1995. Gibson war außerdem zu sehen in der „Lethal Weapon“-Serie und in „Was Frauen wollen“.

          James Mee nahm Gibson fest

          Keine Holocaust-Serie von Gibson

          Der amerikanische Sender ABC stoppte unterdessen eine geplante Zusammenarbeit mit Gibsons Produktionsfirma Icon für eine Holocaust-Serie. Ein Sprecher von ABC wollte sich am Montag nicht dazu äußern, ob die Entscheidung des Senders mit seinen Äußerungen im Zusammenhang stehe. ABC erklärte lediglich, man habe seit fast zwei Jahren noch nicht einmal einen Entwurf von Icon für die Miniserie gesehen; deshalb sei das Projekt beendet worden.

          Nach Informationen der Entertainment-Webseite TMZ.com sagte Gibson bei dem Zwischenfall auf dem Pacific Coast Highway am Freitag zu einem Polizisten: „Die Juden sind für alle Kriege in der Welt verantwortlich. Sind Sie ein Jude?“ Die Bezirksstaatsanwaltschaft bestätigte, daß sie den Fall erhalten habe und prüfe. Die Anklageerhebung sei vorläufig für den 28. September angesetzt worden.

          All die schlechten Dinge kommen raus

          Der Polizist James Mee sagte, es tue ihm leid, daß er mit der Festnahme dem Ruf Gibsons geschadet habe. Doch hoffe er, daß der Schauspieler künftig nachdenke, bevor er sich angetrunken ans Steuer setze. Die Äußerungen Gibsons wollte Mee nicht überbewerten. Das seien Sachen, die der Star in betrunkenem Zustand gesagt habe. Der Alkohol verstärke die grundlegenden Züge der Persönlichkeit. Eine entspannte Person werde noch lockerer, aber bei einem nervöser Charakter werde dies noch verstärkt „und all die schlechten Dinge kommen raus“, sagte der mit 17 Dienstjahren erfahrene Deputy Sheriff.

          Eine jüdische Organisation rief die Filmindustrie zu einem Boykott Gibsons auf. Der nationale Direktor der Liga gegen Verleumdung, Michael Foxman, sagte, in einer Zeit eskalierender Spannungen in der Welt dürfe Gibson „mit derart aufrührerischen Äußerungen“ nicht so davonkommen. „Menschen in der Unterhaltungsindustrie, ob Juden oder nicht, müssen verstehen, was auf dem Spiel steht, ihn professionell meiden und sich weigern, mit ihm zusammenzuarbeiten - selbst wenn es ihnen am Ende selbst ein Opfer abverlangt“, sagte er.

          „Seine Tirade zeigt sein wahres Gesicht“

          „Sorry“, schrieb am Dienstag eine Kommentatorin der „Washington Post“, „aber ich nehme ihm einfach nicht ab, daß ein kleiner Tequila - oder auch eine Menge Tequila - einen unvoreingenommenen Menschen in ein rasenden Antisemiten oder Rassisten oder Homohasser oder sonst einen Eiferer verwandelt. Alkohol nimmt Hemmungen weg, so daß alle möglichen Meinungen unzensiert durchkommen.“ Die jüdische Liga gegen Diskriminierung ADL stellte fest: „Seine Tirade zeigt sein wahres Gesicht und beweist, daß seine Beteuerungen während der Debatte über seinen Film 'Die Passion Christi' nur Heuchelei waren.“

          Kritiker hatten Gibson vorgeworfen, mit seinem Epos das uralte Vorurteil von den Juden als „Christusmördern“ wiederzubeleben. Aus dem Film spreche ein „pathologischer Judenhaß“, sagte etwa der Oxford-Professor und Jesus-Experte Geza Vermes. Gibson, Mitglied einer ultrakonservativen katholischen Splittergruppe, erwiderte: „Weder bin ich antisemitisch noch ist es mein Film. Dieser Film handelt von Toleranz.“ Es half seiner Sache nicht, daß sein Vater Hutton Gibson zur gleichen Zeit ein Radiointerview gab und darin Holocaust-Museen als „Trick zum Geldeintreiben“ bezeichnete.

          Der mächtigste Künstler der Welt

          Der Jesus-Film erwies sich als eine der größten kommerziellen Sensationen der Hollywood-Geschichte: Mitsamt DVDs spielte er eine Milliarde Dollar ein - geradezu unglaublich für einen Film, der untertitelt ist, nur für Erwachsene zugelassen war und mehr Verrisse eingesammelt hatte als alle Ben-Affleck- und Jennifer-Lopez-Filme zusammen. Das Magazin „Forbes“ stufte Gibson daraufhin 2004 als mächtigsten Künstler der Welt ein. Seine Verwandlung vom Filmstar und Sexsymbol zur Ikone der religiösen Rechten war zu diesem Zeitpunkt auch äußerlich vollzogen: Er trug nun einen grau gefleckten Prophetenbart.

          Die Zeitungen spekulieren darüber, ob Disney Gibsons nächsten Film zurückziehen wird, einen erneut bluttriefenden Film über die Mayas. „Mad Mel“ mag selbst als erster erkannt haben, was er da angerichtet hatte, denn dem Polizeibericht zufolge seufzte er in einem Moment plötzlicher Hellsicht: „Mein Leben ist kaputt.“

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