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Rosenmontag : Mehrere Städte sagen Karnevalszüge ab

  • Aktualisiert am

Karnevalisten halten sich die Kappen im Rosenmontagsumzug in Köln fest. Bild: dpa

Trotz des stürmischen Wetters ziehen in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz die traditionellen Umzüge durch die Stadt. In mehreren anderen Städten gehen die Karnevalisten jedoch leer aus.

          Trotz stürmischen Wetters haben am Rosenmontag Hunderttausende Jecken und Narren in den Karnevalshochburgen gefeiert. Schätzungsweise 450.000 Menschen verfolgten den Umzug in Mainz, der kurz nach dem Start aufgrund starker Windböen für einige Minuten gestoppt werden musste. In Köln, wo der deutschlandweit größte Zug pünktlich durch die Straßen zog, fielen auf die Kostümierten am Straßenrand außer Kamellen und Strüßjer (Blumensträußen) zahlreiche Regentropfen. In Düsseldorf konnte der Umzug wegen Orkanböen erst anderthalb Stunden später als geplant starten. In mehreren Städten mussten die Aktivitäten zum Rosenmontag sogar abgesagt werden.

          Während die Umzüge in den Karnevalshochburgen trotz des stürmischen Wetters stattfinden konnten, wurden die Züge in mehreren kleineren Städten abgesagt. In Bottrop, Oberhausen-Alstaden, Augsburg, Neu-Isenburg und Seligenstadt mussten die Veranstalter vor dem stürmischen Wetter kapitulieren. In Seligenstadt waren 40.000 Zuschauer erwartet worden. Der Rosenmontagszug in der Stadt nahe Offenbach gehört zu den größten und traditionsreichsten im Rhein-Main-Gebiet.

          Der Umzug in Fulda ist nach Zögern der Veranstalter ebenfalls abgesagt worden. Nach aktuellen Wetterprognosen sei es unverantwortlich, den Zug stattfinden zu lassen. Nach Angaben der Feuerwehr sind in der Innenstadt bereits mehrere Bäume umgestürzt und Ziegel von den Dächern geweht worden.

          Auch in mehreren anderen Städten starten die Züge aufgrund des Wetters mit Verspätung. Bottrop im Ruhrgebiet hat seinen Karnevalszug sogar ganz abgesagt. „Das ist natürlich für die vielen Engagierten schwer zu verdauen, die Herzblut und Engagement in die Jubiläumsdarstellung, aber auch in die sonstigen guten Ideen aller Karnevalsgruppen für den Rosenmontagszug gesteckt haben“, sagte Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler. Die Gefahr durch den Sturm sei aber zu groß.

          Die Höhepunkte der Züge bildeten wie in jedem Jahr die aufwendig gestalteten Motivwagen, in denen politische Skandale und Provinzpossen verspottet wurden. Themen der diesjährigen Motivwagen in Mainz waren unter anderem der Brexit, die Vermüllung der Ozeane und der Zustand der großen Koalition in Berlin. Auch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und Kritik an mangelndem Aufklärungswillen griffen die Mainzer Wagenbauer auf. Durch die Straßen rollte die große Figur eines Priesters, der seine Opfer in einer Kirche zurücklässt und fröhlich in die nächste Gemeinde weiterzieht.

          Auch in Düsseldorf nahm der berühmte Wagenbauer Jacques Tilly den Missbrauchsskandal aufs Korn. Kurz nach dem viel kritisierten Anti-Missbrauchs-Gipfel im Vatikan zeigte er einen schlafenden hochrangigen Kirchenmann in einer kardinalsroten Hängematte, die an zwei schief stehenden und angeknacksten Kreuzen hing. An der Hängematte waren die Worte „Schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle!“ zu lesen.

          Viel Applaus von den Jecken am Straßenrand erhält in Düsseldorf auch der interreligiöse Wagen mit Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und des lokalen Verbandes muslimischer Gemeinden. Den zehn Meter langen „Toleranzwagen“ hatte ebenfalls der Wagenbauer Tilly gestaltet.

          Ausgelassene Stimmung trotz Sturm: Karnevalisten einer Fußgruppe feiern beim Rosenmontagszug in Köln.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump bekam in Düsseldorf gleich mehrmals sein Fett weg: Als nackte Putte und „Schmutz-Engel“ schwebte er über dem bluttriefenden saudischen Prinzen Mohammed bin Salman, der für den Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich gemacht wird. Eine andere Trump-Figur zerriss gemeinsam mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin den Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen – zwischen beiden ein grinsender Totenkopf mit Nuklear-Augen, unter ihnen ein brennendes Europa.

          Auch die rechtspopulistischen Umtriebe in der Republik inspirierten die Karnevalisten zu Spott: In Düsseldorf rollte die AfD in einer Badewanne im braunen Modder durch die Straßen, auf dem rechten Wannenrand eine Quietsche-Ente mit Zügen von Adolf Hitler. Dem beobachtenden Verfassungsschützer schleuderte der Badende das Wort „Spanner“ entgegen.

          In Köln und Düsseldorf zogen die Narren diesmal auch die Parteichefinnen von CDU und SPD, Annegret Kramp-Karrenbauer und Andrea Nahles, durch den Kakao. In Köln stand Nahles mit ausgebreiteten Armen wie die Schauspielerin Kate Winslet im Film „Titanic“ am Bug des im Eismeer der großen Koalition sinkenden SPD-Parteischiffs. In Düsseldorf stieß Nahles mit Kramp-Karrenbauer zusammen. Die eine wollte mit richtungsweisendem Arm mit ihrer Partei mehr nach links, die andere mehr nach rechts.

          Die Kölner Narren thematisierten im 7,5 Kilometer langen Zug auch den Plastikmüll in den Weltmeeren, der bei einem überdimensionalen Fisch „Nemo“ Sorgen und Angstschweiß auslöst. Auch der Konflikt um den Hambacher Forst wurde thematisiert: Wie in den Keilereien im Comic Asterix schlugen sich Mitarbeiter, Anwohner, RWE, Polizei und Aktivisten in einer Demo-Wolke. Die Waldbewohner Hase und Igel fragten sich derweil: „Wat soll der Käu?“ (Was soll der Unsinn?).

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