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50 Jahre nach Attentat : Hunderte gedenken Rudi Dutschkes in Berlin

  • Aktualisiert am

Bundesgeschäftsführer der Grünen Michael Kellner spricht bei der Gedenkveranstaltung. Bild: dpa

Vor 50 Jahren wurde Studentenführer Rudi Dutschke von drei Kugeln getroffen. Am Mittwoch erinnerten Verwandte, Weggefährten und Politiker bei einer Gedenkveranstaltung am Ku’damm an den Aktivisten und die Bewegung von 1968.

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          Es ist die Zeit und es ist der Ort, an dem Rudi Dutschke vor 50 Jahren angeschossen wurde: 16.30 Uhr, Ecke Kurfürstendamm und Joachim-Friedrich-Straße. Mehrere hundert Menschen, darunter Verwandte, Politiker und Weggefährten, haben sich für eine Gedenkveranstaltung am Mittwoch dort versammelt. Viele legten mit Blumen geschmückte Stiefel und Turnschuhe an die Gedenktafel des Aktivisten, der bei dem Attentat seine Schuhe verloren hatte.

          Zusammen mit ihren Söhnen Hosea-Che und Rudi-Marek sowie mit Tochter Polly-Nicole ist auch Witwe Gretchen Klotz-Dutschke zum Ort des Attentats gekommen. „Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen“, sagte die 76-Jährige. „Die Geschichte der antiautoritären Bewegung müsste als Pflichtfach in den Schulen gelehrt werden, damit auch die jüngere Generation es versteht.“

          Unter den Zuhörern der Veranstaltung von den Grünen und der Geschichtswerkstatt Berlin waren auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und die Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek. „Die damaligen Studentenproteste 1968 machten offener, hatten starke Auswirkungen auf die politische Kultur und brachten manchen Stein ins Rollen“, sagte Pop. Kapek ergänzte: „Bürgerrechte, Gleichstellung und Umweltschutz  – diese Errungenschaften werden wir gegen all die reaktionären Kräfte verteidigen, die unsere Gesellschaft heute mit Hass und Fakenews zurück in die 1950er Jahre katapultieren wollen.“

          Vor den Versammelten sprachen der Politologe Hajo Funke und das Grünen-Gründungsmitglied Milan Horacek. Schriftsteller Michael Schneider, der Dutschke persönlich kannte, sagte über seinen früheren Studienkollegen: „Er war arglos, hatte kindliches Vertrauen zu den Menschen. Ich weiß nicht, ob es mangelnde Menschenkenntnis oder Humanismus war. Aber die Menschen öffneten sich ihm und er verstand es, ihre besseren Seiten hervorzubringen.“

          Dutschke war führender Kopf der Studentenbewegung, die 1968 ihren Höhepunkt fand. Am 11. April 1968 feuerte der 23-jährige Hilfsarbeiter und Rechtsradikale Johannes Bachmann auf offener Straße drei Kugeln auf Dutschke ab. Er erlitt schwere Gehirnverletzungen und starb elf Jahre später an den Folgen.

          Am Mittwochabend wollte Gretchen Klotz-Dutschke zudem in der Volksbühne ihr neues Buch „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“ vorstellen.

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