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15 Jahre nach 9/11 : Wie Tausende Flugpassagiere in Gander Zuflucht fanden

  • -Aktualisiert am

Gander im September 2001: Der Flughafen wird nach den Terroranschlägen zum Ausweichziel von 38 Flugzeugen. Der Jumbojet der Lufthansa parkt hinter einem Militärtransporter (rechts unten). Bild: Royal Canadian Air Force

Die Bilder des 11. September 2001 brannten sich ins kollektive Gedächtnis ein. Im Schatten der Anschläge aber fanden Tausende in einem Ort in Neufundland Zuflucht.

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          Als in New York gerade die Welt untergeht, herrscht über dem Atlantik Totenstille. Lufthansa-Flug 400 ist einer der ersten, der an diesem Dienstagmorgen Frankfurt verlässt und nach Amerika aufbricht. In der ersten Reihe des Flugzeugs sitzt Werner Baldessarini. Genau genommen sitzt er in Reihe 81, das ist die erste Reihe in der First Class, die Lufthansa im Oberdeck des Jumbojets untergebracht hat. Baldessarini, ein umtriebiger Mann, sitzt immer in der ersten Reihe, in der Mode wie im Flugzeug. Er kennt die Welt, und die Welt kennt ihn. Als Chef des Herrenausstatters Hugo Boss ist er auf dem Weg nach New York, eine wichtige Modenschau steht an. Es könnte seine letzte sein. Er trägt sich mit dem Gedanken, beruflich kürzer zu treten.

          An seinem Zielort herrscht an diesem 11. September 2001 längst Ausnahmezustand. Terroristen haben zwei Verkehrsflugzeuge in die Türme des World Trade Center gesteuert. Tausende kommen in den zusammenbrechenden Hochhäusern um. Die Modewoche wird gleich nach der ersten Schau am Morgen abgebrochen. Fotografen und Reporter laufen in den Süden von Manhattan, um über die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Stadt zu berichten. In einem Bunker unter dem Weißen Haus schreit Verkehrsminister Norman Mineta die Luftsicherheitsbehörde an: „Get those goddamn planes down!“ Alle. Sofort. 4546 Flugzeuge sind über den Vereinigten Staaten in der Luft, als die Regierung den Luftraum schließt. Gut 400 sind auf dem Weg ins Land, die meisten über den Atlantik.

          Im „westbound flow“ fliegen die Maschinen tagsüber nach Amerika, nachts kommen sie zurück. Im Cockpit des Lufthansa-Flugzeugs sitzt Kapitän Reinhard Knoth. Er ist ein erfahrener Pilot, arbeitet seit 30 Jahren für die Lufthansa. Seine 747-200 ist mit 354 Passagieren voll besetzt. Knoth hört den Smalltalk auf einer allgemeinen Frequenz, auf der sich Piloten über das Wetter und andere Kleinigkeiten austauschen. Ein KLM-Pilot sagt: „Irgendwas ist da los in New York. Ein Unfall.“ Knoth schaltet die Deutsche Welle ein. Da rast das zweite Flugzeug ins World Trade Center. Immer mehr Piloten melden sich zu Wort. Wie kann das sein? Wie viele werden folgen? Der Himmel ist blau, die Luft ist ruhig. Um 9.15 Uhr New Yorker Zeit bekommt Knoth Bescheid, dass der Luftraum geschlossen wird.

          Petra Roth ist auf dem Weg zum Bürgermeister von New York

          In der Lufthansa-Boeing 747 führt eine Wendeltreppe hoch in die First Class im Oberdeck. Einige Vorkommnisse beunruhigen Werner Baldessarini. Er beobachtet, wie eine Flugbegleiterin mit einem vollen Tablett ins Cockpit kommt und mit einem vollen wieder hinaus. „Da habe ich gedacht: Da stinkt’s.“ Auch Petra Roth merkt, dass etwas nicht stimmt. Die damalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt sitzt neben Baldessarini. Sie ist auf dem Weg zu einer Feier zu Ehren von Rudolph Giuliani, damals Bürgermeister von New York, einem alten Freund. Schon am nächsten Tag soll es wieder zurückgehen.

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