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Abschied beim Stierkampf : Die letzte Corrida des alten Königs

  • -Aktualisiert am

König Juan Carlos übergibt eine Statue an den Stierkämpfer Ivan Fandino. Bild: dpa

Alle Bourbonen waren Freunde des Stierkampfs, auch der scheidende König Juan Carlos. Aber wie wird es mit dem Vegetarier-König Felipe werden?

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          Die königliche Arbeitsteilung funktioniert schon. Der eine besorgt das hehre Geschäft, der andere vergnügt sich beim Stierkampf. Während Kronprinz Felipe in einem Kloster der nördlichen Provinz Navarra feierlich einen Literaturpreis verlieh, humpelte Juan Carlos I. in Madrid animiert zum letzten Mal als Präsident einer Benefiz-Corrida in die Stierkampfarena Las Ventas. Die mehr als 20.000 Zuschauer erhoben sich wie ein Mann, als sie des Monarchen in seiner Loge gewahr wurden und brachten ihm Ovationen dar. Darüber war die Nationalhymne nicht mehr zu hören, dafür aber die Rufe: „Es lebe der König!“

          Genießt den Applaus in der Hauptstadt-Arena
          Genießt den Applaus in der Hauptstadt-Arena : Bild: AP

          Dieser König ist auf seinem Posten der letzte Freund der blutigen Fiesta, in der ein Teil des ansonsten auf viele Arten desorientierten Spaniens noch seine Identität sucht. Vor einem halben Jahr hatte das Parlament die Tauromachie mit trotziger Geste wider ein katalanisches Verbotsgesetz zum nationalen Kulturerbe erklärt. So war es nur konsequent, dass jetzt auch der Kulturminister José Ignacio Wert dem König Gesellschaft leistete.

          Der junge Juan Carlos hat die Leidenschaft für die Toros von seiner Mutter geerbt. Die erklärte „Aficionada“ María de las Mercedes ließ sich als Mädchen in Sevilla selten eine Corrida entgehen und hat sogar eine Statue in der Maestranza, der ältesten Stierkampfarena der Welt. Anders ist die Sache bei dem Thronfolger, der demnächst als Felipe VI. auch für die Bewahrung des Kulturerbes zuständig sein wird. Seine Mutter Sofía ist Vegetarierin, liebt Tiere und ist wie ihr Sohn ernsthaft am Naturschutz interessiert. Und auch Felipes Frau Letizia, die nicht zu den Schlemmern zählt, ist in dieser Madrider Saison gewiss nicht mit einem Stierschwanzragout in Versuchung zu führen.

          Stierkampf ziemlich lausig

          Ein Schwanz als höchste Auszeichnung wurde am Mittwoch im Beisein des Königs auch nicht vergeben. Von den zwei Ohren war eines geschenkt. Denn der Stierkampf war ziemlich lausig, weil die sechs Stiere, wie ein Kritiker schrieb, schon „mit dem Invalidenausweis“ in das Rund liefen. Zwei der drei Toreros, El Juli und Alejandro Talavante, widmeten die ihren dem hohen Gast. Der dritte, der Baske Iván Fandiño, tat das aus unerklärten Gründen nicht. Dabei kann er froh sein, dass in seiner separatistischen Heimat die Versuche radikaler Nationalisten, dieses „spanische Relikt“ abzuschaffen, bislang erfolglos blieben.

          Einer von sechs Stieren, hier ohne Invalidenausweis
          Einer von sechs Stieren, hier ohne Invalidenausweis : Bild: AP

          Der König der Fiesta, der nach seiner berüchtigten Elefantenjagd in Botswana vom World Wide Fund for Nature (WWF) als spanischer Ehrenpräsident hinauskomplimentiert wurde, genoss den Applaus und den goldenen Nachmittag im Tempel der Hauptstadt-Arena. Ob sein Nachfolger sich der patriotischen Pflicht unterziehen wird, bei dem Wohltätigkeitskampf des nächsten Jahres im Königsbalkon zu sitzen, bleibt abzuwarten. Das Geld kommt jeweils örtlichen Krankenhäusern zugute. Irgendwer wird ihm schon sagen, dass die spanischen Monarchen, seien es Habsburger oder Bourbonen, immer dabei waren.

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