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Experte, wenn es um die Royals geht: Journalist Rolf Seelmann-Eggebert Bild: Getty

Rolf Seelmann-Eggebert : Unser Königsfritze

Hofberichterstattung ohne ihn, das wäre wie England ohne Queen. Dabei wäre Rolf Seelmann-Eggebert viel lieber zurück nach Afrika gegangen. In einem Buch erzählt er nun aus seinem Leben und von seinen Begegnungen mit den Royals.

          Der große Königinnenversteher der Republik spricht so leise, dass man sich vorbeugen muss, um ihn zu hören, Zurückhaltung kommt gegen den Springbrunnen in der Lobby des Adlon einfach nicht an. Seine Stimme jedoch ist vertraut, der Soundtrack des deutschen Adelsfernsehens, warm wie der Londoner Sommerregen an guten Tagen, seriös wie das Protokoll im Buckingham Palace und geschmeidig wie Clotted Cream zwischen Erdbeermarmelade und Scones. Ja, antwortet also Rolf Seelmann-Eggebert mit dieser Rolf-Seelmann-Eggebert-Stimme, die britische Königin wisse sehr wohl, dass er Teil sei des Pressekorps. Auch seinen Namen habe sie schon ab und an gehört, beim Defilee bei Staatsbesuchen etwa, wenn die Gäste vor der Begrüßung einzeln angekündigt werden. Mit seinem nächsten Satz macht der Mann mit den Löckchen, die noch nicht ganz so silberweiß glänzen wie jene der Queen, schlagartig klar, wie er sich seinen Status als Royal Reporter schlechthin verdient hat: „Ich gebe mir immer Mühe, ihr die Hand ganz zart zu reichen, weil ich weiß, wie viele Hände am Tag sie zu schütteln hat.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rolf Seelmann-Eggebert ist 82 Jahre alt: elf Jahre jünger als die Queen, gut elf Jahre älter als ihr Sohn Charles. Schon zum 30. Geburtstag des britischen Thronfolgers drehte er ein erstes großes Porträt über den Prinzen von Wales. Später begleitete er für das deutsche Fernsehen dessen Hochzeit mit Lady Diana, die Trennung des Paares und den Abschied von der Prinzessin der Herzen nach deren Unfalltod. Als Charles’ Söhne Prinz William und Prinz Harry heirateten und Kinder bekamen, war Seelmann-Eggebert längst im Ruhestand. Trotzdem kommentiert er weiterhin Eheschließungen wie Taufen diverser Prinzen und Prinzessinnen, und das nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch in Schweden, Dänemark, Norwegen und Spanien. Anfang Juni zur Feier des 93. Geburtstags der Queen hat ihn das Erste wieder in ein Fernsehstudio geholt, um seine Faszination und sein Wissen über die unmilitärischste Militärparade der Welt ans Publikum zu bringen.

          An diesem Vormittag im Adlon braucht es keine zwei Minuten, da ergeht er sich in Details von den Anfängen der Parade „Trooping the Colour“ im 18. Jahrhundert über den nötigen Drill bis hin zu dem Eisenbahnerstreik, der das einzige Mal während Elisabeths Amtszeit den Ausfall der Zeremonie bedingte, weil die vielen Pferde nicht pünktlich in die Hauptstadt transportiert werden konnten.

          Rolf Seelmann-Eggebert ist für das Thema Adel und Königshäuser in Deutschland ein bisschen so etwas wie die Queen für die britische Monarchie: irgendwie immer schon da und keinesfalls bereit abzudanken, eine Institution, die Tradition vermittelt und in turbulenten Zeiten Beständigkeit zelebriert. Jetzt hat er ein Buch geschrieben, das einen darüber nachdenken lässt, ob ihm das eigentlich in die Wiege gelegt worden ist.

          Warum, Herr Seelmann-Eggebert, lieben die Deutschen das britische Königshaus?

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