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Abitur mit 14 Jahren : Buchstaben statt Bauklötze

  • -Aktualisiert am

Abiturientin mit 14: Minu Tizabi Bild: F.A.Z. - Foto Daniel Pilar

Minu Tizabi aus Pforzheim hat gerade ihr Abitur mit 1,0 bestanden und will jetzt Medizin studieren. Cambridge allerdings hat sie als Studentin abgelehnt. Mit 14 Jahren sei Fräulein Tizabi noch zu jung.

          Die Planeten hatten es Minu besonders angetan. Damals, als sie mit drei Jahren auf ihrer weißen Kinderdecke lag, in Meyer's Kinderlexikon las und ihrem Vater das Planetensystem erklärte. Ihren ersten Berufswunsch, Astronautin, hat sie mittlerweile verworfen. Heute, elf Jahre und vier übersprungene Schulklassen später, liest sie mit Vorliebe englische Literatur. Aber auch Medizinbücher, meistens mehrere parallel. Denn Minu Tizabi will vom Wintersemester an Medizin studieren, nicht um Ärztin zu werden, sondern um zu forschen.

          Die Sache mit Cambridge ist allerdings schiefgelaufen. „Da hätte ich zwei bis drei Jahre auf meinen Studienplatz warten müssen.“ Sie sei zu jung, beschied ihr die englische Universität. Nun hat sich Minu über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen an den Universitäten Heidelberg und München beworben. Das zierliche Mädchen mit dem wachen Blick hat kürzlich am Pforzheimer Hebel-Gymnasium ihr Abitur bestanden: mit einem Notenschnitt von 1,0, im Alter von 14 Jahren.

          Der Rummel behagt ihr nicht so recht

          Seitdem hat sie mehr als 20 Interviews gegeben. „Ein bisschen stressig“ sei das schon, sagt sie höflich. Mit durchgedrücktem Rücken, die Füße berühren gerade den Boden, sitzt Minu im Café einer großen Buchhandlung in der Pforzheimer Fußgängerzone. Hierher ist die Hochbegabte nach der Schule oft gekommen. „Ich lese einfach sehr gerne.“ Der Rummel um ihre kleine Person behagt ihr nicht so recht. Minu formuliert bedächtig und hört sich mitunter wie eine erwachsene Frau an. Doch sie gibt ungern etwas von sich preis. Und wenn ihr Vater über sie ins Erzählen gerät und sie die Informationen nicht mehr filtern kann, fühlt sie sich auch unwohl. Djamshid Tizabi hat seine Tochter alleine großgezogen und von frühester Kindheit an gefordert und gefördert.

          Minu Tizabi: „Ich lese einfach sehr gerne”

          Seine deutsche Frau starb einen Monat nach Minus Geburt, die kleine Familie lebte fortan im Haus der Schwiegermutter. „Minu ist das einzige, was ich habe“, sagt der Iraner, ein hagerer, grauhaariger Mann, der sein schwarzes Sakko nicht aus der Hand legt. Vater Tizabi wird mit seiner Tochter in den Studienort umsiedeln, sein Beruf als selbständiger Ingenieur für Elektrotechnik macht es möglich. Als Minderjährige hätte die Abiturientin, die vor kurzem ihre Leidenschaft fürs Fotografieren und Filmen entdeckte, wohl nicht mal eine Chance auf einen Platz im Studentenwohnheim.

          Einschulung in die dritte Klasse

          Djamshid Tizabi meint: „Intelligenz ist erlernbar. Einem Kind ist es gleich, ob es mit dem Buchstaben B oder mit Bauklötzen spielt.“ Mit eineinhalb Jahren schon habe Minu begonnen, Buchstaben zu lernen, die der Vater aus Pappe ausschnitt. Auf der Straße las sie bald Autokennzeichen vor. „Dada“ und „Dudu“ bekam Minu nie zu hören. Er habe immer in vollständigen Sätzen mit ihr gesprochen. Mit nicht mal fünf Jahren fand Minu in der Zeitung eine Anzeige für Englisch-Nachhilfe. „Bei Minu war es wohl eher Vorhilfe“, sagt Djamshid Tizabi und lächelt. Sie habe immer furchtbar geweint, wenn die Studentin mal nicht kommen konnte.

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