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Ablenkung im Auto : WhatsApp verkürzt das Leben

Auch de Berliner Polizei beteiligte sich mit zahlreichen Kontrollstationen an der bundesweiten Verkehrssicherheitsaktion „sicher.mobil.leben“ mit dem Schwerpunkt Ablenkung im Straßenverkehr. Bild: dpa

Am Donnerstag führte die Polizei die Aktion „Sicher.Mobil.Leben“ durch und kontrollierte bundesweit Autofahrer. Eine der Hauptunfallursachen ist laut Verkehrsdienst Wiesbaden mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer.

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          Der Polizist in zivil beobachtet aufmerksam den Berufsverkehr. „Schwarzer Audi A8, zwei Personen, rechte Hand, rechtes Ohr“, gibt er den zehn Kollegen durch, die 400 Meter weiter im Wiesbadener Osten auf die Verkehrssünder warten. „Guten Tag, Fahrzeugkontrolle“, eröffnet der Beamte das Gespräch. Er verweist auf den Funkspruch – Handyverstoß. „Das ist eine Ordnungswidrigkeit. 100 Euro und ein Punkt.“ Äußern müsse der Fahrer sich dazu nicht. Doch der gibt bereitwillig Auskunft: „Ich habe telefoniert; wenn ich jetzt meckere, hilft auch nicht.“

          Tobias Schrörs

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Bei der bundesweiten Aktion „Sicher.Mobil.Leben“ dürften sich am Donnerstag viele solcher Szenen abgespielt haben. Nach wenigen Stunden schon hatten die insgesamt 11.000 Einsatzkräfte 3100 Handyverstöße protokolliert, wie der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), mitteilte. 51.000 Lastwagen-, Auto- und Radfahrer wurden kontrolliert. Die Innenministerkonferenz und die Deutsche Hochschule der Polizei wollen mit der Aktion auf Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr hinweisen.

          „Die mangelnde Aufmerksamkeit ist nach unserer Einschätzung eine der Hauptunfallursachen“, sagte der Leiter des regionalen Verkehrsdienstes Wiesbaden, Erik Burkard, am Rande der Kontrolle. Zwischen 6.30 und 10Uhr hätten seine Kollegen drei unangeschnallte Fahrer und 25 Personen mit einem Mobiltelefon in der Hand herausgewunken.

          „Etwa die Hälfte wollte sich nicht äußern“

          46 Prozent der Deutschen nehmen laut einer Allianz-Studie aus dem Jahr 2016 während der Fahrt ihr Mobiltelefon in die Hand. Mindestens jedes zehnte Opfer im Straßenverkehr sterbe bei „Ablenkungsunfällen“. Zwar werden Daten zur Ablenkung in Deutschland nicht erfasst, aber die österreichischen Zahlen sprechen für sich: 2014 war Ablenkung dort die Ursache für 38 Prozent der Personenschadenunfälle sowie für 31 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle.

          Nicht alle Fahrer, die an diesem Morgen in Wiesbaden aus dem Verkehr gezogen werden, sind so kooperativ wie der Fahrer des schwarzen Audi. „Etwa die Hälfte wollte sich nicht äußern“, sagt Oberkommissarin Martina Kuhn. Auf sie warte nun ein Anhörungsverfahren. Entscheidet der Richter zu Gunsten der Polizei, fällt eine zusätzliche Verfahrensgebühr an.

          Die Fahrerin eines VW-Cabrio rollt der roten Kelle entgegen. Die Dame mit dem eleganten Kleid ist nicht angeschnallt und trotz allem erbost. Schließlich hat sie ein Einsehen. „Ich zahle das ja.“ Während der Handyverstoß mit einem Bußgeld geahndet wird, fällt für den Gurtverstoß nur ein Verwarnungsgeld an. 30 Euro.

          Noch bis 22 Uhr kontrollieren die Polizisten in Wiesbaden und anderswo die Verkehrsteilnehmer. Für die abgelenkten Fahrer, die an diesem Tag in die Kontrolle geraten, hätte es angesichts der Unfallzahlen schlimmer kommen können. Zumindest für den Fahrer des Audi ist das Bußgeld nicht das größte Problem. Nervös schlägt er mit dem Portemonnaie auf den linken Oberschenkel. Ob man bei dem Punkt denn nichts machen könne? „Leider nein.“

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