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Adoption : Madonna - mit David gegen Goliath

  • -Aktualisiert am

Auf Auswahl-Reise? Madonna in Malawi Bild: AP

Vordergründig wird ein Traum wahr: Madonna hat den kleinen David aus Malawi adoptiert und wird ihm ein Leben in Luxus bieten. Doch die Blitzadoption des Halbwaisen verstößt gegen Vorschriften und Gesetze, die den internationalen Kinderhandel bekämpfen sollen.

          Für den Kleinen ist es eine Reise in ein neues Leben. Am Dienstag morgen um 6.30 Uhr landet der 13 Monate alte Junge auf dem Londoner Flughafen Heathrow. Eine Nanny trägt das Kind, das von Sicherheitsleuten und Polizisten begleitet wird, an Kameraleuten aus aller Welt vorbei. Um es vor dem Blitzlichtgewitter zu schützen, hat sie es in eine große graue Kapuzenjacke gehüllt. Man erkennt eine blauorangefarbene Baseball-Kappe, Jeans, ein weißes T-Shirt und Turnschuhe. Als ein Bein des Jungen aus der Jacke ragt, sieht man, daß das Kindermädchen einen schwarzen Jungen in den Armen hat, daß es sich wirklich um jenen David Banda handelt, den sich Popstar Madonna in einem Waisenhaus in Malawi als Adoptivsohn ausgesucht hat. Schnellen Schrittes durchquert die Gruppe das Flughafengebäude. An Terminal 1 warten die Reporter. Daher wählt man den Hinterausgang. David wird im Berufsverkehr in das Stadthaus von Madonna im Westen Londons gebracht. Seine neue Familie erwartet ihn.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Bisher führte David ein Leben wie Millionen Kinder in Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, zwischen Sambia, Tansania und Mocambique gelegen. Seine Mutter Marita starb einen Monat nach seiner Geburt. Sein Vater Yohande Banda, ein armer Bauer, brachte seinen Sohn im Alter von fünf Wochen in ein Waisenhaus, weil er sich der Aufgabe nicht gewachsen sah. Zwei seiner Kinder waren zuvor an Malaria gestorben. Das Foto von David soll zu den zwölf gehört haben, die das Waisenhaus an Madonna mailte, so daß sie sich ein Kind aussuchen konnte. Der Direktor des Waisenhauses erzählte dem Vater, daß eine „sehr nette christliche Frau“ seinen Sohn aufnehmen wolle. Der 32 Jahre alte Yohande Banda, der weder schreiben noch lesen kann, hatte nie zuvor von Madonna gehört. „Es ist ein Geschenk des Himmels. Er wird so viele Dinge lernen“, sagte er der „Times“. „Ich bin gespannt, ob er jemals zurückkommen und uns besuchen wird, und welche Sprache er sprechen wird.“ Madonna hat angeblich versprochen, daß die beiden sich irgendwann in der Zukunft wiedersehen.

          Eine wahre Blitzadoption

          Nicht alle in Malawi sind so glücklich über die Blitzadoption des armen Jungen durch die Popsängerin, deren Vermögen auf 370 Millionen Euro geschätzt wird. Vielleicht daher die Eile: Madonna mußte zwar am Freitag nach achttägigem Aufenthalt in dem Land, in dem sie mehrere von ihr geförderte Projekte besuchte, ohne den Jungen ausreisen, der noch keinen Reisepaß hatte. Aber ein malawischer Richter stimmte der Adoption schnell zu, am späten Montag abend teilte ein Sprecher mit, Madonna und ihr Mann Guy Ritchie hätten von den malawischen Behörden eine vorläufige Erlaubnis zur Adoption erhalten. Das Außenministerium stellte den Reisepaß schnell aus. Und am Montag flog der Kleine, ausgestattet mit einem amerikanischen Visum, im Privatjet von Lilongwe, der größten Stadt Malawis, nach Johannesburg. Dort wurde er in die Maschine nach London gebracht und trat den nächtlichen Elf-Stunden-Flug an.

          Geschützt vor Papparazzi: Befremdliche Ankunft in der neuen Welt

          Und das ist nur eine der vielen Schwierigkeiten, die Auslandsadoptionen aufwerfen. Auf der ganzen Welt unterliegen sie strengen Gesetzen, um Kinderhandel zu verhindern, um sicherzustellen, daß Kinder nicht wahllos aus ihrem Kulturkreis herausgerissen werden. Westliche Eltern sollen sich nicht auf die Schnelle einen Kinderwunsch erfüllen, ohne sich mit der Herkunftskultur überhaupt auseinanderzusetzen. Die Gesetze basieren auf dem Haager Übereinkommen zum Schutze der Kinder bei Auslandsadoptionen vom Mai 1993. Immer wieder werden diese Grundsätze bei Stars und führenden Politikern über Bord geworfen - zur Frustration von Sozialarbeitern und Adoptiveltern, die sich an die Bestimmungen halten müssen und sich dagegen wehren, daß Auslandsadoptionen über die Fehltritte schillernder Persönlichkeiten in Verruf geraten.

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