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Abschiedsbrief veröffentlicht : Gunter Sachs ist tot: „Ausweglose Krankheit“

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Sie machten St. Tropez zum gesellschaftlichen Anziehungspunkt: Sachs mit Brigitte Bardot Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Als Mann von Brigitte Bardot wurde der Opel-Nachfahre weltbekannt. Durch seine vielfältigen Talente machte er sich einen Namen. Nun hat sich Gunter Sachs in seinem Haus in Gstaad das Leben genommen, wie seine Familie bestätigte.

          Aus Angst vor einer „ausweglosen Krankheit“ hat sich der legendäre Lebemann, Fotograf und Kunstsammler Gunter Sachs das Leben genommen. Seine Familie bestätigte den Tod des 78-Jährigen am Sonntagabend. In einem von ihr veröffentlichten Abschiedsbrief berichtet Sachs, er habe erkannt, dass er an der „ausweglosen Krankheit A.“ leide. Er soll seinem Leben bereits am Samstag in seinem Haus im Schweizer Prominentenort Gstaad eine Ende gesetzt haben.

          Als eine der ersten hatte seine frühere Ehefrau, die französische Starschauspielerin Brigitte Bardot, von seinem Tod erfahren. Mit ihr war er drei Jahre verheiratet. Sie soll „am Boden zerstört“ sein, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Stiftung Bardots.

          Sachs hinterlässt seine dritte Ehefrau, Mirja Larsson, ein ehemaliges schwedisches Fotomodell, mit der er über 40 Jahre verheiratet war, und drei Söhne. Er soll am Freitag im engsten Familienkreis in Gstaad bestattet werden.

          Gunter Sachs im Jahr 2005

          Die Familie veröffentlichte den von ihm unterschriebenen Abschiedsbrief des Lebemannes und Künstlers auf dessen eigenen Wunsch. Er stelle „heute noch in keiner Weise“ ein Fehlen oder einen Rückgang seines logischen Denkens fest, schrieb Sachs. Eine wachsende Vergesslichkeit, die rapide Verschlechterung seines Gedächtnisses und dem seiner Bildung entsprechenden Sprachschatzes würden aber schon jetzt zu „gelegentlichen Verzögerungen in Konversationen“ führen. „Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen“, erläuterte er seinen Entschluss.

          Am Ende des Briefes schrieb er: „Ich danke meiner lieben Ehefrau und meiner engsten Familie sowie meinen in tiefer Freundschaft verbundenen Weggefährten, mein Leben wundervoll bereichert zu haben.“ Seine Familie bat, ihre Privatsphäre zu respektieren. „Er war eine einmalige Persönlichkeit, die stets gradlinig und mit Herz für seine Familie und Freunde da gewesen ist“, heißt es in ihrer Mitteilung.

          Sachs wurde am 14. November 1932 auf Schloss Mainberg in Franken geboren und war der Erbe der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs. Sachs' Vater Willy hatte sich 1958 in seinem Jagdhaus das Leben genommen.

          Sachs hat die Medien und damit die Öffentlichkeit vor allem in Deutschland immer wieder fasziniert. Er selber wusste, dass er zu den „aussterbenden Playboys“ gehört. Er sagte dazu einmal, er habe beim Werben um weibliche Sympathien bewusst auf Statussymbole verzichtet. „Mit Sportwagen und teuren Anzügen kann man zwar auf sich aufmerksam machen, nachhaltig beeindrucken kann man Frauen damit aber nicht.“ Männer sollten daher bewusst ihre Ausstrahlung einsetzen und Charakter zeigen, meinte Sachs.

          Dabei wusste Sachs seinem extravaganten Lebensstil auch immer eine ernsthaftere Seite entgegenzusetzen. So war er bis Ende der 1970er Jahre Aufsichtsratsmitglied bei Fichtel & Sachs. Er war außerdem mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer und Fotograf. Ab Mitte der 1960er Jahre baute der Unternehmer recht erfolgreich zudem eine internationale Kette von Modeboutiquen auf.

          Außerdem besaß Sachs als Kunstsammler eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa. In Hamburg hatte er zeitweilig eine eigene Galerie. In München, Lausanne, London und New York unterhielt er Fotostudios und veröffentlichte Fotobände.

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