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100 Jahre DRK : Vom Sanitätsverein zur Hilfsorganisation

Logo des Deutschen Roten Kreuz, aufgenommen bei einer Übung in Rheinland-Pfalz Bild: dpa

Sie liefern „Essen auf Rädern“, übernehmen Rettungsfahrten, und führen in der Pandemie Tests auf das Coronavirus durch: Das Deutsche Rote Kreuz feiert an diesem Wochenende sein hundertjähriges Bestehen.

          3 Min.

          Die Zeit drängte. An der Nordseite des Brünnsteins in den bayerischen Voralpen war am frühen Abend ein 65 Jahre alter Mann abgerutscht. Den Abstieg konnte er wegen starker Schmerzen nicht fortsetzen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit blieb wenig Zeit. Doch den Helfern des Roten Kreuzes gelang an diesem Abend im September 2015 mit einem atemraubenden Hubschraubermanöver die Bergung des Verletzten, wie sich Notfallsanitäterin Birgit Lotter im Rahmen eines Zeitzeugenprojekts von Deutschlands größter Hilfsorganisation erinnert. Es ist nur einer von unzähligen Einsätzen: An diesem Samstag feiert der Deutsche Rote Kreuz e.V. (DRK) mit einer digitalen Feier und einem Grußwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel sein hundertjähriges Bestehen.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Genau genommen ist die Rot-Kreuz-Bewegung schon mehr als ein halbes Jahrhundert älter. Der Schweizer Kaufmann Henry Dunant hatte sie am 17. Januar 1863 als Initiative für eine neutrale Helfergruppe im Krieg ins Leben gerufen. Das Symbol des roten Kreuzes wurde als Umkehrung der Schweizer Flagge ihm zu Ehren ausgewählt. Noch im selben Jahr gründete sich der erste deutsche Ableger, der Württembergische Sanitätsverein in Stuttgart. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Vereine, in denen sich zu Beginn vor allem Frauen engagierten. Sie leisteten unter anderem Sanitätsdienste im Krieg und suchten nach Vermissten.

          Im Zuge der Entmilitarisierung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg musste sich die Bewegung neu aufstellen: Am 25. Januar 1921 schlossen sich die Landesvereine zu dem bis heute bestehenden Dachverband Deutsches Rotes Kreuz zusammen, der sich laut seiner Satzung vor allem karitativen und wohlfahrtsorientierten Friedensaufgaben widmen wollte.

          Seit 2017 Präsidentin des DRK: Gerda Hasselfeldt
          Seit 2017 Präsidentin des DRK: Gerda Hasselfeldt : Bild: dpa

          Von 1933 an wurde das Rote Kreuz in der Zeit des Nationalsozialismus schrittweise gleichgeschaltet, SS-Angehörige übernahmen Leitungsaufgaben und schlossen jüdische Mitglieder aus. Nachdem Frankreich und die Sowjetunion das DRK nach Kriegsende in ihren Besatzungszonen aufgelöst hatten, gründete sich der Dachverband 1950 in der Bundesrepublik und 1952 in der DDR neu. Nach der Wiedervereinigung fanden auch die beiden Gesellschaften wieder zusammen.

          Von der Bergwacht bis zum Rettungsdienst

          Bis heute hat das DRK den 1921 gesetzten Rahmen mit vielen Tätigkeiten erfüllt: Es engagiert sich unter anderem bei der Berg- und Wasserwacht, in der Katastrophenhilfe, aber auch im sozialen Bereich, betreibt Kindergärten, Seniorenheime und Rettungsdienste, liefert „Essen auf Rädern“ und organisiert Blutspenden. Auch international ist das Deutsche Rote Kreuz aktiv, etwa in Flüchtlingslagern in Bangladesch oder nach Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in Haiti 2010.

          Diese Bandbreite sowie die internationale Vernetzung hält Dachverbands-Präsidentin Gerda Hasselfeldt für die Stärken des DRK: „Hier ist für jedes Talent etwas dabei.“ Fast drei Millionen Mitglieder, rund 180.000 Hauptamtliche und 443.000 Ehrenamtliche engagieren sich in 19 Landesverbänden sowie in der Schwesternschaft des DRK. „Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist ein unheimlich großes Pfund in unserer Gesellschaft“, sagt die ehemalige CSU-Politikerin, die am 1. Dezember 2017 zur DRK-Präsidentin gewählt wurde. Die Helfer seien nachts ebenso im Einsatz wie am Wochenende. Haupt- und Ehrenamtliche arbeiteten eng zusammen, viele Helfer schätzten das Gemeinschaftsgefühl.

          „Eine Idee, die sich hoffentlich weiter lange trägt“

          Das 100. Jubiläum fällt mitten in einen der größten Einsätze der Hilfsorganisation – die Corona-Pandemie. Zunächst war sie unter anderem beim Aufbau von Teststationen beteiligt, inzwischen sind die Helfer zudem in rund 300 Impfzentren im Einsatz. „Es ist ein sehr intensiver Einsatz“, sagt Hasselfeldt. „Das war eine großartige Leistung. Ich bin überzeugt: Ohne die Hilfsorganisationen wäre weder der Aufbau noch der Betrieb der Zentren möglich gewesen.“ Besonders beeindruckt habe sie das Engagement bei den Testungen, etwa bei einer übergreifenden Aktion in Alten- und Pflegeheimen in der Weihnachtszeit.

          Für die Zukunft wünscht sich Hasselfeldt eine größere Wertschätzung der Pflegeberufe. Für Krisenfälle schlägt sie Pflegeunterstützungskräfte vor: Ehrenamtliche, die nach einer kurzen Ausbildung in schwierigen Phasen Pflegekräfte unterstützen können – „eine Konsequenz aus den Erfahrungen der Pandemie“. Auch die Materialvorhaltungen für den gesamtgesundheitlichen Bevölkerungsschutz müssten ein höheres Gewicht bekommen.

          „Wir sind aber auf einem guten Weg.“ Mit Blick auf das Engagement der DRK-Helfer sagt Hasselfeldt: „Der weltweite Gemeinsinn, anderen zu helfen, egal wo, egal aus welchem Grund, einfach, weil sie Hilfe brauchen, das ist eine wunderbare Idee, die sich hoffentlich weiter lange trägt.“

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