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„Klimawandel auf Überholspur“ : 2019 war wohl drittwärmstes Jahr

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Frankfurt Ende Juli: Zu dieser Zeit war es besonders heiß. Bild: Wolfgang Eilmes

Zu heiß und zu trocken: Mit einem Temperaturdurchschnitt von 10,2 Grad zählt das Jahr 2019 zu den drei wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor den Folgen des Klimawandels.

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          Nach ersten Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dürfte 2019 wohl das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 sein. Wie bereits die meisten der vorangegangenen Jahre sei auch das zu Ende gehende Jahr in Deutschland wieder zu trocken, zu warm und mit mehr Sonnenschein als üblich verlaufen, berichtete DWD-Sprecher Andreas Friedrich am Montag nach der vorläufigen Auswertung der Ergebnisse der rund 2000 DWD-Messstationen. „Der Klimawandel ist auf der Überholspur“, sagte er. Dies gelte nicht nur für Deutschland - nach internationalen Messergebnissen ist 2019 weltweit wohl das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

          Der Temperaturdurchschnitt in Deutschland lag 2019 laut DWD mit 10,2 Grad um 2,0 Grad über dem Wert der Referenzperiode von 1961 bis 1990.

          Die Tatsache, dass neun der zehn heißesten Jahre in Deutschland in der Dekade zwischen 2010 und 2019 verzeichnet worden seien, zeige eindeutig: „Das ist kein Zufall.“ Der DWD-Sprecher sprach von einer „dramatischen Häufung“. Im zu Ende gehenden Jahr trugen elf zu warme Monate zu dem Ergebnis bei, nicht zuletzt die extreme Hitze Ende Juli. Noch nie zuvor seien in Deutschland an drei Tagen hintereinander 40 Grad oder mehr gemessen worden. In diesem Sommer war die Temperatur an 23 Messstellen auf 40,0 Grad oder mehr gestiegen. Am 25. Juli wurde dabei in Lingen im Emsland der neue deutsche Hitzerekord von 42,6 Grad gemessen, in mehreren Bundesländern gab es ebenfalls neue Rekordwerte.

          „Eine Hitzewelle ist die tödlichste Gefahr“

          Bei solchen Temperaturen ist gerade in dicht bebauten Ballungsgebieten der Sommer kein Vergnügen mehr – von den gesundheitlichen Belastungen ganz zu schweigen. „Eine Hitzewelle im Sommer ist die tödlichste Gefahr, die unser Wetter zu bieten hat, gefährlicher als Winterstürme oder Starkregen“, betonte der DWD-Sprecher. Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch in der kommenden Dekade die Sommer in Deutschland von Wetterextremen geprägt seien. „Dass es zu kühl ist, wird seltener sein.“

          Hitze war aber nach DWD-Angaben nicht das einzige Wetterextrem des Jahres 2019. Wie bereits im Jahr zuvor war gerade der Sommer deutlich zu trocken – auch wenn mit einem bundesweiten Durchschnitt von bislang rund 730 Litern Niederschlag pro Quadratmeter immerhin 93 Prozent des jährliche Regen-Solls erreicht wurden. Allerdings fiel in manchen Regionen viel zu wenig Regen. Vom Thüringer Becken bis zur Leipziger Tieflandsbucht kamen an einigen Messstationen nur etwa 350 Liter pro Quadratmeter zusammen. Den meisten Regen und Schnee erhielt hingegen das Allgäu mit bis zu 2450 Liter pro Quadratmeter, die größte Tagessumme prasselte in Form von Starkregen in Kreuth-Glashütte bei Bad Tölz am 28. Juli mit 138,9 Liter pro Quadratmeter vom Himmel.

          Zudem war das Jahr 2019 nach den vorläufigen Ergebnissen besonders sonnig: Mit etwa 1800 Stunden Sonnenscheindauer wurde das durchschnittliche Jahres-Soll von 1544 Stunden deutlich übertroffen. Am längsten zeigte sich die Sonne am Hochrhein mit rund 2120 Stunden, am wenigsten im Norden und im Sauerland mit örtlich weniger als 1500 Stunden.

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