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Menschen : Ein Kochbuch auf den Spuren Otto von Bismarcks

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Otto von Bismarck

Otto von Bismarck Bild: AP

Günter G. A. Marklein, ein exzellenter Kenner der Familie Bismarck und Betreiber des sogenannten kleinen Bismarck-Museums in Sachsen-Anhalt, hat dem Fürsten in die Speisekarten geschaut.

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          „Die Bismarcks sind nicht nur gute Esser, sondern auch trinkfeste Leute ...“ Der Eiserne Kanzler Otto von Bismarck (1815-1898) erinnerte sich an die guten Mahlzeiten in heimischen Gefilden stets dann, wenn es ihm andernorts nicht recht schmeckte. Selbst mit dem Angebot an der königlichen Tafel beim Frankreichfeldzug war der Politiker nicht zufrieden. Schließlich war es sein Grundsatz, daß man nach geistiger Arbeit wieder Ersatz schaffen muß „für den aufgebrauchten Spiritus“.

          Günter G. A. Marklein, ein exzellenter Kenner der Familiengeschichte der Bismarcks in der Altmark und Betreiber des so genannten kleinen Bismarck-Museums in Poritz (Sachsen-Anhalt), hat dem Fürsten in die Speisekarten geschaut. Nach eineinhalb Jahren Forschung liegt nun sein Büchlein „Mensch Otto“ auf dem Tisch. Es enthält Vergnügliches über die Eß- und Trinkgewohnheiten des einstigen Reichkanzlers.

          Speisekarten gaben Auskunft

          Der Autor hatte Glück - eine Sammlung zeitgenössischer Original-Speisekarten war ihm in die Hände gefallen. Allesamt stammen sie von Feiern im Hause der altmärkischen Adelsfamilie oder von Festessen irgendwo im Deutschen Reich. Aus seiner Sammlung von mehr als 500 Büchern zu Bismarck suchte er zusätzlich Geschichten und Rezepte heraus. Ein Kanzler wird quasi kulinarisch erlebbar.

          Nicht nur das, einen Teil der 42 Rezepte haben Köche aus den Restaurants „Zum Reichskanzler“ in Osterburg und „Zu den Linden“ in Döllnitz nachgekocht. Ihr Urteil: „gegenwartstauglich“. Obwohl Marklein einräumt, daß manche Empfehlung mit Vorsicht zu genießen sei, denn „wo bekommt man heute preiswert ein halbes Pfund Trüffel her?“ Ein Fazit: Bismarck konnte Unmengen von Spezereien und Wein verdrücken. Im Alter von 80 Jahren zeigte er sich aber enttäuscht über seinen Appetit. Gerade einmal vier Eier habe er vertilgt, dabei brachte er es in Jugendzeiten auf zwei Dutzend auf einen Streich. Natürlich hatte der Hering bei ihm einen besonderen Stellenwert. „Die sind gesund“, verkündete der Fürst 1888 in Friedrichsruh. Der Fisch sei „ein sehr feiner und edler und nur deshalb gering geachtet ist, weil er häufig vorkommt und wenig kostet“.

          „Riesige Freßkörbe“

          Interessant sind die Zeilen des Geheimrats Christoph von Tiedemann. 1878 berichtet er seiner Frau in einem Brief von einer Reise mit seinem „Chef“: „Hinter Neustadt erklärte der Fürst, er verspüre Appetit.“ Aus einem „riesigen Freßkorb“ seien dann „ein halber Hase, zwei gebratene Rebhühner, eine Rehkeule, verschiedene Wurst“ zutage getreten. „Außerdem marschierten Bier, Rotwein, Nordhäuser und Cognac auf.“ Bismarck war stolz auf seinen guten Hunger. In Lüttich will er als 26jähriger 175 Austern gegessen haben. Ein anwesender Gast notierte: „Es muß indeß ehrlicherweise bemerkt werden, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach die kleinere Ostender Sorte gewesen ist.“ Wie dem auch sei - Fürst Otto von Bismarck war vermutlich keinen Tag ein Kostverächter. Zu seinen Lieblingsgerichten gehörten unter anderem Windsorsuppe, Hummer, gefüllter Fasan, Käsestangen aus Blätterteig, Rebhühner in Burgunder und Pommerscher Gänsebraten. Wert legte der Politiker auf die Herkunft seiner Speisen. Als Herr vieler Güter hieß es bei ihm oft: „Alles Produkt meiner Wirtschaft!“

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