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Kletterer Adam Ondra : Alles im Griff

Adam Ondra klettert an steilen Berghängen in der Gardasee-Region. Bild: Giampaolo Calza

Paris, Yosemite, Tokio: Der Tscheche Adam Ondra gilt als bester Kletterer der Welt. Wir stellen sechs atemberaubende Orte seiner außergewöhnlichen Karriere vor.

          Yosemite

          Es ist ein mythischer Ort für Kletterer. Ein Ort der Kletterträume, der Kletterlegenden. An den monströsen Big Walls der Granitriesen im Yosemite National Park, den einen Kilometer hohen senkrechten Felswänden, treffen sich seit Jahrzehnten die Besten der Welt. Berge wie der Half Dome und der El Capitan zählen zum Weltnaturerbe der Klettergeschichte. Im Oktober 2016 war Adam Ondra zum ersten Mal im Yosemite Park. Als Anfänger, gewissermaßen. „Es war ziemlich spannend oder vielleicht auch bescheuert, dass ich als totaler Big-Wall-Amateur da war, auch mein Kletterpartner nie an einer Big Wall unterwegs gewesen war – und wir uns einfach mal die schwerste Big Wall der Welt ausgesucht haben. Aber es hat geklappt.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ondra schaffte die zweite freie Begehung der „Dawn Wall“ am El Capitan, die als schwierigste Mehrseillängenroute der Welt gilt. Acht Tage verbrachte er in der Wand - die Erstbegeher Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson hatten 16 Tage benötigt. Die Kletterwelt war baff. „Der Stil des Big-Wall-Kletterns im Yosemite ist ganz besonders“, sagt Ondra. Man ist extrem ausgesetzt, schläft im Hängebett, Hunderte Meter über dem Boden, ist zuweilen fragwürdig abgesichert, hat nur winzigste Griffe und Tritte im glatten Granit. „Als ich ankam, war ich wohl etwas zu ehrgeizig. Ich dachte: Es ist eine Big Wall, okay, aber ich bin in der ganzen Welt geklettert, ich werde das lernen, ich habe keine Angst. Ich dachte, es würde kein allzu großes Problem werden. Da lag ich total falsch.“

          Im Novemer 2016 erklomm Ondra den markanten Felsvorsprung El Capitan im kalifornischen Yosemite-Nationalpark.

          Ondra hatte zu kämpfen. Der Optimismus war bald verdrängt von der Gewissheit: Es wird härter als erwartet. „Erst nach Wochen hatte ich mich so an den Kletterstil gewöhnt, dass Selbstvertrauen und Zuversicht zurückkehrten.„ Dazu kam das Glück: Als es ernst wurde, erwischte er eine Woche mit perfekten Wetterbedingungen. Am 21. November 2016 hatte Ondra die Wand geschafft. Auf Facebook schrieb er: „Mission accomplished“.

          Flatanger

          Es sieht aus wie ein Code: 9b+. Es ist aber ein Kürzel für den Schwierigkeitsgrad einer Kletterroute - einer extremen Kletterroute. 9b+, das ist der höchste Schwierigkeitsgrad, der jemals geklettert wurde. Adam Ondra hat drei solcher 9b+-Routen als Erster durchstiegen. Routen, bei denen man sich kaum vorstellen kann, wie ein Mensch sich dort überhaupt festkrallen oder gar fortbewegen kann. Im Jahr 2012 eröffnete er die 50 Meter lange Route „The Change“, in einer Höhle in Norwegen, in der Nähe des Orts Flatanger.

          Ondra hatte als Jugendlicher Bilder der Höhle im Internet entdeckt, sie ließen ihn nicht mehr los, und als er die Schule endlich abgeschlossen hatte, machte er sich umgehend auf nach Norwegen. "Als ich zum ersten Mal dort ankam, waren da vielleicht zwölf Routen." Er begann, seine eigenen Linien zu suchen und sie als Kletterrouten zu eröffnen. Immer wieder fuhr er über die Jahre hin. "Dort sind einige der wichtigsten Routen, die ich je geklettert bin." Wie etwa "The Change". Monatelang hatte er sich an der Route abgearbeitet, sie immer wieder aufs Neue versucht, sie regelrecht belagert.

          Instagram-Post von Adam Ondra über das Klettern in der Gegend um das norwegische Flatanger

          Auch das macht für ihn den Reiz des Lebens als Kletterer aus: sich über Wochen in einen Ort wie Flatanger zu vertiefen, in ein perfektes Klettergebiet in herrlicher Landschaft, ein einfaches Leben auf dem Campingplatz, „nur mit ein paar anderen Kletterern, dem Besitzer des Campingplatzes und ein paar Fischern“. Der 24 Jahre alte Ondra ist in einer Art Kletter-Biotop groß geworden. Eltern, Freunde, Bekannte - Klettern war allgegenwärtig in seiner Kindheit in der tschechischen Stadt Brünn.

          Doch Klettern, wie Ondra es betreibt, bedeutet auch, Grenzen zu verschieben. Oder es zumindest zu versuchen. Deshalb ist die 9b+ längst nicht das Ende aller Träume. Im Moment arbeitet er an zwei Projekten, einem in Flatanger und einem am Gardasee, die sich um den nächsten Schritt drehen: eine 9c-Route zu eröffnen. „Ich liebe die Herausforderung“, sagt Ondra. Aber es ist nicht nur das. „Wenn man weiß, wie es sich anfühlt, eine 9b zu klettern, macht eine 8c nicht mehr ganz so viel Spaß. Und wenn ich in Flatanger ankomme und sehe eine 8a und eine 9c, dann sieht die 9c einfach schöner, beeindruckender und verlockender aus.“

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