https://www.faz.net/-gum-94t3p

Promi-Peinlichkeiten : „Sie finden ihn scharf?“

Verona Pooth: gab in der Gala phantastische Erziehungstipps. Bild: Screenshot

2017 hinterlässt viele Fragen und wenige Antworten. Das könnte auch an den dämlichsten Interviews des Jahres liegen.

          3 Min.

          VERONA POOTH: Warum die ziemlich in der Versenkung verschwundene Verona Pooth überhaupt in der "Gala" befragt wurde, wusste sie wahrscheinlich nicht einmal selbst so genau. Aber dann sprudelte sie über vor phantastischen Erziehungstipps. Sie sei eine strenge Mutter, erklärte sie, und wolle ihre Kinder auf keinen Fall verwöhnen - ihr vierzehnjähriger Sohn Diego habe zwar einen Gucci-Gürtel, aber im Flugzeug dürfe er immer nur Economy fliegen, nicht Business oder gar First Class. Am Pool des Luxushotels müssten die Jungs sich ihre Handtücher selbst holen und nicht von den Angestellten bringen lassen.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Diese Erziehungsmethode scheint zu funktionieren. Die Kinder sind offenbar überhaupt nicht konsumorientiert. Der sechsjährige Rocco etwa sagte angesichts des Dekolletés seiner Mutter vor einiger Zeit: "Da könnte ich eine Kreditkarte durchziehen." Verona Pooth hat sich nach eigener Aussage "kaputtgelacht". So kaputt muss man sich erst mal lachen.

          Moderator Claus Strunz fragte die Chefinnen der anderen kleinen Parteien zu Lindners Sexappeal: „Also, Sie finden ihn scharf, ja?“
          Moderator Claus Strunz fragte die Chefinnen der anderen kleinen Parteien zu Lindners Sexappeal: „Also, Sie finden ihn scharf, ja?“ : Bild: Screenshot

          CLAUS STRUNZ:

          Dieses Interview war auch deshalb so ungewöhnlich, weil das Gesprächsobjekt mittendrin stand und so traurig guckte wie auf seinen Wahlplakaten, aber dieses Mal aus gutem Grund: Christian Lindner schwieg mit Leidensmiene, während Moderator Claus Strunz die Chefinnen der anderen kleinen Parteien zu Lindners Sexappeal befragte: "Also, Sie finden ihn scharf, ja?"

          Eine hochnotpeinliche Situation, der nur Katja Kipping mit bewundernswerter Eleganz begegnete: "Ich bearbeite noch, dass zum ersten Mal bei einem Mann über Äußeres gesprochen wird. Wir haben uns immer beschwert, wenn das bei Frauen der Fall ist. Das ist ein interessantes Phänomen. (...) Ich überlege, ob das die Gleichstellung ist, die ich wollte. Oder ob wir nicht doch eher über die Inhalte ..." Oder vielleicht mal über die Themenwahl des Interviewers.

          Thorsten Albig äußerte sich herablassend über seine ehemalige Frau.
          Thorsten Albig äußerte sich herablassend über seine ehemalige Frau. : Bild: Screenshot

          TORSTEN ALBIG:

          Okay, im Gegensatz zu weiland Rudolf Scharping präsentierte Torsten Albig seine neue Lebensgefährtin in der "Bunten" nicht in Badekleidung am Pool. Aber Albig erreichte ganz neue Dimensionen der Trampeligkeit. Eigentlich sollte ihm das Interview bei der Wiederwahl als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein helfen. Aber er äußerte sich herablassend über seine ehemalige Frau: "Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres. Wir hatten nur noch ganz wenige Momente, in denen wir uns auf Augenhöhe ausgetauscht haben. Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen."

          Viele Leser reagierten verärgert, die Wahlniederlage folgte einen Monat später. Dabei ging leider vollkommen unter, dass Albig auch gegenüber seiner Lebensgefährtin Bärbel Boy uncharmant war. "Torsten meint, ich würde ihn an eine Eule erinnern", sagte Boy in dem Gespräch. Er: "Eulen sind klug und sehr schön. Sie werden gern unterschätzt, weil sie sich so bedächtig bewegen, sind aber sehr erfolgreiche Raubvögel." Aha. Zum Glück hat Albig sich nie im diplomatischen Dienst versucht.

          In Claus Klebers Träumen kommen Frauen nur in einer eingeschränkten Bandbreite an Rollen vor.
          In Claus Klebers Träumen kommen Frauen nur in einer eingeschränkten Bandbreite an Rollen vor. : Bild: Screenshot

          CLAUS KLEBER:

          Manchmal öffnet sich ein Wespennest, wo man es nicht erwartet hätte. So erging es der Schauspielerin Maria Furtwängler, die mit einem faktenlastigen Interview zu einer von ihr mitinitiierten Studie über die Präsenz von Frauen in Film und Fernsehen gerechnet hatte. Aber Claus Kleber fühlte sich offenbar persönlich angegriffen von der nicht besonders überraschenden Erkenntnis, immer noch würden mehr Männer als Helden dargestellt. Er warf Furtwängler vor, die Gesellschaft "umerziehen" zu wollen, und argumentierte mit einer "Traumwelt", die Hollywood angeblich zeige.

          Wir lernen: In Claus Klebers Träumen kommen Frauen nur in einer eingeschränkten Bandbreite an Rollen vor. Maria Furtwängler behielt ihre Mimik souverän unter Kontrolle. Selbst Klebers Ausruf "Wollen Sie jetzt Benjamin Blümchen gender-mainstreamen?!" überstand sie ohne Augenverdrehen. Erst seitdem ist klar, was für eine ausgezeichnete Schauspielerin Deutschland in ihr hat.

          Die Youtuber blieben, anders als Angela Merkel, in ihrer Komfortzone.
          Die Youtuber blieben, anders als Angela Merkel, in ihrer Komfortzone. : Bild: Screenshot

          ISCHTAR ISIK:

          Dass die vier Youtuber aufgeregt waren, weil sie die Kanzlerin im August interviewen durften, ist im Grunde sonderbar. Ihre Fallhöhe war nicht so groß, weil das Befragen von Spitzenpolitikern sonst nicht zu ihren Aufgaben gehört - und sie blieben, anders als Angela Merkel, in ihrer Komfortzone. Schließlich gaben sie die Themen vor und brachten Merkel damit mehr als einmal in Verlegenheit. Über die Frage, welches Motiv sie auf ein T-Shirt drucken würde, musste sie nachdenken. Und als sie ihr Lieblings-Emoji nennen sollte, gab sie mit "Smiley" die denkbar unoriginellste Antwort. Aber am Ende des Gesprächs mit Ischtar Isik gab es dann doch noch einen denkwürdigen Moment.

          Dies sei ihr erstes Interview gewesen, sagte Isik, und Merkel fragte: "Ihr allererstes Interview? Im Leben?" Isik bejahte, dann kam die besorgte Nachfrage: "Sonst machen Sie immer nur Selbstdarstellung?" Ja, gut, klingt ungewöhnlich, aber wer wird denn da so kritisch sein? Gute Selbstdarstellung hat schließlich schon Menschen bis in den Elysée-Palast gebracht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Arzt impft in Nürnberg einen Fan vor einem Fußballspiel.

          Coronavirus : Wo warten noch willige Ungeimpfte?

          Die einen appellieren an die Solidarität von Älteren, die anderen wollen Migranten und Menschen in sozialen Brennpunkten besser ansprechen. Und dann sind da noch die Jugendlichen. Wie auch immer – bevor die vierte Welle voll zuschlägt, soll wieder mehr geimpft werden.
          Unbedingt querlüften: Klassenzimmer in Düsseldorf

          Corona-Ansteckung : Was Sie über Aerosole wissen müssen

          Die Mehrheit der Deutschen kennt auch im zweiten Corona-Jahr nicht die Ansteckungsgefahr durch Aerosole. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat nun alle Fakten zusammengestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.