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Wahrheit und Mythos : Was muss man bei der Hitze beachten – und was nicht?

  • -Aktualisiert am

Erfrischung pur: Bei den aktuellen Temperaturen ist jede Abkühlung willkommen. Bild: dpa

Zur Mittagszeit sollte man nicht joggen, Babys dürfen nicht nackt schlafen, Zugluft ist gefährlich, und Alkoholkonsum ein absolutes Tabu – welche Tipps zur Sommerhitze stimmen, und welche sind nur ein Mythos?

          3 Min.

          Es ist heiß – richtig heiß! Geheimtipps und verschiedenste Kniffe, um die tropischen Temperaturen unbeschadet zu überstehen, kann man überall lesen. Doch welche davon verschaffen tatsächlich Abkühlung, und welche Ratschläge sollte man lieber ignorieren? Eine Übersicht:

          Eiskalte Getränke sind die perfekte Abkühlung

          Falsch! Generell sollte man bei den aktuellen Temperaturen viel Wasser trinken. Normalerweise reichen täglich 1,5 Liter Wasser, wobei mehr besser ist. Bei der derzeit anhaltenden Hitze benötigt der Körper auf jeden Fall noch mehr. Das Rote Kreuz rät, jeden Tag mindestens einen Liter zusätzlich zu trinken.

          Eiskalte Getränke wirken bei tropisch-warmen Temperaturen jedoch eher kontraproduktiv. Sie sind für den Magen nicht bekömmlich und regen den Stoffwechsel an, wodurch unser Körper noch mehr schwitzt. Dabei gehen große Mengen an Mineralen, Magnesium und wichtigen Salzen verloren. Lauwarmes Wasser, ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees oder Saftschorlen sind zu empfehlen. Besonders gut bei Hitze eignet sich lauwarmer Pfefferminz-Tee, da er durch seine Frische für zusätzliche Abkühlung sorgt. 

          Duschen sollte man am besten lauwarm

          Korrekt! Auch wenn es verlockend klingt: Sich zur Abkühlung unter die eiskalte Dusche zu stellen, ist keine gute Idee und wenig förderlich. Eher im Gegenteil: Das kalte Wasser führt dazu, dass sich die Gefäße erst einmal zusammenziehen, damit der Körper die Wärme besser speichert. Der Kreislauf ist durch den „Kälte-Schock“ angeregt und der Blutdruck steigt – in der Folge schwitzt man umso mehr. Lauwarm zu duschen ist in diesem Fall also die weitaus klügere Methode, sich Abkühlung zu verschaffen.

          Mittags ist es am heißesten

          Unwahr! Bei vielen Menschen herrscht nach wie vor der verbreitete Irrglaube, dass es zur Mittagszeit draußen am heißesten ist. Doch danach klettern die Temperaturen oft noch weiter in die Höhe. Bereits im Jahr 2016 klärte Wettermoderator Jörg Kachelmann in seinem Blog darüber auf, dass der Mythos der Mittagshitze schlichtweg falsch ist. „Das liegt zum einen daran, dass der Sonnenhöchststand in Mitteleuropa nicht mittags, sondern am frühen Nachmittag ist. Zum anderen heizt die Sonne auch nach dem Höchststand den Boden noch weiter auf – und damit kommen wir zum dritten Grund: Die Luft erwärmt sich immer vom Boden aus“, schrieb der Moderator. Joggen sollte man an heißen Tagen deswegen spätestens mittags.

          Alkohol ist während der Hitze tabu

          Halb wahr! Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt zwar: „Wenn die Sonne brennt, wirkt Alkohol im Körper schneller und intensiver. Besonders an heißen Tagen kann zu viel Alkohol zu Kreislaufproblemen oder sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen.“ Viele Mediziner empfehlen daher, den Durst bei Hitze besser mit nicht-alkoholischen Getränken zu stillen. In geringen Maßen ist Alkohol jedoch trotzdem verträglich, sofern während des Genusses ausreichend Wasser getrunken wird, da Alkohol unserem Körper gewisse Mengen an Wasser entzieht. Auf das Bier zum Grillen muss also nicht gänzlich verzichtet werden.

          Zugluft verursacht Erkrankungen

          Nicht wahr! Oftmals wird vor offenen Fenstern, Ventilatoren und Klimaanlagen wegen der Zugluft gewarnt. Doch ist der nächtliche Durchzug wirklich eine so große Gefahr? Moderator Jörg Kachelmann ist anderer Meinung. Auf Anfrage von FAZ.NET schreibt er: „Viele Menschen glauben, dass es ,Durchzug' gäbe und der schädlich sei, finden aber den Wind am Strand von Fuerteventura, der nicht anders ist, total angenehm und bekommen dort auch nicht den eingebildeten deutschen steifen Hals, den auch kein Bauarbeiter in den Subtropen und Tropen bekommt, der dort im Wind schwitzt.“

          Tatsächlich verursacht Zugluft nicht direkt Schnupfen, Grippe oder Schlimmeres. Jedoch kann ein dauerhafter Luftstrom auf feuchter Haut zu Verdunstungskälte führen. Eine große Gesundheitsgefahr besteht durch Zugluft aber sicherlich nicht.

          Babys sollten auch bei Hitze nachts etwas anhaben

          Richtig! Trotz der heißen Temperaturen sollten sowohl Kleinkinder als auch Säuglinge nachts nicht völlig nackt schlafen. Vor allem Säuglinge haben noch starke Schwierigkeiten, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Kühlt nun im Laufe der Nacht die Luft ab, kann ein verschwitzter Babykörper sehr schnell auskühlen – so droht schnell Erkältungsgefahr. An heißen Tagen reicht den Kleinsten ein Body mit kurzen Ärmeln und dünne Baumwollsöckchen. Eltern können im Nacken des Babys am besten fühlen, ob es schwitzt.

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