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Amerikas neue First Lady : Das gesammelte Schweigen der Mrs. Trump

  • -Aktualisiert am

Er, der Bösewicht. Sie, die böse Gattin. Dieses Foto könnte auch aus einem James-Bond-Film stammen. Bild: dpa

Amerika bekommt eine neue First Lady. Melania Trump ist erst die Zweite, die nicht aus Amerika stammt. Ihr Vater war Mitglied der Kommunistischen Partei.

          Zum ersten Mal, seit Präsident John Quincy Adams im Jahr 1825 mit einer gebürtigen Britin ins Weiße Haus einzog, bekommt Amerika wieder eine Einwanderin als First Lady. Melania Trump, geborene Melanija Knavs (sprich: Knauss), ist Slowenin. Sie wurde am 26.April 1970 in Novo mesto (Rudolfswerth) geboren und wuchs auf in der untersteirischen Gemeinde Sevnica (Lichtenwald).

          Die Kindheit der künftigen First Lady war typisch für Millionen Mädchen im kommunistischen Europa. Ihr familiär ziemlich desinteressierter Vater war Mitglied der Kommunistischen Partei, was ihn nicht daran hinderte, seine beiden Töchter taufen zu lassen. Ihre Mutter arbeitete in einer Textilfabrik. Als Schulmädchen wurde sie das erste Mal für ein Frauenmagazin fotografiert – in Kleidchen aus Stoffen, die ihre Mutter entworfen hatte. Die Welt der Claudia Schiffers und Cindy Crawfords, die ihr aus den jugoslawischen Zeitschriften entgegenlachte, erschien ihr unendlich fern. Und doch war sie fest entschlossen, einmal in diese Welt aufzusteigen.

          In den frühen neunziger Jahren, als Jugoslawien zerfiel und Slowenien unabhängig wurde, durchstreiften Bildagenturen und Modefotografen ganz Osteuropa auf der Suche nach slawischen Models. „Junge Schönheiten marschieren nach Europa“ – so lockte das Frauenmagazin „Jana“ ambitionierte Leserinnen zu einem Wettbewerb in den Adria-Kurort Portorož. Das war 1992, das Jahr, in dem sich Donald Trump für viel Geld von der slawischen Schönheit Ivana scheiden ließ. In Portorož landete Melania, die kühle, stille Blonde, auf dem dritten Platz. Es folgten Engagements in Wien und Mailand.

          Amerikas neue First Lady, Melania Trump, und im Schlepptau der Gatte Donald. Bilderstrecke

          Im August 1996 ging sie mit einer Green Card nach New York, wo sie sich ein Apartment in den Zeckendorf Towers am Union Square mietete. Zwei Jahre später begegnete sie Donald Trump auf einer Party im Kit Kat Club. Noch bevor die beiden heirateten, besuchten sie Slowenien – nicht Sevnica, sondern den Luftkurort Bled und den gleichnamigen malerischen See inmitten der Julischen Alpen. Ihre Eltern und ihre Schwester waren die einzigen slowenischen Gäste auf ihrer glamourösen Hochzeit in New York. Mit ihrem Sohn Barron, heißt es, spreche sie auch Slowenisch. Er hat auch einen slowenischen Pass und soll denselben slawischen Akzent haben wie seine Mutter. Melania Trump prahlt nicht gerade mit ihrer slowenischen Herkunft, aber sie verleugnet sie auch nicht, wie ihr im Wahlkampf vorgeworfen wurde.

          Die Slowenen, die erst seit 25 Jahren einen eigenen Staat haben, sind wie alle anderen kleinen Nationen geradezu besessen von dem Wunsch, ihr Land auf der Weltkarte sichtbar zu machen. Man sollte also annehmen, dass sie den unglaublichen Aufstieg ihrer Landsmännin mit Neugier und Sympathie begleitet hätten. Tatsächlich aber wurde sie in ihrer Heimat bisher ignoriert oder herablassend behandelt. Weder Präsident Borut Pahor noch Außenminister Karl Erjavec erwähnten sie in ihren ersten Reaktionen auf Trumps Wahlsieg.

          Slowenien interessiert sich kaum für sie

          Ziemlich desinteressiert zeigten sich bisher auch die slowenischen Zeitungen. Gelegentlich beschäftigten sie sich mit ihrem Lifestyle und dem Reichtum ihres Manns. Im Jahr 2005 rechnete die Wirtschaftszeitung „Finance“ vor, dass Melanias Ehemann, wäre er slowenischer Staatsbürger, etwa so viel an Kapitalertragsteuer zu zahlen hätte wie alle an der Laibacher Börse registrierten Unternehmen zusammen. Sein Gesamtvermögen sei nur geringfügig geringer als das Jahresbudget Sloweniens. Ines Knauss, Melanias ebenfalls in New York lebende ältere Schwester, wunderte sich in einem Facebook-Posting darüber, warum die slowenischen Medien sie auf ihrem Weg ins Weiße Haus nicht unterstützten. Wahrscheinlich ist es nicht nur Neid, der die mehrheitlich links orientierten Journalisten ihrer Heimat dazu verführte, vorwiegend negativ über sie zu berichten.

          Die Zeitung „Delo“ veröffentlichte im März eine Umfrage, in der sich nur zehn Prozent der Slowenen für Donald Trump als amerikanischen Präsidenten aussprachen. Die Journalisten Bojan Požar und Igor Omerza, die in peniblen Recherchen die slowenischen Wurzeln der First Lady offenlegten („Melania Trump – The Inside Story“), meinen, Melania wäre geradezu vergöttert worden, hätte sie nicht einen alten Republikaner, sondern einen jungen Demokraten geheiratet. An dem „Schleier des Geheimnisses“, der ihren slowenischen Lebensabschnitt verhülle, sei nicht nur ihre fast schon legendäre Reserviertheit schuld, sondern vor allem auch politisch induzierter Recherche-Verzicht.

          Nur die Bürger von Sevnica freuen sich über ihren Erfolg, wenn auch vielleicht nur deshalb, weil sie sich einen Geldregen erhoffen. Angeblich überlegt man schon, eine Straße nach ihr zu benennen. Noch ist nicht klar, ob sie nun den Namen von Melanija Knavs, Melania Knauss oder doch Melania Trump tragen soll.

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