https://www.faz.net/-gum-a2o1m

200 Jahre nach Erstbesteigung : Der Zugspitze droht der Tourismus-Kollaps

  • -Aktualisiert am

Es ist ein Kreuz am Gipfel: An schönen Tagen drängen sich auf dem Weg zum höchsten Punkt der Zugspitze Hunderte Besucher. Bild: Reuters

Vor 200 Jahren wurde die Zugspitze zum ersten Mal bestiegen – seither herrscht Hochbetrieb auf Deutschlands höchstem Gipfel. Vor allem die Seilbahn-Touristen sorgen für Unmut.

          4 Min.

          Hochbetrieb auf Deutschlands höchstem Berg. Am markanten goldenen Gipfelkreuz auf dem 2962 Meter hohen Ostgipfel der Zugspitze herrscht ein Kommen und Gehen. Die einen wollen über den steilen Grat hinauf, die anderen hinunter. Links und rechts fallen Felswände mehrere hundert Meter ab. Doch erst mal heißt es Schlange stehen. Die Bilder erinnern an Aufnahmen vom Südgrat des Mount Everest. Sind es am höchsten Berg der Welt aber pro Jahr nur rund 700 Bergsteiger, die dort hinauf wollen, sind es an der Zugspitze locker an einem Tag so viele.

          200 Jahre ist es her, dass die Zugspitze zum ersten Mal erstiegen wurde. Lange nahmen die Einheimischen an, dass es keinen gangbaren Weg dort hinauf gäbe. „Da kimmt ma ned nauf“, sollen sie noch im 19. Jahrhundert behauptet haben. Bis schließlich am 27. August 1820 Leutnant Joseph Nauß und zwei Begleiter im Zuge von Vermessungsarbeiten den Gipfel erreichten. Ob nicht vorher auch schon ein Hirte oder Jäger oben gestanden haben könnte? Nicht einmal Sepp Kümmerle weiß es, der Leiter des Museums Werdenfels in Partenkirchen, das eine umfangreiche Zugspitz-Abteilung beherbergt. Doch einiges spreche dafür. In einer Augenscheinkarte aus dem Jahr 1730, deren Original im Alpinen Museum in München aufbewahrt wird und von der es eine Reprografie im Museum Werdenfels gibt, seien zumindest Steige und Hirtenhütten bis nahe an den Gipfel eingezeichnet.

          Als Nauß und seine Begleiter auf dem Gipfel ankamen, war der Alpinismus schon voll im Gange. Der Mont Blanc, der höchste Berg der Alpen, war 1786 erstbestiegen worden, der Großglockner, der höchste Berg Österreichs, im Jahr 1800, und der Ortler, der höchste Berg Südtirols, 1804. Bald folgten auch an der Zugspitze dem Erstbesteiger etliche Nachahmer. Bis 1873 sollen immerhin 65 Menschen den Weg auf den Gipfel gefunden haben. Schon diese – aus heutiger Perspektive geringe – Zahl erregte den Unmut der Zeitgenossen. „Habt nur immer genug an der Zugspitze, ihr Berghelden von nahe und fern! Ich habe genug an Euch“, kritisierte Hermann von Barth, einer der Erschließer der Bergwelt um die Zugspitze in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Dabei war das alles nur ein Vorgeschmack dessen, was folgen würde: Zum hundertjährigen Jubiläum sollen schon weit mehr als 25.000 Menschen auf der Zugspitze gewesen sein. Und heute sind es pro Jahr mehr als 600.000 Personen, die sich von Bahnen hinauf und wieder hinunter bringen lassen.

          Mehr als 600.000 Menschen im Jahr lassen sich von denen Bahnen hinauf und hinunter bringen.
          Mehr als 600.000 Menschen im Jahr lassen sich von denen Bahnen hinauf und hinunter bringen. : Bild: AFP

          Am höchsten Berg Deutschlands wurde die Erschließung der Alpen auf die Spitze getrieben. Seit dem Jahr 1930 gibt es eine Zahnradbahn. Sie führt bis zur Karsthochfläche unterhalb des Gipfels, auf das Zugspitzplatt, wo auf 2600 Metern über dem Meeresspiegel jeden Sommer auf den letzten Resten des abschmelzenden Schneeferners eine Rodelbahn eingerichtet wird und im Winter Skibetrieb herrscht. Von dort geht es mit einer Seilbahn weiter zum Westgipfel. Daneben führen, weil Deutschlands höchster ein Grenzberg ist (die Staatsgrenze verläuft etwas mehr als 100 Meter westlich des Gipfelkreuzes), von österreichischer und von deutscher Seite zwei weitere Seilbahnen zum Gipfel. Die zahlreichen Bauwerke – Seilbahnstationen, Wetterwarte, Funkübertragungsstelle und die ehemalige Höhenstrahlungsmessstation zur Erforschung der kosmischen Strahlung – führen dazu, dass die Zugspitze nach Ansicht vieler den hässlichsten Gipfel der Welt hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Inbegriff eines Whistleblowers: Edward Snowden. Möchte man in seine Fußstapfen treten, sollte man einiges beachten.

          Vorteile und Risiken : Soll ich Whistleblower werden?

          Die Kollegen schieben krumme Dinger, der Chef ist nicht ganz ehrlich bei der Abrechnung: Soll ich das öffentlich machen? An wen kann ich mich wenden? Wer Hinweisgeber werden will, muss vorsichtig sein – und an die eigene Gesundheit denken.
          Seit 20 Jahren Chef von Gazprom und treuer Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putin: Alexej Miller.

          Gazprom-Chef Alexej Miller : Putins Mann fürs Gas

          Alexej Miller ist seit 20 Jahren Chef von Gazprom und treuer Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hat den Konzern äußerlich modernisiert – doch im Kern ist dieser ein Instrument des Kremls geblieben.

          Grüne und FDP : Der lange Weg zur Ampel

          Grüne und Liberale waren lange allerbeste Feinde. Aber wenn zwei langjährige Parteimitglieder wie Ralf Fücks und Karl-Heinz Paqué sich heute zum Kaffee treffen, sieht vieles anders aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.