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Erste Touren trotz Corona : 5G auf dem Mount Everest

  • -Aktualisiert am

Höchste Genauigkeit: Ein chinesisches Vermessungsteam nimmt am Mittwoch Untersuchungen am Gipfel des Mount Everest vor. Bild: ddp/intertopics/eyevine/ Xinhua

Chinesische Vermesser erreichen den Gipfel des Mount Everest – entlang der Aufstiegsroute haben sie 5G-Sendemasten installiert. Ungewiss ist, wie die Zukunft des Bergsteigens an den höchsten Gipfeln der Welt aussehen wird.

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          Es war ein Wettlauf gegen den bald einsetzenden Monsun, und am Ende hat die chinesische Expedition, die einzige, die in diesem Jahr am Mount Everest unterwegs war, das Rennen gewonnen. Im dritten Versuch schaffte es das Team aus sechs Tibetern, das die Fixseile verlegen sollte, am Dienstag bei laut Berichten starkem Wind auf den Gipfel. Am Mittwoch stieg dann ein zehnköpfiges Team von Vermessern auf den höchsten Punkt des Berges, der offiziell mit 8848 Metern angegeben wird. Und am Donnerstag wurden nach Angaben von Mingma Gyalje Sherpa, einem nepalesischen Expeditionsanbieter mit guten Kontakten nach China, 14 kommerzielle Kunden – unter ihnen die mit 16 Jahren jüngste Teilnehmerin der Expedition – von 21 Tibetern auf den Gipfel geführt. Auf dem Video davon, das in sozialen Medien kursiert, ist auch der Vermessungsmast zu sehen, der am Vortag auf dem höchsten Punkt aufgestellt wurde. Zum Vergleich: In der Vormonsunsaison 2019 erreichten 876 Menschen den Gipfel.

          Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob am höchsten Berg der Welt – wie auch an den übrigen Achttausendern im Himalaja – in dieser Vormonsunsaison kein einziger Gipfelerfolg verzeichnet werden könnte. Im März hatte erst China bekanntgegeben, aufgrund der Corona-Pandemie keine Expeditionen auf der Nordseite des Mount Everest zuzulassen. Daraufhin erklärte auch Nepal schon erteilte Genehmigungen für Trekkings und Expeditionen für ungültig, darunter auch jene für die Südseite des Mount Everest.

          Mitte März wurde schließlich bekannt, dass 60 Jahre nach der ersten Besteigung des höchsten Bergs der Welt über den Nordostgrat eine Expedition von Chinesen auf dieser Route den Aufstieg versuchen würde. Neben der Bestimmung der exakten Höhe des Bergs hatte sie auch den Auftrag, entlang der Aufstiegsroute 5G-Sendemasten zu installieren und 25 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen. Die drei Mobilfunkstationen sollen nach Berichten vorrangig der Vermessung des Bergs dienen, sie wurden demnach auf 5300, 5800 und 6500 Meter Höhe „nur vorübergehend“ eingerichtet. Zweifellos wollte China damit aber auch weithin sichtbar seinen Anspruch als Hightechnation verdeutlichen.

          Warnung vor Kollaps des Bergtourismus

          Der Mount Everest wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vermessen. Die auch in Nepal anerkannte Höhe von 8848 Metern wurde 1975 von Chinesen festgestellt. Sie stimmt überein mit indischen Messungen aus dem Jahr 1954. Amerikanische Wissenschaftler kamen 1999 bei der Auswertung von GPS-Daten auf eine Höhe von 8850 Metern. Weil vermutet wird, dass das Erdbeben 2015 Einfluss auf die Höhe hatte, vermaß bereits im vergangenen Jahr ein Team aus Nepal den Gipfel neu. Die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Anlässlich des Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Nepal im vergangenen Oktober erklärten beide Länder, sie wollten die Höhe des Mount Everest gemeinsam bekanntgeben.

          Unterdessen ist ungewiss, wie die Zukunft des Bergsteigens an den höchsten Gipfeln der Welt aussehen wird. Sämtliche für den Sommer geplanten kommerziellen Expeditionen an den fünf Achttausendern in Pakistan wurden abgesagt. Ob es in Nepal und China nach dem Monsun wieder Expeditionen geben wird, steht in den Sternen. Einzig Nirmal Purja, der im vergangenen Jahr alle 14 Achttausender bestiegen hatte, wagte schon einen Vorstoß. Er wolle im Herbst eine Expedition auf den Mount Everest anbieten, um das Bergsteigen in Nepal am Laufen zu halten, kündigte er kürzlich an. Dafür wolle er sogar auf sein Bergführergehalt verzichten, sagte der Nepalese.

          Für den Bergtourismus steht viel auf dem Spiel. Es geht nicht nur um die Einnahmen eines ganzen Jahres, die möglicherweise ausfallen. Erst kürzlich warnte Ang Tshering Sherpa, der frühere Präsident des nepalesischen Bergsteigerverbands, vor dem Kollaps des Bergtourismus in Nepal. In den vergangenen Jahren sind viele junge Männer und Frauen aus Nepal in Scharen in die Golfregion abgewandert, um dort auf dem Bau oder in Haushalten zu arbeiten. Das bekommt auch der Tourismussektor zu spüren. Für die Agenturen in Nepal wird es immer schwieriger, Träger und Köche für Trekkings und Expeditionen zu finden.

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